Informieren, bevor die Initiative unterschrieben ist
Amriswil/TG. Bevor im Thurgau die Initiative für eine freie Schulwahl gestartet ist, hat der Verband der Thurgauer Schulgemeinden bereits seine Ablehnung formuliert.
Man müsse verhindern, dass die Frage der freien Schulwahl «auf der emotionalen Schiene» abgehandelt werde, sagte VTGS-Vizepräsident Jürg Schenkel vor den Medien. Der Verband wolle deshalb frühzeitig informieren und aufklären über die Folgen von etwas, das nur auf den ersten Blick gut wirke.
Initiative angekündigt
Die «Elternlobby Thurgau» hatte angekündigt, im Herbst 2008 mit der Unterschriftensammlung für eine Volksinitiative für freie Schulwahl zu beginnen. Sie wolle das Begehren noch dieses Jahr einreichen, teilte sie im Sommer mit. Bisher hat die Unterschriftensammlung aber noch nicht begonnen.
Der VTGS wies am Donnerstag darauf hin, die Schulgemeinden hätten keine Angst, dass ihnen Privatschulen bezüglich der Qualität des Unterrichtsangebots das Wasser abgraben könnten. Sie fürchteten aber, eine freie Schulwahl auf Volksschulstufe könne eine Entsolidarisierung nach sich ziehen.
Ghetto-Bildung und Aufnahmekriterien
Je mehr Kinder auf Privatschulen gingen, die spezielle Schwerpunkte anböten, desto grösser sei die Gefahr der Ghetto-Bildung. Den öffentlichen Schulen blieben schlussendlich die Kinder, die in Privatschulen nicht aufgenommen würden.
Denn auch die gefragteste Schule habe ein begrenztes Platzangebot. Gleichzeitig müssten im Vorfeld klare, allgemein gültige Bedingungen festgelegt werden, nach denen Aufnahmen und Ablehnungen erfolgen müssten.
Öffentliche Schulen finanziell ausbluten?
Zudem stelle sich die Frage der Finanzierung. Müssten die Schulgemeinden bei freier Schulwahl die Beträge für Privatschüler bezahlen, bliebe ihnen weniger Geld für Unterrichtsbelange. Gleichzeitig könnten sie nicht beliebig Plätze abbauen.
Schliesslich müssten sie alle Kinder aufnehmen – auch jene, die in letzter Minute bei Privatschulen abgelehnt würden. Damit werde aber auch die Planung erschwert, weil bis zu Schuljahresbeginn letztlich offen bleibe, wieviele Kinder untergebracht und unterrichtet werden müssten.
Unsicherheit für Lehrkräfte
Daraus ergäben sich dann wieder Schwierigkeiten bei der Anstellung von Lehrkräften, weil nicht klar sei, ob im neuen Schuljahr zuviele oder zu wenig Lehrerinnen und Lehrer angestellt seien. Für die Lehrkräfte wüchse damit die Unsicherheit.
Dazu käme, dass die unterschiedlichen Angebote vor allem von Eltern privilegierter Schichten wahrgenommen würden. Diese müssten ihre Kinder dann auch teilweise über grössere Strecken zur gewünschten Schule transportieren. Das sei zeitintensiv, teuer und bringe mehr Verkehr.
Die im Thurgau angekündigte Initiative für eine freie Schulwahl ist nicht die erste in der Schweiz. Im Kanton Baselland wird bereits am 30. November über eine inhaltlich gleiche Initiative abgestimmt. Bereits lanciert ist eine Volksinitiative in St. Gallen, angekündigt in Schaffhausen.



























