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Industrie feiert Renaissance

Einmal mehr war die IHK-Veranstaltung «Zukunft Ostschweiz» ein Höhepunkt für die regionale Wirtschaft. Aber kein harmloser, da garniert mit Forderungen.

Das Konjunkturforum der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell (IHK) und der St.Galler Kantonalbank vom vergangenen Montag in der Olma-Halle hat eine neue Bestmarke gesetzt. Mit über 1000 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik war die diesjährige Durchführung von «Zukunft Ostschweiz» der bestbesuchte Anlass der IHK aller Zeiten. Er vermittelte Erfreuliches: Die Ostschweizer Wirtschaft ist in Champagnerlaune. Gemäss der aktuellsten IHK-Studie verdankt sie diese Gemütsverfassung der Renaissance der Industrie und den Rekordergebnissen im Export.

Druckfrisch, noch kaum scheuerfest, gelangte die aktuelle IHK-Studie «Ostschweiz 2007» ab der Druckmaschine direkt an «Zukunft Ostschweiz» in die Olma-Halle 2.1. Dort fanden die im 104-seitigen Bericht behandelten Themen in den Ausführungen von IHK-Chefökonom Peter Eisenhut ihre Fortsetzung: Der Autor der Studie zeigte den Besucherinnen und Besuchern die Analysen und Perspektiven der Ostschweizer Wirtschaft auf und unterhielt sie mit bestem wirtschaftspolitischem Infotainment. Und er sprach an, wo die Ostschweiz aufgrund der Studienergebnisse in den nächs- ten Monaten und Jahren die Hebel anzusetzen hat. Die Studie analysiert die wirtschaftliche Entwicklung der Ostschweiz. Einen vertieften Blick richtet sie auf die Attraktivität der Ostschweiz als Wohn- und Arbeitsort und auf die Branchenstruktur. Aufgrund der Branchenzusammensetzung verdienen die Exporte, die Direktinvestitionen und das Offshoring der Ostschweizer Wirtschaft in einem eigenen Kapitel ein spezielles Augenmerk. Eine Besonderheit des Berichtes sind die breit angelegte Befragung von Unternehmen sowie die zahlreichen Interviews mit Geschäftsleitern. Sie dienten als zentrale Basis zur Darstellung der wirtschaftlichen Perspektiven der Ostschweiz, ihrer Kantone, Regionen und auch der Branchen bis 2012.

Renaissance der Industrie
Die Wirtschaft setzte 2004 zu einem Aufschwung an, der bis heute anhält und sich stark auf die Industrie stützt. Zu Recht kann von einer eigentlichen Renaissance der Industrie gesprochen werden, wobei der Ostschweiz ihr überdurchschnittlich hoher Industrieanteil zugute kommt. Die periodischen Meldungen von neuen Rekordergebnissen im Export sind selbst für grosse Optimisten überraschen. Dabei stechen besonders die Ausfuhren der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) mit mehr als der Hälfte am Total der Ausfuhren hervor. Mit rund einem Drittel aller Warenverkäufe und beinahe der Hälfte aller Wareneinkäufe nimmt Deutschland im Handel mit der Ostschweiz die herausragende Stellung ein.

Enorme kantonale Unterschiede zeigen sich in den Beschäftigungszahlen der Ostschweiz. Besonders erfreulich entwickelten sich die Arbeitsplätze im Thurgau und in Appenzell Innerrhoden. Der Thurgau ist auf dem besten Weg zur Dienstleistungsgesellschaft. Dies im Gegensatz zu St.Gallen, wo der Dienstleistungssektor ab- und die Industrie aufbaute. Tristesse herrscht in Appenzell Ausserrhoden, das von 2001 bis 2005 am meisten Arbeitsplätze aller Kantone der Schweiz verlor.

Leicht unter dem Landesdurchschnitt liegt die Bevölkerungszunahme in der Ostschweiz. Jährlich verlassen mehr Einwohner die Ostschweiz in Richtung andere Kantone, als von diesen zuwandern. Dieser negative Saldo in der Binnenwanderung ist auf St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden zurückzuführen. Gründe dafür sind unter anderen, dass St.Gallen im Bereich der Steuerbelas- tung, insbesondere bei mittleren und höheren Steuern, nicht mithalten kann und in Ausserrhoden bei der Verfügbarkeit von schönem und gut erschlossenem Bauland sowie attraktivem Wohnraum Handlungsbedarf besteht.

Thurgau spielt seine Stärken aus
Zu den Gewinnern der letzten Jahre gehört der Thurgau, wo Bevölkerung und Beschäftigung ansteigen. Die Nähe zu Zürich und zum Bodensee wird geschickt als Stärke ausgespielt. Erfreulich ist auch die Entwicklung im steuerattraktiven Innerrhoden, wo eindrückliche Erfolge in der Industrie und bei den Dienstleistungen den hohen Beschäftigungsrückgang in der Landwirtschaft ausgleichen konnten. Weniger dynamisch als Thurgau und Innerrhoden entwickelt sich der Kanton St.Gallen. Allerdings ist St.Gallen mit seinen diversen Regionen so heterogen zusammengesetzt, dass generelle Aussagen zur Entwicklung des Kantons kaum gemacht werden können. Schlecht entwickelt haben sich in der Vergangenheit die Region Rorschach (Beschäftigungsrückgang) und das Toggenburg (Bevölkerungsrückgang). Die Regionen Wil, See-Gaster, das Werdenberg und das Rheintal haben ihre Stärken zum Tragen bringen können. Ausserrhoden gehört seit der Jahrtausendwende zu den wenigen Kantonen mit wirklich sorgenvoller Entwicklung. Es ist zu hoffen, dass mit der Wirtschaftsstrategie (und in deren Zentrum die Steuerreform) die Entwicklung umgedreht werden kann.

Ausserrhoden glaubt an sich
Zu einer zentralen Herausforderung der Kantone wird die Alterung der Gesellschaft. Dabei wird vor allem die Finanzierung der Pflege im Mittelpunkt stehen. Nach den Prognosen des BfS muss Ausserrhoden im Jahre 2030 mit einem Anteil von Über-65-Jährigen von fast 30% rechnen. Bezüglich Branchenentwicklung bis 2012 sind die Unternehmen der MEM-Branchen, die Banken und der Grosshandel zuversichtlich. Und die Informatikbranche strotzt geradezu vor Optimismus. Eine leicht unterdurchschnittliche Entwicklung des Umsatzes erwarten die Firmen der Branche «Dienstleistungen für Unternehmen». Nur mit einem bescheidenen Wachstum rechnen die Textilindustrie, das Baugewerbe und der Detailhandel.

Kantonal betrachtet sehen die Innerrhoder Unternehmen eine erfreuliche Entwicklung auf sich zukommen. Die Ausserrhoder glauben daran, dass sie die Lücke zum Ostschweizer Durchschnitt wettmachen können. Neben Appenzell Innerrhoden sind Rorschach, Wil und Werdenberg die Regionen, welche gemäss den gewählten Indikatoren für die Periode 2008 bis 2012 zu den besonders erfolgreichen gehören werden. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen dürfte das Toggenburg die rote Laterne behalten, bzw. von Ausserrhoden übernehmen.

Schwächerer Aussenhandel
Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF/ETH in Zürich, informierte über die Wirtschaftsaussichten der Schweiz. Gemäss Prognose der KOF wird sich der Aussenhandel vorübergehend etwas abschwächen. Die Konsumnachfrage dürfte dank hoher Einkommen und abnehmender Arbeitslosigkeit lebhaft bleiben. Ergänzend ist jedoch anzumerken, dass der vorübergehende Tiefstpunkt der Arbeitslosenquote für Mitte 2008 erwartet wird. Zudem prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle ein nachlassendes Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen.

Auch wenn der Wirtschaftsbau noch leicht zulegen dürfte, werden die Bauinvestitionen insgesamt stagnieren, weil der Aufschwung der Wohnbauinvestitionen zu Ende ist. Gestützt auf den privaten Konsum bleibt das Wachstum ansehnlich: Das reale Bruttoinlandprodukt verzeichnet in den nächsten Quartalen ein Verlaufwachstum von rund 1.5%, ab Ende 2008 von rund 2%. Damit wird für die Schweiz kein Konjunkturabschwung, sondern eine Rückkehr auf den Potentialpfad signalisiert. Die Teuerung dürfte insgesamt auf tiefem Niveau bleiben.

Attraktiv – als Wohn- und Arbeitsort
Neben den Referaten zur Konjunkturentwicklung bildete das von Peter Eisenhut moderierte Podiumsgespräch den zweiten Schwerpunkt von «Zukunft Ostschweiz». Die von der IHK St.Gallen-Appenzell empfohlenen Massnahmen zur Wirtschaftspolitik wurden von den teilnehmenden Regierungs-, Wirtschafts- und Verbandsvetretern unterschiedlich bewertet. Nach Ansicht der IHK erzielt die Wirtschaftspolitik dann die grösste Wirkung, wenn sie die Bedingungen schafft, welche das freie Spiel von Angebot und Nachfrage gewährleisten und den unternehmerischen Entscheidungsspielraum so wenig wie möglich einschränken. Damit das Potenzialwachstum der Ostschweiz ausgeschöpft und gesteigert werden kann, bedarf es einerseits mehr Wettbewerb, was offene Märkte, Liberalisierung des Binnenmarktes und mehr Markt in der Bildung und im Arbeitsmarkt bedeutet. Anderseits sind die staatlichen Belastungen zu reduzieren, sprich administrative Aufwendungen zu kürzen und die Steuerattraktivität zu erhöhen. Zudem sind die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu gehören etwa die Stärkung des Bildungsstandortes, die Erhöhung der öffentlichen Sicherheit, das Sicherstellen der Verfügbarkeit von Grundstücken und Immobilien oder die Förderung von MEM-Clustern. Die Wirtschaftspolitik habe alles daran zu setzen, die Attraktivität nicht nur für Unternehmen, sondern auch als Wohnort für gut ausgebildete Personen mit ihren Familien zu erhöhen. Zur Bildergalerie zum Anlass

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 20.11.2007 - 00:00:00