Individuell und doch unter einem Dach
Dem vor 25 Jahren gegründeten Verein Chupferhammer gehören zehn Wohngruppen in vier Ostschweizer Kantonen an, darunter auch im Appenzellerland.
Was im Jahre 1981 mit einer Wohngemeinschaft in einer Liegenschaft mit dem Namen Chupferhammer in der Nähe von Lütisburg begann, ist heute ein gemeinnütziger Verein, zu dem zehn Wohngemeinschaften sowie eine Geschützte Werkstatt gehören. So unterschiedlich die einzelnen Gemeinschaften sind, so wichtig ist ihnen allen, erwachsenen Menschen mit Behinderungen ein Zuhause mit möglichst grosser Selbstbestimmung und entsprechender Privatsphäre bieten zu können.
Unter dem Dach des Vereins Chupferhammer sind heute zehn Wohngemeinschaften (WG) und Heilpädagogische Grossfamilien (HPG) zusammengeschlossen: WG Stofel in Unterwasser, HPG Alpenhof in Walenstadtberg, WG Steinenbach in Ebnat Kappel, WG Schlatt in Niederteufen, Grossfamilie Zwislen in Gais, WG Ebnaterstrasse in Ebnat Kappel, WG Freiestrasse in Weinfelden, WG Sitzberg in Schmidrüti (ZH), WG Stocken in Schönengrund sowie die Werk- und Heimstätte Idasonne in Dotnacht (TG). Zum «Chupferhammer» gehört auch die Werkstatt Rosengarten in Ebnat Kappel samt einer Aussengruppe, wo insgesamt gegen 30 Menschen mit einer Behinderung einen geschützten Arbeitsplatz finden.
In den zehn dem Verein angeschlossenen Wohngemeinschaften leben rund 60 erwachsene Menschen mit einer Behinderung. Die Finanzierung ist grösstenteils durch Leistungen der Invalidenversicherung zugunsten der behinderten Menschen und neu durch Betriebsbeiträge der Kantone gewährleistet. Der «Chupferhammer»-Idee entsprechend, haben die einzelnen Wohngemeinschaften in den letzten Monaten das 25-Jahr-Jubiläum individuell und auf unterschiedlichste Art gefeiert. Zum Abschluss dieser Aktivitäten findet am Samstag, 21. Juni, im Stadtsaal in Wil noch ein gemeinsamer öffentlicher Jubiläumsabend mit Gästen statt.
Möglichst normales Leben
Der «Chupferhammer» hat heute als Verbund von zehn ganz bewusst eigenständig und sehr unterschiedlich geführten Wohngruppen und einer Werkstätte eine stattliche Grösse erreicht. Dank der konsequenten Verschiebung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten hinunter zur einzelnen Gruppe, konnte die Bildung eines grossen betrieblichen Überbaus vermieden werden.
So entscheiden Betreuende und Wohnende gemeinsam über die alltäglichen Dinge. Das Freiheit und Selbstbestimmung in einem ausgewogenen Verhältnis zu Notwendigkeit, Verpflichtung und Verantwortung stehen, ist für den «Chupferhammer» Vision und Leitlinie zugleich. «Mit ihrer institutionell abgesicherten Privatheit haben die angeschlossenen Wohngruppen in der Schweiz wohl eine einmalige Situation» sagt Geschäftsführer Jakob Egli und er ist überzeugt, dass diese Form des Umgangs mit behinderten Menschen gute Zukunftschancen hat.
«Chupferhammer»-Gründer waren Heinz und Irene Büchel, die in den letzten Jahren mit der Gruppe «Die Regierung» und mit Auftritten mit Künstlern im In- und Ausland von sich reden gemacht hat. Inzwischen haben die Büchels den Verein verlassen, um ihren eigenen Weg gestalten zu können. Menschen mit und ohne geistige oder psychische Behinderung sollen gut zusammenleben, so die die noch heute praktizierte Vision der «Chupferhammer»-Gründerfamilie und des ersten Vereinspräsidenten Rolf Widmer. «Menschen sollten nicht wie Patienten, aber auch nicht wie Gäste behandelt werden. Die Leitidee will, dass hier Lebens- und Wohnformen entstehen, die nicht mehr und nicht weniger sind als normale Lebens- und Wohnformen», stellt Alois Bigger, Präsident des Trägervereins, in der Jubiläumsausgabe der Vereinszeitschrift fest.
Neue Finanzierung bringt Mehraufwand
Im Zusammenhang mit dem neuen Finanzausgleich (NFA) ist die Finanzierung von Einrichtungen für Behinderte neu geregelt worden. Leistete die Invalidenversicherung (IV) bisher neben den Renten für die behinderten Menschen zusätzlich auch Betriebsbeiträge, sind neu die Kantone zur Übernahme dieser Betriebsbeiträge verpflichtet. «Zurzeit ist die Situation noch klar», sagt «Chupferhammer»-Geschäftsleiter Jakob Egli, «sind die Kantone doch verpflichtet worden, bis zum Jahre 2010 die bisher von der IV bezahlten Beiträge zu übernehmen».
Um die Situation zu vereinfachen, haben die vier Kantone, in denen «Chupferhammer»-Wohngruppen bestehen, eine Vereinbarung abgeschlossen, wonach die Administration für die Auszahlung dieser Beiträge vom Kanton St.Gallen erledigt wird. Jakob Egli macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Neureglung der Betriebsbeiträge keine Freude bereitet. Er kritisiert sowohl die mangelnde Praktikabilität als auch den administrativen Mehraufwand auf beiden Seiten, «und die angestrebten Ziele werden kaum erreicht werden», glaubt er. Was die Zukunft angeht, ist er aber zuversichtlich, dass die Einrichtungen des «Chupferhammer» auch mit der finanziellen Neuregelung bestehen können, «weil wir ein Angebot haben, das auf die behinderten Mitmenschen zugeschnitten ist, und ihnen ihre Individualität und Privatsphäre belässt.»
Öffentlicher Jubiläumsabend
Mit einem öffentlichen Jubiläumsabend am Samstag, 21. Juni, im Stadtsaal in Wil beschliesst der Verein Chupferhammer seine Aktivitäten aus Anlass des 25-Jahr-Jubiläums. Nach dem Auftakt um 17 Uhr mit einem Apéro stellen sich ab ca. 18.15 Uhr die einzelnen Wohngruppen auf der Bühne kurz vor. Unterbrochen werden diese Vorstellungen um 19.30 Uhr durch ein gemeinsames Nachtessen. Für die verbindenden Elemente zwischen den Auftritten der Wohngruppen sorgt die «Compagnie Buffpapier». Eingeladen zum Jubiläumsabend sind neben den Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohnern und deren Angehörige auch Vertretungen von Behörden, Ämtern und Organisationen, mit denen der «Chupferhammer» zusammenarbeitet.



























