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Im Dornröschenschlaf

Herisau. Eine fundierte Anleitung zum richtigen Schreiben von Dialekt-SMS: Die Appenzeller hätten sie. Nur, das Appenzeller Sprachbuch fristet seit 1999 ein Dornröschen-Dasein.

Das könnte sich ändern, falls die Schulen damit arbeiten würden.

Kids schreiben ihre SMS und E-Mails in Schweizerdeutsch. Das ist einfach; sie müssen sich nicht um Orthographie kümmern, um Grammatik schon gar nicht. Sie schreiben so, wie sie sprechen.

Dabei kommen oft schauerliche Wortgebilde heraus. Und doch: Es gibt auch Rechtschreiberegeln im Dialekt. Sie sind nicht einmal sehr kompliziert. Ein ausgezeichnetes und auch für Laien leicht verständliches Nachschlagewerk wäre das Appenzeller Sprachbuch.

«Kellerkinder»
Wäre – denn das 1999 erschienene «Appenzeller Sprachbuch – Der Appenzeller Dialekt in seiner Vielfalt» lagert zum Teil in den Kellern der Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft (AGG).

Als deren neuer Präsident, Hans Bischof, die «Kellerkinder» entdeckte, fand er, das Buch müsse ans Tageslicht. In der Maisitzung lag es auf allen Pulten der Kantonsratsmitglieder.

Das aus dem Dornröschenschlaf geholte Appenzeller Sprachbuch wurde 1999 auf Veranlassung der AGG von den Erziehungsdirektionen beider Appenzell herausgegeben – eines der wenigen gemeinsamen Projekte der beiden Ostschweizer Halbkantone.

Autoren sind der in Herisau lebende emeritierte Professor für germanische Philologie an der Universität Zürich, Stefan Sonderegger, ein Spezialist in Dialektologie, und der Philologe Thomas Gadmer.

Er habe diese Arbeit ehrenamtlich gemacht, ohne Honorar, sagt Stefan Sonderegger gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Das Buch sei auf einer breiten Grundlage mit Gewährsleuten aus allen Ausserrhoder Gemeinden und Innerrhoder Bezirken entstanden.

Positives Echo
Wesentlich am Konzept sei eine phonetische Transkription gewesen, die für jedermann verständlich sei, sagt Sonderegger. Statt mit dem ziemlich komplizierten Lautschrift-System arbeitete er mit Akzenten auf Vokalen.

Nach einer Vernissage und der Verteilung des Buchs in Gemeinden und Schulen verschwand es in der Versenkung. Dennoch: Stefan Sonderegger ist immer noch sehr zufrieden mit dem Echo auf die Publikation: «Ich erhielt positive Zuschriften aus der ganzen Schweiz», sagt er.

Die Schulen arbeiteten nicht mit dem Appenzeller Sprachbuch, sagt Hans Hürlemann, Urnäsch, ein Mitglied der Sprachkommission: «Dabei wäre das Buch nützlich, um den Kindern beizubringen, wie man Dialekt richtig schreibt. Sie schreiben ja ohnehin ausschliesslich Mundart – und das kreuzfalsch.»

Abwesende Frauen
Die parteiunabhängige Ausserrhoder Kantonsrätin Luise Hochreutener fragte beim Departement Bildung, warum unter den 61 Gewährsleuten in der Sprachkommission nur 10 Frauen gewesen seien – da es doch um Muttersprache gehe. Sie erfuhr: Es sei schwierig, Frauen als Autorinnen für heimatkundliche Werke zu finden.

Einige Bücher seien an interessierte Lehrpersonen abgegeben worden. Sehr wenige Exemplare seien über den Appenzeller Verlag, Herisau, verkauft worden, hiess es beim Departement Bildung.

Das Sprachbuch verdiene eine grössere Verbreitung, findet Kantonsrat René Rohner: «Es ist auch für Laien spannend», sagt er. Und er sorgte dafür, dass es die Parlamentsmitglieder erhielten.

Von Äbese bis Zockermuul
Das Appenzeller Sprachbuch enthält nicht nur ein Wörterbuch des Appenzeller Dialekts. Auf zahlreichen Karten wird die Vielfalt des Appenzeller Dialekts aufgezeigt.

Kirche wird beispielsweise im Ausserrhoder Hinterland Chee(r)che ausgesprochen, im Mittelland Cherche und im Vorderland Kie(r)che. In Innerrhoden heisst es Chülche.

Die Leser entdecken, dass Entebeer eine Himbeere ist und häpämpfig hitzedunstig bedeutet. Eine Äbese ist eine Innerrhoder Ameise, in Ausserrhoden heisst sie Emese oder Emmesse. Ein Huhn ist ein Hüeli und der Föhn heisst Föö oder Pföö. Fèch ist Vieh, aber Fiich ist ein Schimpfwort.

Schöne Wortschöpfungen finden sich im Wörterbuch: appolöönisch bedeutet extra komisch, ein Biblorapp ist ein Büroordner, Bissboggel eine Kratzwunde, Chribel-Chrabel sind Schwierigkeiten, Fäutsch ist eine Hündin, aber im Vorderland heisst sie Gösch. Ein Gfallmotsch ist ein Lehrerbüblein und ein Haschier ein Polizist.

Der Schlitten ist eine Rittgääs, Frühlingsenzian heisst Tinteblüemli, aber Tooteblüemli bedeutet ein Hämatom. Die Schlüsselblume heisst Tuubeschelleli und ein Schleckmaul ist ein Zockermuul.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 08.08.2008 - 08:03:00