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«Hollywood» in der Ostschweiz

«Der Osten» auf dem Radar der Filmproduktion: Das Schweizer Fernsehen dreht hier «Fräuleinwunder» mit Stefanie Glaser - unter anderem in Herisau.

Das war nicht vorgesehen: Nieselregen am vierten Drehtag des TV-Films «Das Fräuleinwunder» im St. Galler Altersheim Sömmerli: «Wir haben Sonne erwartet im Sömmerli,» gesteht Produzentin Claudia Wick von Abrakadabra Films zerknirscht.

«Pschscht – Bitte.» Regisseurin Sabine Boss (42) ist der einzige Boss auf dem Set. Die 34-köpfige Film-Crew und die Journalisten am Medientag zucken leise zusammen. Buddy Elias (83) schiebt einen Kinderwagen durch den Altersheimgarten.

Babys im Doppelpack
Das Baby darin ist echt, aber nur wenn es im Fokus der Kamera ist. Sonst liegt da eine Puppe. Für den Fall, dass das Filmbaby gerade brüllt, hat Wick Zwillinge zur Verfügung – und hofft, dass nicht beide gleichzeitig schreien. An Elias Seite geht Mona Petri (32), die Hauptdarstellerin neben Stefanie Glaser (88). «Aus, aus aus,» ruft Boss, «s’gliich no mal, bitte.»

Mona Petri, Schweizer Filmpreisträgerin 2002, beste Darstellerin in «Füür oder Flamme», trägt eine brave blassrosa Schürze. Sie raucht diskret, wie eine Krankenschwester in der verbotenen Rauchpause. «Ich bin Frida in jungen Jahren.» Eine physiognomische Ähnlichkeit zwischen Mona Petri und Stefanie Glaser besteht zweifellos: Die grossen Augen, die Gesichtsform, das schlemische Lachen.

«Der Osten kommt auf den Radar der Schweizer Filmproduktion», sagt SF-Redaktor Stefan Hoffmann. Abrakadabra Films AG und das Schweizer Fernsehen drehen bis zum 3. September den neuen Schweizer Film «Das Fräuleinwunder». Weitere Drehorte sind Rorschach, Herisau, Flawil, Wattwil und der Bodensee.

Die Jungpillen-Story
Der Star ist Stefanie Glaser. Um sie dreht sich alles in dieser turbulenten Komödie: Die Rosenberg-Millionärin Frida Borel, Erbin einer St. Galler Textilindustriellen, bekommt von ihrem verstorbenen Vater zum 80. Geburtstag posthum eine geheimnisvolle, unförmige Wunderpille aus Papua-Neuguinea. Sie schluckt sie und ist – schwupp – wieder 20. Ab hier übernimmt Mona Petri die Rolle.

Bloss: Es geht einfach nicht, als 20-Jährige zu behaupten, sie sei 80. Als sie in eine psychiatrische Klinik gesteckt wird, büxt sie aus. Aber sie hat Identität, Villa und Bankkonto verloren. Nicht mal ihr alter Gärtner Roman (Buddy Elias) erkennt sie: Da schieben die zwei den Kinderwagen durch den Garten, streiten, Mikrophone schweben wollig, grau hoch oben. «Aus, aus aus.»

Leckerli für Bubu
Wollig weiss ist Bubu, ein Pudel mit knallgrünem Bällchen, der sich am liebsten von Stefanie Glaser Leckerli füttern lässt. «Au», schreit die edle alte Dame mit dem perfekt gelegten weissen Haar. Bubus Besitzerin mahnt zum Brav-Sein. Bubu sitzt, Stefanie Glaser füttert.

«Was muss ich gut sein, dass ihr so ein Theater um mich macht», staunt die grosse alte Dame des Schweizer Films angesichts eines Dutzends hektisch knipsender Fotografen. Seit «Herbstzeitlosen», ist sie ein zeitloser Star. Sie schaut auf das Manuskript in ihrem Schoss und schimpft neckend: «Wenn ich jetzt einen Fehler mache, bin ich geschmissen, und ihr seid daran schuld.» Und ihre blauen Augen blitzen vor Übermut.

Sprühregen geht nieder: «Das Blöde ist der Regen», ärgert sich eine Dame aus dem Altersheim Lilienfeld, die als Statistin arbeitet. «Das Set ist gute Unterhaltung. Aber bis am Abend wird man schon sehr müde,» gesteht sie – und ruft nach einem Schirm.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 05.08.2008 - 20:12:00