• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Höhere Preise wegen Strommarktöffnung

Weinfelden. Drei Tage nach Bekanntgabe der künftigen Energiepreise haben die Technische Betriebe Weinfelden AG ihre Grosskunden zu Energiegesprächen eingeladen und legten offen, warum die Liberalisierung Preisschübe beschert.

Ab 2009 ist mit durchschnittlich 20% Mehrkosten zu rechnen. Dennoch sind die Erhöhungen in Weinfelden vergleichsweise moderat. Die Energiepreise liegen weit unter den Marktpreisen.

«Die Schweiz ist keine Strominsel, Anpassungen an die internationalen Gegebenheiten sind unausweichlich», damit leitete Max Vögeli, Verwaltungsrat der Technische Betriebe Weinfelden AG, die «Weinfelder Energiegespräche» ein. Im Rahmen der Veranstaltungen wurden die Grosskunden über die Bedeutung und Konsequenzen der Strommarktliberalisierung für Weinfelden informiert.

Die Vorteile der Marktöffnung
Drei Annehmlichkeiten bringt die Marktöffnung den Konsumenten. Erstens: Der Stromlieferant kann neu standortunabhängig gewählt werden. Zuerst haben die Grosskunden mit über 100 MWh Jahresverbrauch die Wahlfreiheit, fünf Jahre später alle weiteren Kunden. Zweitens steigt die Transparenz. Durch die Trennung von Energielieferung und Netznutzung sowie die separate Ausweisung von Steuern und Abgaben profitieren Kunden von einer offenen und verursachergerechten Stromverrechnung. Und zum Dritten führt die Marktöffnung zu mehr Wettbewerb, was sich in einem noch höheren Dienstleistungsgrad auswirken wird.

Neue Abgaben und Beschaffungskosten als Preistreiber
Exakt das, was unter dem Schlagwort «mehr Wettbewerb» zu erwarten wäre, trifft im Fall der Strommarktöffnung nicht ein, nämlich sinkende Preise. Im Gegenteil, wie Walter Krähenbühl, der Direktor der Technische Betriebe Weinfelden AG, seinen Grossbezügern sachlich und offen erklärte. Ab 1. Oktober 2008 steigen die Preise in Weinfelden an, weil die Vorlieferantin, die Elektrizitätswerke des Kantons Thurgau, die Preise um 10% angehoben hat. Die Einführung des neuen Preissystems, das Netz und Energie trennt, gewichtet die Kundensegmente nach neuen Kriterien und kann im Einzelfall zu unterschiedlichen Abweichungen führen.

Zu Jahresbeginn folgt nochmals ein Kostenanstieg von rund 10%. Diesmal, weil im Zuge der Marktliberalisierung zwei neue Abgaben erhoben werden: die kostendeckende Einspeisevergütung für erneuerbare Energien und die Abgabe für Systemdienstleistungen im nationalen Übertragungsnetz. Diese Tatsachen bewirken, dass den Weinfelder Kunden die Stromkosten im kommenden Jahr in der Grössenordnung von 20% mehr zu Buche schlagen – ohne Zutun der Technische Betriebe Weinfelden AG, wie Krähenbühl betont.

Im Schweizer Vergleich bleiben die Weinfelder Strompreise günstig, erst recht im Vergleich mit den aktuell an der Energiebörse gehandelten Preisen, wie ein Berechnungsbeispiel zeigt. Insgesamt prognostiziert Krähenbühl der Schweiz in den nächsten Jahren weiterhin steigende Herstell- und Beschaffungskosten für Strom.

«Einmal frei, immer frei»
Der nächste Stichtag im Liberalisierungsfahrplan ist der 31. Oktober 2008. Bis dann müssen die marktberechtigten Grosskunden Netzzugang angefordert haben. Beim Übertritt in den freien Markt verliert der Kunde den Anspruch auf die Grundversorgungspreise beim bisherigen Lieferanten und erhält ab Januar 2009 die Energie zu Marktpreisen.

Innovationen und Kooperationen
Neben unangenehmen Preiserhöhungen gab es an den Energiegesprächen aber auch gute Nachrichten zu hören. Michael Frick, Leiter Markt, bereitete einen kurzen Einblick in die gewachsene Angebotspalette und die zahlreichen Aktivitäten mit dem Ziel, den Weinfelder Kunden eine exzellente Energieversorgung mit attraktiven Zusatzleistungen zu bieten. Als wesentlichen Innovationsschritt bezeichnete er die Mitbegründung der «e-data management ag», ein Thurgauer Unternehmen, das Energiemessdaten zentral und effizient erfasst, auswertet und austauscht. Kooperationen, wie die Arbeitsgemeinschaft mit den Nachbarwerken Technische Betriebe Kreuzlingen und Werkbetriebe Frauenfeld sowie die Partnerschaft mit der national tätigen Swisspower AG ermöglichen grössere Kosteneffizienz, Know-how-Austausch und Angebotsvielfalt.

Ein Blick ins Jahr 2028
Die Fragestellung, worauf die Menschheit in 20 Jahren Energie verwendet, bildete den Schluss der Veranstaltung. Zukunftsforscher Georges T. Roos vermochte mit seinen Zukunftsvisionen die Anwesenden in Bann zu ziehen und zeigte eindrucksvoll, dass eine Effizienzsteigerung in praktisch allen Lebensbereichen notwendig wird – gerade auch im Umgang mit den Energieressourcen.

ThurgauThurgau / 04.09.2008 - 08:41:00