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Hitze, Kopftücher und Gastfreundschaft

AI/AR. Unvergesslich: Zusammen mit ihren Teamkollegen haben zwei Appenzeller Schüler in Iran an der Physik-Olympiade teilgenommen. Ein Erlebnisbericht.

Der Kulturschock war von Beginn weg gross: Vor dem Abflug nach Teheran erklang aus allen Lautsprechern des Iran-Air-Flugzeuges ein islamisches Gebet, und unmittelbar nach dem Überfliegen der iranischen Grenze zwangen sich die Frauen in weite Mäntel und setzten sich ein Kopftuch auf. So auch Johanna Nyffeler, an der 38 Austragung die erste weibliche Schweizer Teilnehmerin an einer Physik-Olympiade. «Welcome to Iran!» meinte darauf ein mitreisender Iraner augenzwinkernd.

Besonders Johanna hatte in den ersten Tagen mit der Hitze zu kämpfen: «Am Anfang war es schon hart: Auch in den Nächten sanken die Temperaturen nur selten unter 30 Grad. Das Essen war ebenfalls recht ungewohnt. Aber ich lernte damit umzugehen. Trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, auf dem Heimflug das Tuch endlich abzunehmen».

Olympischer Ausnahmezustand
«Natürlich gibt es hier Gesetze, die uns vällig unverständlich sind», sagt Roland Diggelmann, «aber während der Olympiade herrschte eine Art Ausnahmezustand, und alle haben ein Auge zugedrückt, wenn die Teilnehmer sich «unislamisch» verhalten haben. Auch die jungen einheimischen Guides genossen die aussergewöhnliche Atmosphäre sichtlich.

Auch Erstaunen beim Luzerner Simon Birrer: «Die Iraner sind sehr angenehme und grosszügige Gastgeber – der Kontrast zwischen den negativen Schlagzeilen über die iranische Politik und der Freundlichkeit der Bevölkerung könnte nicht grösser sein».

Pech auch für Innerrhoder
Am Ende reichte es für vier Ehrenmeldungen. Simon Birrer hatte vom Schweizer Team nach dem theoretischen Teil die grössten Chancen auf eine Bronzemedaille. Leider kostete ihm ein defektes Kabel in der praktischen Prüfung viel Zeit und Nerven. Auch der Innerrhoder Pascal Roos hatte Pech – seine Prüfungen wurden von den Iranern eher streng benotet.

«Sind Schweizer immer so lustig?»
Gabriel Palacios, Lehrer am Hofwil-Gymnasium in Münchenbuchsee (BE) und Präsident der Schweizer Physik-Olympiaden, ist aber sehr zufrieden mit dem Abschneiden seiner Mannschaft: «Das ist eine sehr kompakte Mannschaftsleistung. Noch wichtiger finde ich jedoch, dass die jungen Leute Kontakte mit Schülern aus der ganzen Welt knüpfen konnten. Unsere Mannschaft war ganz klar die beliebteste von allen».

Fritz Menzer (TG), Doktorand an der EPFL, der zusammen mit Palacios bis in die Morgenstunden hinein die Arbeiten übersetzen und korrigieren musste, schmunzelt: «Das war beste Werbung für die Schweiz: Die Leute haben uns gefragt, ob in unserem Land eigentlich alle Leute immer so aufgestellt und lustig seien». Täglich mussten die Schweizer den iranischen Fernsehkanälen Interviews geben. «Wir werden hier wie Berühmtheiten behandelt», erzählt Simon Corrodi, «Bereits am Flughafen war der Empfang königlich, und wenn wir mit dem Bus durch die Stadt fuhren, stehen die Leute am Strassenrand und winkten uns zu», und Palacios ergänzt: «alleine durch die Gassen zu laufen, ist schon fast unheimlich – jeder starrt dich an, alle zehn Meter wirst du angesprochen und musst deinen Namen auf einen Zettel schreiben».

Sehenswürdigkeiten und Zentrifugen
Aber auf dem Programm der Olympiade-Teilnehmer stand nicht nur Arbeit. Isfahan ist eine grüne Oase mitten in der Wüste. Der Fluss, der dieses Wunder ermöglicht, verschwindet nach dem Durchgang durch die Stadt. Die Bewohner sagen, dass Allah das Wasser entstehen lässt, damit Isfahan erblühen kann. In einem dichten Programm wurden die Teilnehmer in langen Reisebuskolonnen mit Polizeieskorte zu den verschiedensten Sehenswürdigkeiten geführt.

Was hat die Teilnehmer am meisten beeindruckt? Johanna gefielen besonders «die Shaking Minarets und die beleuchteten Brücken in der Nacht». «Die Stahlwerke: Die Anlagen waren riesig und die Hitze darin richtig höllisch», meint Roland. «Die uralte gigantische Kuppel der Imam-Moschee», erwähnt Pascal. Gabriel Palacios war vom Besuch im Bergdorf Abyaneh fasziniert: «Das ganze Dorf hat uns in der traditionellen Tracht empfangen. So etwas habe ich noch nie erlebt». Einige Male waren vom Bus aus auch einige Flugabwehrgeschütze zu sehen. Als die Schüler an einem riesigen schwer bewachten Militärareal vorbeifuhren, fragten sie den Reiseführer, was das denn sei. «Zentrifugen», war seine Antwort – und er schien es ernst zu meinen.

Tod des Präsidenten überschattete Olympiade
Leider wurden die schönen Erlebnisse überschattet vom Tode des Präsidenten der Internationalen Physik-Olympiade, Waldemar Gorzkowsky. Der Begründer der Olympiade erlag am zweiten Tag der Olympiade in der Hitze Isfahans vermutlich einem Herzinfarkt. Bericht von Gabriel Palacios & dem CH-Team IPhO’07


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Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 30.07.2007 - 17:24:00