• Aargau
  • Appenzell Ausserrhoden
  • Appenzell Innerrhoden
  • Basel-Landschaft
  • Basel-Stadt
  • Bern
  • Freiburg
  • Genf
  • Glarus
  • Graubünden
  • Jura
  • Luzern
  • Neuenburg
  • Nidwalden
  • Obwalden
  • Schaffhausen
  • Schwyz
  • Solothurn
  • St.Gallen
  • Stadt Winterthur
  • Stadt Zürich
  • Tessin
  • Thurgau
  • Uri
  • Waadt
  • Wallis
  • Zug
  • Zürich

Hirschberg: Kritik an Carlo Schmid

AI. Ein Ägypter «befreit» Anwohner auf dem Hirschberg von Elektrosmog. Kritiker sprechen von «verschleuderten Steuergeldern».

Die Sache löste da und dort Erstaunen und Stirnrunzeln aus, doch in Appenzell Innerrhoden selbst wurde keine (offizielle) Kritik laut – Sprüche am Stammtisch einmal ausgeklammert. Der Ägypter Ibrahim Karim schirmte Liegenschaften auf dem Hirschberg vor den Strahlen der Antennenanlage ab, so jedenfalls die Umschreibung des «Umweltharmonisierungsprojekt». Bei erfolgreichem Abschluss der Aktion wurde Karim ein Honorar von 20’000 Franken in Aussicht gestellt. Dieses Geld wird nun fliessen, siehe Artikel vom 12. Februar. Damit schaffte es Innerrhoden nicht nur in die lokale und regionale Presse, sondern machte gesamtschweizerisch Schlagzeilen.

Ibrahim Karim ist eine umstrittene Persönlichkeit. Es gibt keinerlei Belege für die Wirksamkeit seiner Methoden. In Innerrhoden ist man aufgrund der Befragung betroffener Anwohner der Ansicht, die Massnahmen des selbsternannten Experten seien wirkungsvoll gewesen. Die Betreiber der Webseite gigaherz.ch sehen das anders, wie im entsprechenden Artikel nachzulesen ist. Dort wird scharf geschossen, wörtlich heisst es: «Innerrhoder Landammann Carlo Schmid verschleudert Steuergelder an ägyptischen Scharlatan». Betreiber von gigaherz.ch ist die «Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener». Es ist also keineswegs die Handy-Lobby, die sich hier gegen die Technik von Ibrahim Karim wehrt. Die Vorwürfe sind happig: Das Resultat sei geschönt, kritische Anwohner habe man gar nicht erst befragt.

Wer recht hat, ist bei einem Problem dieser Art nicht abschliessend zu beurteilen. Gut möglich, dass sich einige Anwohner heute besser fühlen, selbst wenn die «Biogeometrie», wie Karim seine Methode nennt, tatsächlich Scharlatanerie ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass der sogenannte Placebo-Effekt einiges bewirkt, obwohl rein wissenschaftlich nichts passieren dürfte. gigaherz.ch allerdings, nach eigenen Angaben «grösster Schutzverband Elektrosmog-Betroffener der Schweiz», ist der Ansicht, auch dann sei das Ganze eine windige Sache, denn man könne es «nicht hinnehmen, dass leichtgläubige oder schwer erkrankte, zum Teil Menschen ohne Hoffnung auf eine solch miese Art und Weise verschaukelt werden.»

Der kritisierte Carlo Schmid ist kaum anfällig für Scharlatane, sondern steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Allerdings kamen in der Vergangenheit so viele Klagen über eine Strahlenbelastung auf dem Hirschberg, dass die sonst doch eher konservativ veranlagte Innerrhoder Standeskommission (Regierung) wohl nun auch offen für neue Wege war. Offizielle Begründung, nachzulesen in der NZZ: Eine positive Bilanz in einem ähnlichen Fall in Hemberg habe dazu animiert, das Ganze auch hier zu versuchen. Die Methode laufe nicht nachweislich den Gesetzen der Physik entgegen, daher könne man sie fördern. Böswillig übersetzen könnte man diese Aussage auch mit: Nützt nichts, so schadet es auch nichts – abgesehen von der Ausgabe von immerhin 20’000 Franken…


Ihre Meinung ist gefragt
Sollte man bei der Bekämpfung von Elektrosmog auch auf wissenschaftlich nicht fundierte Massnahmen zurückgreifen? Ist es gerechtfertigt, das Ganze mit Steuergeldern zu finanzieren? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 19.02.2008 - 15:54:00