Hirn aus, Licht aus?
Wie kann man gegen etwas sein, das gut gemeint ist? Das ist das Hauptproblem bei einer Sache wie der Licht-lösch-Aktion vom letzten Samstag.
Natürlich haben die organisierenden Umweltschutz-Organisationen wie Greenpeace und Co. das Ganze gut gemeint, genau so, wie sie grundsätzlich immer alles gut meinen. Und wer kritische Fragen dazu stellt, ist dann – logisch gemäss Umkehrschluss – ein schlechter Kerl.
Nun habe ich ja bekanntlich keinen Ruf mehr zu verlieren und kann es mir darum leisten, ein schlechter Kerl zu sein. Und deshalb stelle ich ein paar Fragen. Zum Beispiel: Wer ist bereit, mit mir eine Wette einzugehen, dass in zwei Wochen kein Mensch mehr von der Aktion sprechen wird, die zum Ziel hatte, uns für den Klimawandel «zu sensibilisieren»? Das war die Absicht, denn sogar die Initianten geben zu, dass die fünf Minuten Licht-Aus nicht wirklich etwas fürs Klima gebracht haben. Das Ganze war ein symbolischer Akt, aber wenn dieser Sinn machen soll, dann müsste dieses Symbol ja zu einem Umdenken bewegen. Wird es das?
Ich glaube kaum. Wer zuvor bereits «sensibilisiert» war, ist es immer noch, wer zuvor den Klimawandel für einen medial hochgeschriebenen, überbewerteten Effekt hielt, glaubt das nach wie vor. Das grosse Lichterlöschen war genau genommen sogar eher peinlich. Denn es zeigte, seien wir ehrlich, wie viele Leute sich einen Schnurz um diese Frage scheren. Ganze Städte waren hell erleuchtet, und überall, wo das Licht aus war, kann es durchaus sein, dass die Bewohner gerade auswärts eine Light-Show veranstalteten.
Ja, und nun? Viele Leute haben ja wirklich in guter Absicht das Licht gelöscht. Warum also muss der Heri Sauer auch dagegen wieder stänkern? – Vielleicht deshalb: Aktionen wie diese ermöglichen denen, die es sich einfach machen wollen, ihr Gewissen auf Monate oder Jahre hinaus zu beruhigen, indem sie kurz mitmachen. Und der Klimawandel – wenn er so schlimm und vom Menschen verursacht ist, wie gesagt wird – ist eine Angelegenheit, die nur mit langfristigem Umdenken bereinigt wird. Dazu sollte das Lichterlöschen Ansporn sein. In Wahrheit, und ich denke, die Statistiken der Zukunft werden mir Recht geben, wars nur ein Aufflackern wahrhaft Bewegter und kurzzeitig Schuldbewusster – aber kein Start für eine neue Ära.



























