Herzinsuffizienzberatung für Patienten mit Herzschwäche
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine kostenintensive und tödliche Krankheit. Das 5-Jahresüberleben ist schlechter als bei den meisten Krebsarten. Während die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie der koronaren Herzkrankheit weltweit zur Reduktion der Mortalität geführt haben, steigt sie bei der Herzinsuffizienz unvermindert an.
Die Häufigkeit (Prävalenz) in Europa beträgt etwa 2%, wobei alte Menschen und Männer viel häufiger betroffen sind. Man rechnet mit einer Verdoppelung des Auftretens bis ins Jahr 2030. Das hat viele Gründe. Zum einen werden wir immer älter, zum andern nehmen kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie vergesellschaftet mit Adipositas zu. Zudem kommen die Folgen der koronaren Herzkrankheit nach überlebtem und behandeltem Akutereignis zum Tragen.
Problem der Re-Hospitalisation
Der natürliche Verlauf der chronischen Herzinsuffizienz ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Hospitalisationen wegen Wassereinlagerungen (De- kompensationen). Einerseits geht dies mit einem Verlust an Herzmuskelgewebe und damit an Pumpleistung einher, sodass der Vorzustand oft nicht mehr erreicht wird, die chronische Erkrankung also fortschreitet. Andererseits hat dies Kosten zur Folge, vor denen Gesundheitsökonomen warnen. In einer nationenweiten Studie in den USA 2003-2004 verursachte die Diagnose „Herzinsuffizienz“ Kosten von über 37 Milliarden USD und war der häufigste Grund für Re-Hospitalisation (publ. 2009).
Fundierte Kenntnisse notwendig
Die vier Hauptziele der Herzinsuffizienz-Therapie sind: 1. Die Verhinderung oder Verzögerung der Erkrankung. 2. Das Erhalten oder Verbessern der Lebensqualität durch Verhindern oder Verbessern von Symptomen. 3. Die Verbesserung der Prognose. 4. Die Verhinderung von Hospitalisationen. Die umfangreiche medikamentöse Herzinsuffizienztherapie bedarf einer hohen Motivation des Patienten und fundierter Kenntnisse der behandelnden Ärzte (Grundversorger, Kardiologen).
Begleitende Krankheiten (sog. Co-Morbiditäten) wie Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, COPD, Schlafstörungen, Anämie, Depression etc. stellen eine grosse Herausforderung dar. Innert 6 Monaten ist in 15-50% der Fälle mit einer Re-Hospitalisation zu rechnen. Oft wären die Ursachen, die zur Verschlechterung der Herzinsuffizienz führen, vermeidbar, wenn der Krankheit genügend Rechnung getragen würde. Hier kommt die ambulante Herzinsuffizienzberatung zum Tragen.
Herzinsuffizienzberatung vermittelt Wissen
Die ambulante Herzinsuffizienzberatung wird parallel zur medikamentösen Therapie bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz durch speziell ausgebildetes Personal eingesetzt. Die Schulung des Patienten erfolgt in einem Stufenschema. Dabei kann die Vermittlung des Wissens – nach Möglichkeit unter Einbezug von Angehörigen – bis in drei Stufen unterteilt werden und wird den kognitiven Fähigkeiten des Patienten angepasst. Die Schulung erfolgt strukturiert und umfasst folgende Themen: Krankheitsverständnis, Selbstkontrolle, Diät, Toxine, Risikofaktoren, körperliches Training, Medikamentenlehre, Alarmsymptome, Selbstdokumentation, psychosoziale Probleme.
Evidenzbasiert wird diese Indikation von den amerikanischen, europäischen und schweizerischen kardiologischen Gesellschaften in den Richtlinien zur Behandlung von herzinsuffizienten Patienten als Klasse I Empfehlung propagiert. Die Anmeldung des Patienten zur Herzinsuffizienz-Beratung an eine von der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie akkreditierte Beratungsstelle erfolgt mittels einer ärztlichen Verordnung (Grundversorger, Spezialist). Studien belegen, dass durch die Herzinsuffizienzberatung Re-Hospitalisationen verringert, Spitalaufenthalte verkürzt und die Mortalität gesenkt werden.
Ambulantes Angebot in Münsterlingen
Seit einem Jahr werden am Kantonsspital Münsterlingen Herzinsuffizienz-Beratungen durchgeführt. Ursula Wyss, dipl. Pflegefachfrau, hat die Nachdiplom Ausbildung zur Herzinsuffizienz-Beraterin am Inselspital Bern absolviert. Der zeitliche Umfang beträgt eine bis drei Stunden pro Patient und wird idealerweise im Anschluss an eine Hospitalisation wegen Herzinsuffizienz durchgeführt. Der nachbetreuende Arzt erhält darüber einen Bericht. Die Beratungen werden durch die Spital Thurgau AG kostenlos zur Verfügung gestellt.



























