«Heiligkeit des Lebens steht vor Planbarkeit»
Der Evangelische Kirchenrat des Kantons Thurgau publiziert eine Stellungnahme zu Suizidbeihilfe und Sterbebegleitung.
Die Stellungnahme folgt im wortlaut:
«In seiner Antwort auf eine Interpellation von Ruth Artho, Synodemitglied aus Berg, bezieht der Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche Thurgau Stellung zur Frage der Sterbehilfe. Ausserdem begrüsst er alle Bemühungen zur Palliativpflege im Thurgau und befürwortet die Volksinitiative «Ja zu mehr Lebensqualität – Ja zur Palliative Care» der Arboner Kantonsrätin Marlies Näf-Hofmann. Der Kirchentat der Evangelischen Landeskirche Thurgau sorgt sich angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung, ob nicht der Druck auf Menschen wachse, ihrem Leben ein Ende zu setzen, wenn sie hohe Gesundheitskosten verursachen und keine grossen Aussichten auf Heilung mehr bestehen. Ausser den Kirchen gebe es – so der Thurgauer Kirchenrat – noch weitere Meinungsmacher, die weltanschaulich, politisch und nicht zuletzt auch geschäftlich motiviert seien. «Wer, ausser den Kirchen, wird sich in diesem Konzert der Stimmen lautstark für die Heiligkeit des Lebens einsetzen?», fragt sich der Kirchenrat. So sehr es Aufgabe der Kirche sein müsse, gegen einen moralisierenden Umgang mit dem Suizid – oft genug nach einer bitteren und langen Vorgeschichte – anzukämpfen, so wenig könne es ihre Aufgabe sein, beim «systematischen Tabubruch» mitzuhelfen, der zurzeit nicht einfach nur schicksalhaft über die Menschheit komme, sondern von gewissen Kreisen auch mit «zum Teil auch zweifelhaften Motiven» gefördert werde.
Das Sterben begleitet leben
Um Menschen in dieser letzten Phase ihres Lebens zu unterstützen, brauchen sie und ihre Angehörigen liebevolle Begleitung. Es ist Ziel von Palliative Care, die Patienten umfassend mit all ihren körperlichen, seelischen, sozialen und geistigen Bedürfnissen und Möglichkeiten so zu unterstützen, dass sie in ihrer verbleibenden Lebenszeit ein Höchstmass an Lebensqualität finden. Die Zeit des Sterbens wird dabei als ein natürlicher Teil des Lebens, als eine wichtige Lebens- und Reifephase gesehen, die es weder um jeden Preis hinauszuzögern noch willentlich herbeizuführen gilt.
Der Evangelische Kirchenrat begrüsst alle Bestrebungen im Kanton, welche im Sinne von Palliative Care wirken. In diesem Sinne kann er die Initiative «Ja zu mehr Lebensqualität – Ja zur Palliative Care», die im Februar dieses Jahres von einem Initiativkomitee unter der Leitung der Arboner Kantonsrätin Marlies Näf-Hofmann lanciert wurde, für gut befinden. Die Initiative fordert die gesetzliche Verankerung der Palliativmedizin in den Thurgauer Spitälern. Im Unterschied zur heilenden oder zur vorbeugenden Behandlung steht in der Palliativmedizin die Linderung von Leiden und Beschwerden im Mittelpunkt.
Darüber hinaus ist es dem Kirchenrat ein Anliegen, dass Palliative Care auch ausserhalb der Spital Thurgau AG umgesetzt wird. Er ist bereit, in diesem Bereich im Rahmen von Möglichkeit und Auftrag der Landeskirche weitere Verpflichtungen zu übernehmen. Insbesondere ist er im Gespräch mit dem Verein Hospizdienst Thurgau und hat mit Pfarrer Lukas Weinhold eines seiner Mitglieder in dessen Vorstand delegiert.»



























