Hauptrolle für den Bläss
Das Museum Appenzell zeigt bis 25. Mai Bilder von Verena Broger. Eine Hauptrolle spielt dabei der Appenzeller Sennenhund, der Bläss: Kritik von Margrith Widmer.
Der kecke schwarz-weiss-braune Hund mit seiner lustige Posthörnchen-Rute ist auf fast allen Bildern mit von der Partie: als Treibhund bei Alpaufzügen, als Hüter der Herde, als Spielkamerad der Kinder, als Begleiter des Bauern, als Wächter von Haus und Hof.
Verena Broger hat auch reine Hunde-Porträts gemalt: Auf einem kleinformatigen Bild treffen sich zwei Sennenhunde vor dem Einnachten zum Dialog, mit heraushängenden Zungen und blitzenden Augen; ein Bläss sitzt stolz auf seinem Kissen.
Ohne Kitsch und Klischees
Ihre Bilder erzählen kleine Geschichten aus den Hügeln des Appenzellerlands. Aber sie ist keine Vertreterin der klassischen Bauernmalerei. Es sind naive Bilder einer vordergründig heilen Welt, ohne alle Klischees und «Zutaten» der Appenzeller Bauernmalerei.
Zwar malt Verena Broger Alpaufzüge und Sennenstreifen, aber es sind durchwegs realistische Szenerien. Viel öfter zeigt sie Ausfahrten mit Kutsche oder Wagen, fast immer mit zwei Apfelschimmeln bespannt, eine Velofahrt im Frühling, die Räder haben Vorkriegscharme, oder eine Taufe im Winter.
Ihre Winterbilder sind besonders stimmungsvoll: Neben dem Schnee und Flockengestöber spielt der Himmel eine wichtige Rolle: gelb oder mattrot, mit grauen, durchgestalteten Wolken. Ihre Sujets sind untypisch: Eine Autopanne, der Markt beim Rathaus, Zuckererdbeeren locken leuchtend rot.
Hintergründig
Feiner Humor steckt in ihren Bildern, besonders in den Porträts: Ein stocksteifes Hochzeitspaar inmitten von Blütensträuchern. Da fehlt das überschäumende Glück, die Romantik. Eine Alpfahrt im Schnee, Sennen mit Schirmen sind nicht eben klassisch, aber witzig, zum Schmunzeln.
Verena Broger malt gern Interieurs, Stuben, Küchen, Wirtshäuser, eine Streichmusik, tanzende Paare, Katzen im Körbchen, das Porträt eines Bauern mit Katze auf dem Arm, ein Senn mit drei jungen Kätzchen: Nebenrollen für Samtpfoten.
Es sind stille Bilder aus einer Wunschwelt, ohne Süsse, ohne Kitsch, mit sanfter Melancholie, nicht nur in Herbstbildern in matten Brauntönen. Es ist die Sehnsucht nach der verlorenen Zeit, nach einem Leben, wie es auch sein könnte: heil, harmonisch.
Verena Broger wendet eine eigenständige, originelle Mischtechnik an aus weicher Fettkreide und Acryl-Farbe. Konturen und Dekor, etwa für einen gestreiften Anzug oder Kringellöckchen, ritzt sie anschliessend mit Feder und Bleistift hinein. Das verleiht der Oberfläche eine spannende Plastizität.
Die gelernte Textilentwerferin Verena Broger wuchs in Thalwil am Zürichsee auf. Seit 1972 lebt sie als freischaffende Malerin in Appenzell.
Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in der ganzen Schweiz gezeigt. Sie nahm an mehreren Gruppenausstellungen teil: im Helmhaus Zürich, an der Kunstmesse Basel, der Biennale Lugano, in München, Wuppertal und Konstanz.



























