«HarmoS ist ein bürokratischer Moloch»
Weinfelden. «Lehrer gegen HarmoS» heisst das Komitee, das im Thurgau das interkantonale Konkordat zur Schulharmonisierung bekämpft.
Es hat seine Argumente am Dienstag in Weinfelden vorgestellt. Die HarmoS-Abstimmung ist im Thurgau am 30. November.
Die drei Vertreter des Komitees – das nach eigenen Angaben kein Mandat eines Lehrerverbandes oder einer Lehrergruppierung hat – betonten, sie fänden das Konkordat vor allem rechtsstaatlich bedenklich.
Die Kantone könnten keine eigenständige Schulpolitik mehr betreiben, kritisierte Hugo Götz, ehemaliger Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich. Auch ein Austritt aus dem Konkordat sei durch die dreijährige Kündigungsfrist kaum noch möglich – HarmoS sei «ein bürokratischer Moloch».
Gegen flächendecknede Tagesstrukturen
Franziskus Graber, Sekundarlehrer an einer christlichen, der St. Michaelsvereinigung nahe stehenden Tagesschule, kritisierte, HarmoS setze mit den angestrebten flächendeckenden Tagesstrukturen falsche Anreize. Auf diese Art entstehe ein weiteres Sozialwerk, das vom Staat finanziert werde.
Mit Götz und Peter Andenmatten, Zürcher Primarlehrer mit Frauenfelder Wohnsitz, war sich Graber darin einig, dass die traditionelle Familie für Kinder und deren Erziehung mit Abstand die beste Lösung sei.
Thurgauer Schulgesetz ist «HarmoS»-kompatibel
Da im Thurgau bereits die meisten HarmoS-Anforderungen durch das kantonale Schulgesetz in Kraft getreten sind, betonte das Komitee, kantonale Gesetze könne man eben einfacher wieder ändern als das HarmoS-Konkordat.
Im Thurgauer Schulgesetz ist das Schuleintrittsalter von vier Jahren – beziehungsweise der obligatorische zweijährige Kindergarten – bereits umgesetzt. Es sieht auch den integrativen Unterricht vor, den Andenmatten als nicht kindgerecht kritisierte.
Schulgesetz-Referendum verschlafen
Zudem setzt es das Anliegen von zwei Fremdsprachen in der Primarschule um, das Götz früher bereits bekämpfte. Das Rederendum gegen dieses Gesetz zu ergreifen «hat man verschlafen», sagte Götz. Graber und Andenmatten meinten, sie hätten die Beratungen und den Erlass des Schulgesetzes «nicht mitbekommen».
Das, was mit HarmoS aber vorgesehen sei, sei keine Anpassung, sondern ein Diktat. Zudem gehe es dabei vor allem um Geld und nicht um die Kinder, so Götz, der nach eigenen Angaben wegen der Bildungspolitik aus der FDP ausgetreten ist.
Graber dagegen hat als neues SVP-Mitglied im Thurgau das Problem, dass die SVP-Fraktion dem HarmoS-Beitritt klar zugestimmt hat. Dem Schulgesetz habe die Fraktion wohl zugestimmt, weil das Erziehungsdepartemetn in SVP-Hand sei. Und die HarmoS-Zustimmung habe die Fraktion sicher «verschlafen», sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.



























