Hansjörg Ritter gab Einblicke in die Arbeit des DVI-CH
Walzenhausen. Hansjörg Ritter informierte in einer Lesegesellschaft über die Arbeiten des Identifikationsteams in Thailand.
Das DVI-CH (Disaster Victim Identification Switzerland) Team stand identifizierte nach dem Tsunami zusammen mit 10 DVI-Länder-Team in Thailand im Einsatz.
Durch die DVI-Teams konnten 3’863 Tote identifiziert werden. Unter den Identifizierten befanden sich auch 107 Vermisste aus der Schweiz. Fünf Personen aus der Schweiz sind nach wie vor vermisst. Strategischer Leiter des DVI-CH war und ist Hansjörg Ritter, Kantonspolizeikommandant Ausserrhodens. Am Freitag gab er der Lesegesellschaft Lachen Einblicke in die Arbeit seines Teams.
1998 wurde Hansjörg Ritter mit der Gründung eines Schweizer DVI gemäss den Richtlinien von Interpol beauftragt. Das Team sollte bei unvorhersehbaren Ereignissen, die eine grosse Opferzahl forderten, von den zuständigen kantonalen Behörden für die Identifikation von Toten aufgeboten werden können. Seit 2001 ist das DVI-CH operativ einsatzfähig und setzt sich seither aus Personen der kriminaltechnischen Polizeidienste, der Gerichtsmedizinischen Institute und aus Odontologen (Zahnmedizinern) zusammen.
Für Auslandeinsätze wird es auf Anfrage des Bundesamtes für Polizei mobilisiert. Um Opfer zu erkennen, werden polizeiliche Beweismittel wie Fingerabdrücke und medizinische Mittel wie Kiefer- und Zahnschema, Implantate (künstliche Gelenke und so weiter), Krankenakten und die DNA hinzugezogen.
Erster Einsatz in Thailand
Nachdem die Medien vom verheerenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 berichtet hatten, erreichte Hansjörg Ritter die Anfrage des VBS tags darauf um zehn Uhr. Nach Konsultation des fedpol einzelner DVI-Kernteammitglieder und Einsatzpartner stand sein positiver Entscheid mittags fest; 24 Stunden später flogen bereits zwei Personen als Voraus-Detachement nach Thailand.
Am 29. Dezember folgten die ersten zwei DVI-Team mit 22 Personen und dem notwenigen Material. Parallel dazu nahm das DVI Kern-Team zusammen mit der Task Force des fedpol in Bern die Arbeit auf. Weil es sich um den ersten Ausland-Einsatz des DVI CH handelte, galt es zuerst – vor Ort – einen Tagesablauf unter Berücksichtigung der örtlichen Sitten und Bräuche zu organisieren.
In den Kantonen wurden derweil von den örtlich zuständigen Polizeistellen die Angehörigen kontaktiert und die sogenannten «ANTE MORTEM» Daten bestehend aus zahnmedizinische und DNA Daten sowie weitere Informationen wie Röntgenbilder und Unterlagen über die Vermissten erfragt, gesammelt und nach Bern in das DVI Back Office übermittelt. Von dort wurden die digitalisierten Daten, dann per Kurier nach Thailand überbracht.
Dort fand ein Vergleich mit den Untersuchungsergebnissen (Post Mortem Daten), welche die DVI Teams unter erschwerten Bedingungen erhoben hatten, statt. Während rund 14 Monaten waren 106 DVI Mitglieder aus der Schweiz in Thailand tätig. Ab dem 2. Februar 2005 jeweils sechs Personen, seit 21. Dezember 2005 drei und von 2. Januar 2006 bis zum Ende des Einsatzes am 28. Februar 2006 je zwei Personen im IMC in Bangkok.
In Bern arbeiteten in den ersten Wochen zwanzig Personen im Task Force Büro. Auch bei der Kapo AR stand permanent ein Mitarbeiter im Einsatz. Hansjörg Ritter übernahm bei allen Briefing und Debriefings den technischen Teil persönlich. Zu seinen Nebenaufgaben gehörten auch noch zum Teil intensive Kontakte mit den auf ein Nachricht wartenden Angehörigen, Medienkontakte sowie Sitzungen mit Bund und Kantonen. Später wurden zusammen mit dem Bund auch noch die Verschollenheitserklärungen bearbeitet.
Positive Rückmeldungen
Beim Thailand-Einsatz klappte das Zusammenspiel zwischen dem Auftraggeber Bund, den Kantonen sowie Fachzentren sehr gut. Daneben zeigte es sich, dass die DVI-Ausbildung der Schweizer äusserst professionell war und auch im Auslandeinsatz funktionierte. Die eingesetzten Teams leisteten in Thailand unter schwierigsten Arbeitsbedingungen eine hervorragende Arbeit, ebenso die Berner Mannschaft.
Positive Rückmeldungen erfolgten ausserdem von Polizeikommandos und Angehörigen von Vermissten. Einige Korrekturen gab es dennoch. So musste eine klare Rechtsgrundlage geschaffen werden, welche am 16. Oktober 2007 mit der Organisations-Verordnung des EJPD in Kraft trat. Die DVI-Strukturen und Kompetenz-Regelungen für die Ausland-Einsätze wurden umgebaut und eine Zusammenarbeitsvereinbarung mit dem DEZA getroffen. Bei künftigen Einsätzen wird auch eine professionell geführte Hotline eingesetzt.
Auch das Konzept für die Betreuung der Angehörige wurde optimiert. Nach dem Einsatz in Thailand erfolgte bei der Flutkatastrophe in New Orleans bereits eine Anfrage der USA, welche wieder zurückgezogen wurde als bekannt war, dass es weniger Todesopfer als erwartet gegeben hatte.
Trotzdem könnte der Einsatz in Thailand zu einer Verpflichtung werden, gerade weil die Schweiz sehr schnell um ihre professionelle Hilfe gebeten wird. Ausserdem erwarb sich das DVI-CH dank dem – von den betroffenen Ländern, als Akt der humanitären Hilfe empfundenen professionellen Einsatz – in ganz Europa eine hohe Wertschätzung und Anerkennung.



























