
Hagel verursacht Millionenschäden
Ostschweiz. Der Gewittersturm mit Hagel dürfte in der Schweizer Landwirtschaft Schäden von rund zehn Millionen Franken verursacht haben.
Meldungen über Hagelschäden gingen aus den Kantonen Bern, Luzern, Aargau, Zug, Zürich, St. Gallen und Thurgau ein. Versichert ist allerdings nur eine Schadensumme von rund sechs Millionen Franken, wie die Schweizerische Hagel-Versicherung am Mittwoch bekanntgab.
Unter dem Hagel gelitten haben vor allem empfindliche Kulturen wie Beeren und Gemüse, Obst, Wein sowie Ackerkulturen. Rund 1500 Meldungen gingen ein, davon 500 aus dem Thurgau und 120 aus dem Kanton St. Gallen.
Laut der Sprecherin der Hagel-Versicherung, Yvonne Torriani, belaufen sich die versicherten Schäden im Kanton Thurgau auf etwa 2,5 Millionen Franken. In St. Gallen sind es 500 000 Franken.
Ungewöhnlich für den Mai
Das Gewitter vom Dienstag wird bei Schweizer Hagel als «grösseres Ereignis» eingestuft, das für den Monat Mai ungewöhnlich sei. Erklären lasse es sich mit den ebenso ungewöhnlichen Hochsommertemperaturen der letzten Tage. Neben Hagel brachte der Gewittersturm, der die Schweiz mit Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h überquerte, auch viel Regen. Auf der Alpennordseite fiel innert 12 Stunden stellenweise bis zur Hälfte der Niederschlagsmenge, die sonst im ganzen Monat Mai fällt. Am meisten Regen gab
es mit 71 Litern pro Quadratmeter auf dem Napf. 70 Liter fielen in Weissbad AI.
Die stärksten Windböen wurden auf dem Hörnli mit 117 km/h, auf der Ebenalp AI mit 109 km/h und in Heerbrugg SG mit 111 km/h gemessen. In Quinten am Walensee, in der Stadt St. Gallen sowie in Heldswil TG fegte der Sturm mit bis zu 106 km/h übers Land.
Extremer Luftmassenwechsel
Erklären lasse sich dies mit einem extremen Luftmassenwechsel, schrieb MeteoNews. Die heisse Subtropenluft, welche die Temperaturen zu Wochenbeginn auf über 30 Grad klettern liess, wurde demnach am Dienstag von kalter Polarluft verdrängt.
In der Folge fielen im Flachland die Temperaturen innert Minuten um 10 Grad. Von Montagabend bis Dienstagabend sanken die Temperaturen teilweise gar um 20 Grad.
Nicht nur die Landwirtschaft beklagt Schäden nach dem Gewitter. Windböen deckten Dächer ab und rissen Bäume um, die in der Folge Bahnlinien und Strassen blockierten. Bäche traten über die Ufer und überschwemmten zahlreiche Keller. In Sulz bei Rickenbach ZH setzte ein Blitzschlag ein Mehrfamilienhaus in Brand. Verletzt wurde dabei niemand.
In Romanshorn TG wurde ein 31-jähriger Mann von einem umgestürzten Baum in seinem Auto erdrückt. In Luzern verletzte ein herunterstürzender Ast eine 37-jährige Frau mittelschwer. Für die kommenden Tage rechnen die Wetterdienste in der ganzen Schweiz mit vorwiegend trockenem Wetter.