
Haben Zellen Menschenwürde?
Frauenfeld. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Veranstaltung vom Montag, 10. November, 19.30 Uhr, in der Aula im Neubau der Kantonsschule Frauenfeld.
Mit der Stammzellenforschung im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt und ethischen Grenzen setzen sich in ihren Referaten der Biochemiker Prof. Dr. Marcel Leist von der Universität Kostanz und der Theologe Prof. Dr. Markus Ries von der Universität Luzern auseinander. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Embryonale Stammzellen können aus befruchteten Eizellen des Menschen gewonnen und in biologischen Laboren gezüchtet werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass daraus theoretisch jede Art von im menschlichen Köper vorkommenden Zellen und möglicherweise ganze Organe gebildet werden können. Dies macht die Zellen für viele Forschungsgebiete äusserst interessant, beispielweise auch für tierversuchsfreie Testsysteme, mit denen sich Prof. Dr. Marcel Leist befasst, der seit 2006 Inhaber des Stiftungslehrstuhls für In-vitro-Methoden zum Tierversuchsersatz an der Universität Konstanz ist.
Die Frage von Menschwerdung und Menschenwürde
Doch die Stammzellenforschung stösst an ethische Grenzen. Gestellt ist die alte Frage nach dem Beginn von Menschwerdung und Menschenwürde. Sie wurde und wird in der philosophischen, religiösen und juristischen Tradition ganz unterschiedlich beantwortet. Gesucht ist ein Weg, der den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht wird und gleichzeitig dem Leben mit dem notwendigen Respekt begegnet. Mit diesen Fragen wird sich in seinem Vortrag der Theologe Prof. Dr. Markus Ries befassen. Er ist in Weinfelden aufgewachsen, hat in Frauenfeld die Kantonsschule besucht und war von 2001 bis 2006 Rektor der Universität Luzern. Im Anschluss an die Referate besteht die Möglichkeit, die aufgeworfenen Fragen mit den Experten vertieft zu diskutieren.
Kooperationsveranstaltung hat Tradition
Seit 1996 laden der Regierungsrat und der Rektor der Universität Konstanz jeweils im November zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein, um der grenzüberschreitenden Verbundenheit zwischen dem Kanton Thurgau und der nächstgelegenen Universität Ausdruck zu verleihen. Dementsprechend wird Regierungspräsident Bernhard Koch begrüssen und der Rektor der Universität Konstanz, Prof. Dr. Gerhart von Graevenitz, das Schlusswort halten. Anschliessend sind alle zum Umtrunk eingeladen.
Nach zehnmaliger Durchführung und einer einjährigen Pause wurde das Konzept der sogenannten Kooperationsveranstaltung etwas modifiziert. Danach findet die Veranstaltung nunmehr immer im Kanton Thurgau statt. Behandelt werden aktuelle Themen, mit denen sich jeweils ein Professor bzw. eine Professorin der Universität Konstanz sowie ein Professor bzw. eine Professorin einer Schweizer Universität befassen. Damit soll sich der Kanton Thurgau als Plattform und grenzüberschreitender Begegnungsort von universitärer Wissenschaft und Forschung weiter etablieren, wie dies der schon seit längerer Zeit verfolgten Strategie entspricht.