Gute Lehrstellensituation im Kanton St.Gallen
SG. Die Schulabgängerumfrage, die das Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen Ende Mai 2009 durchgeführt hat, zeigt auch dieses Jahr eine erfreulich gute Gesamtsituation.
Sie bestätigt die früheren Anzeichen, dass die Wirtschaft trotz angespannter Lage in ihrem Ausbildungsengagement in keiner Weise nachlässt. Wie in den beiden Vorjahren haben über 92 Prozent der im Juli aus der Volksschule Austretenden eine Anschlusslösung gefunden. Besonders erfreulich ist, dass der Anteil an Übertritten in eine berufliche Grundbildung gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert ist. Den 468 Jugendlichen ohne Anschlusslösung standen am Stichtag 553 unbesetzt gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber.
Alljährlich führt das Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen Ende Mai eine flächendeckende Schulabgängerumfrage durch. Am Stichtag 31. Mai 2009 wurden insgesamt 6’113 Jugendliche aus den Sekundar-, Real- und Kleinklassen sowie den Brückenangeboten erfasst.
Wiederum konnte ein fast hundertprozentiger Rücklauf verzeichnet werden. Die Auswertung finden Sie als Übersicht im Anhang (Tabelle 1).
Am Stichtag hatten 5’645 Jugendliche oder 92.3 Prozent eine Anschlusslösung gefunden (Vorjahr 6’056 Personen, 92.1 Prozent). Die Zahl der Jugendlichen, die in eine weiterführende Schule übertreten, ist um 0.6 Prozent angestiegen und liegt genau im Durchschnitt der letzten vier Jahre. Erfreulich ist, dass die Anzahl Jugendlicher, die eine Berufsausbildung beginnt, anteilsmässig nur in einem Zufallsbereich unter dem Vorjahreswert liegt. 4’119 Jugendliche oder 67.4 Prozent der Befragten gaben an, einen Platz in einer Lehre, einer Attestausbildung oder eine Anlehre auf sicher zu haben (Vorjahr 4’467 Personen, 67.9 Prozent).
Nicht absolut, aber anteilmässig leicht angestiegen ist die Zahl der Jugendlichen, die nach Abschluss der Volksschule in eine Zwischenlösung übertreten werden. Sie liegt dieses Jahr bei 1’005 Jugendlichen bzw. 16.4 Prozent (Vorjahr 1’017 Personen, 15.5 Prozent). Zu den Zwischenlösungen gehören sowohl die staatlichen Brückenangebote als auch private Lösungen wie Fremdsprachenaufenthalt, Privatschulen oder Praktikum. Der Anteil Jugendlicher, die direkt in den Erwerbsprozess einsteigen oder ins Ausland ausreisen, liegt bei marginalen 0.9 Prozent (Vorjahr 1.6 Prozent).
Trotz der wirtschaftlich angespannten Situation ist der Anteil an Jugendlichen ohne Anschlusslösung leicht geringer als im Vorjahr. Insgesamt 468 Jugendliche oder 7.7 Prozent waren am Stichtag der Erhebung noch ohne Anschlusslösung (Vorjahr 522 Jugendliche, 7.9 Prozent). Von ihnen hatten 103 Jugendliche oder 1.7 Prozent keine bestimmte Absicht, eine Lösung zu suchen. 365 Jugendliche gaben an, aktiv auf der Suche zu sein. Zum gleichen Zeitpunkt waren im kantonalen Lehrstellennachweis «Lena» 553 (Vorjahr 379) offene Ausbildungsplätze in rund 100 Berufen ausgewiesen.
Wirtschaft unvermindert engagiert
Die Auswertung der Erhebung im Zeitvergleich zeigt drei prägende Merkmale: Zum einen kann eine äusserst stabile Situation zur Kenntnis genommen werden. Alle verglichenen Werte bewegen sich innerhalb weniger Prozentpunkte oder gar im Promillebereich. Zum Zweiten ist, nach einem Höchststand an Schulabgängerinnen und -abgängern im Vorjahr, wie erwartet die Wende in der demografischen Entwicklung eingetreten. Sie wird sich am Übergang nach der Volksschule in den kommenden Jahren dahingehend weiter akzentuieren, dass die leistungsstarken Jugendlichen zunehmend umworben werden, während sich die Anstrengungen des Staates weiterhin auf das Segment der leistungsschwächeren Jugendlichen wird konzentrieren müssen.
Zum Dritten kann festgestellt werden, dass sich die wirtschaftliche Krise mit Personalabbau und Kurzarbeit in tragenden Segmenten der st.gallischen Wirtschaft erfreulicherweise nicht auf das Ausbildungsengagement ausgewirkt hat. Es spricht für den Zukunftsglauben der st.gallischen Wirtschaft, dass sie mit unverminderter Nachwuchsausbildung alles daran setzt, beim Umschwung der Wirtschaft auf einen soliden Stamm von Fachkräften bauen zu können. Zur positiven Situation trägt ebenso die anhaltende Steigerung an Ausbildungsplätzen im Gesundheits- und Sozialbereich bei, wo in den nächsten Jahren ein beträchtlicher Nachwuchsbedarf ansteht.
Förderung zeigt positive Wirkung
Die Auswertung der Erhebung auf Basis des zuletzt absolvierten Typs der Volksschule zeigt (im Anhang, Tabelle 2), dass nicht nur die schulisch am leistungsfähigsten, sondern auch die schulisch schwächeren Jugendlichen bei entsprechender Förderung gute Chancen auf eine Anschlusslösung haben. Am Stichtag Ende Mai hatten von den Absolvierenden der Sekundarschule 97.7 Prozent, von der Realschule 90.7 Prozent und von den Kleinklassen immerhin 84.2 Prozent ihre Anschlusslösung bereits gefunden. Besonders erfreulich zu vermerken ist dabei die tendenziell positive Entwicklung bei Kleinklassen und Realschulen.
Nach wie vor spielt die Nationalität bei der Lehrstellensuche offensichtlich eine nicht zu unterschätzende Rolle. 1’407 Personen oder 23.0 Prozent (Vorjahr 1’622 Personen bzw. 24.7 Prozent) aller erfassten Jugendlichen sind ausländischer Nationalität. Von ihnen waren am Stichtag 18.1 Prozent (Vorjahr 18.3 Prozent) ohne Anschlusslösung. Von allen Jugendlichen ohne Anschlusslösung sind 54.5 Prozent (Vorjahr 56.9 Prozent) ausländischer Nationalität. Sie werden – zusätzlich zu einem grossen eigenen Engagement und demjenigen ihres Elternhauses – weiterhin in besonderem Mass auf die verschiedenen Unterstützungsangebote von Schule und Berufsberatung angewiesen sein.
Bezüglich geschlechtsspezifischer Besonderheiten fällt auf, dass weibliche Jugendliche beim Übertritt in die Berufsbildung in höherem Mass den Weg eines Brückenangebotes beanspruchen, als dies bei männlichen Jugendlichen der Fall ist (weibliche 22.3 Prozent, männliche 9.9 Prozent).
Bewährte Angebote
Die insgesamt erfreuliche Situation stellt auch den betreuenden Lehrpersonen ein gutes Zeugnis aus. Ebenso zeigen die vom Amt für Berufsbildung koordinierten Unterstützungsangebote nachhaltige Wirkung. Berufsberatung, Lehrstellenbörsen und Mentoringprogramme der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, gezieltes Coaching der Jugendlichen in der Vorlehre, ergänzt durch Unterstützungsangeboten privater Trägerschaft wie der Stiftung «die Chance» oder «Speranza», tragen gemeinsam dazu bei, die Übertrittsquote von der Volksschule in die Berufsbildung zu verbessern. Mit dem im Aufbau befindliche Projekt «Case-Management Berufsbildung (Plan B)» soll das Zusammenwirken der einzelnen Akteure weiter optimiert werden.
Positive Wirkung zeigt offensichtlich auch die vor zwei Jahren erfolgte Kantonalisierung und konzeptionelle Neuordnung der Brückenangebote. Mit ihr verbunden ist die Möglichkeit einer verstärkten Einflussnahme auf die Wahl des Brückenangebotstyps, womit diese in hohem Mass auf die individuellen Bedürfnisse der Jugendlichen für den späteren Berufseinstieg ausgerichtet wird.
«Hitliste» der Berufe
Die «Hitliste» der zwölf von den st.gallischen Schulabgängerinnen und Schulabgängern am häufigsten gewählten Berufe zeigt nur sehr geringfügige Änderungen gegenüber dem Vorjahr.
Kaufmann/Kauffrau (698 Personen, Vorjahr 692), Detailhandelsfachmann/-frau EFZ (384 Personen, VJ 400), Polymechaniker/-in (196 Personen, VJ 234), Fachangestelle/r Gesundheit (170 Personen, VJ 158), Coiffeur/Coiffeuse (128 Personen, VJ 126), Koch/Köchin (125 Personen, VJ 118), Elektroinstallateur/-in EFZ (118 Personen, VJ 145), Zimmermann/Zimmerin (89 Personen, VJ 103), Detailhandelsassistent/in EBA (78 Personen, Vorjahr 76), Schreiner/-in (76 Personen, VJ 115), Informatiker/in (76 Personen, Vorjahr 59), Maurer/in (72 Personen, Vorjahr 85).



























