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Grosses Schwarzpeterspiel

In Appenzell Innerrhoden ist ein Wirbel um Ortsbezeichnungen im Gang. Der Grund: Die Registerharmonisierung. Zum Zankapfel wird der ehemalige Wohnort von Ex-Bundesrätin Ruth Metzler, das Dorf Meistersrüte zwischen Gais und Appenzell

Das Problem beim Zoff um neue Adressen: Alle Beteiligten – Bund, Kanton, Gemeinde, Post – schieben den Schwarzen Peter dem andern zu. Im Innerrhoder Grossen Rat beantragte Rahel Mazenauer, Meistersrüte, eine Überarbeitung der neuen Aufteilung von Ortschaften. Die Bevölkerung solle miteinbezogen werden.

Petition geplant
Der Antrag wurde abgelehnt, aber der zuständige Landesfähnrich (Justiz-, Polizei und Militärdirektor) Melchior Looser sicherte eine Überprüfung zu. Der Kanton habe nur Vorgaben des Bunds und der Post erfüllt, sagte er im Rat.

Die Antragstellerin plant eine Petition. Empörte Einwohner von Meistersrüte kündigen Anträge an der kommenden Landsgemeinde an: Meistersrüte probt den Aufstand.

Stein des Anstosses ist die Adresse «9050 Meistersrüte»: Das Dorf gehört zum Bezirk Appenzell; es hat keinen Dorfkern, keine Kirche. «Schon seit eh und je bekommt Meistersrüte die Post von Appenzell,» sagt Rahel Mazenauer. Bisher lautete die Adresse «Appenzell». Jetzt wird «Meistersrüte» plötzlich zur einzig richtigen Anschrift.

Das ärgert viele Meistersrütner. Denn: Appenzell ist eine Marke, Image und Identität. «Diese Veränderung können wir nicht akzeptieren,» sagt Rahel Mazenauer. Die Adressänderung verursache massiven Aufwand und Kosten für Firmen und Private.

Volkszählung ist schuld
Anlass zur Registerharmonisierung ist die Volkszählung 2010 ohne Fragebögen. Das entsprechende Bundesgesetz regelt auch einheitliche Gebäudeadressen.

Das bedeutet das Aus für Extravaganzen, wie Flur- oder Heimetli-Namen als einzige Adresse, ohne Strassennamen und Hausnummer: Künftig muss jede Adresse eindeutig sein. Erstmals muss jede Strasse im bewohnten Gebiet einen Namen haben, wie Fritz Gebhard vom Bundesamt für Statistik sagt.

Er habe verhindern wollen, dass der Bund vorschreibe, wie Innerrhoden seine Ortsnamen regeln müsse, sagt Landesfähnrich Melchior Looser. Denn die Innerrhoder Strukturen mit sechs Bezirken (politische Gemeinden), 15 Dörfern und etlichen Weilern sind nicht gerade simpel.

«Unschön»
Begeistert ist niemand ob der Standardisierung: «Ich verstehe das absolut nicht. Ich musste mich überzeugen lassen. Das Ganze ist unschön,» sagte Landammann Bruno Koster im Rat.

Die Krux ist: Viele Adressen in Innerrhoden sind nicht eindeutig. So gibt es drei «Chapf», je einen in den Bezirken Appenzell, Schwende und Rüte, und zwei «Sonnenhalden» – eine in Appenzell und eine in Meistersrüte. Ein Albtraum für die Feuerwehr.

Die Bezirke seien in den Entscheidungsprozess miteinbezogen worden, sagt Melchior Looser. Im Bezirk Appenzell heisst es indes: «Wir haben nur Weisungen des Kantons ausgeführt. Wir waren Befehlsempfänger,» so Bezirkssekretär Roland Oswald.

Keine Probleme
Keine Probleme gibt es in Ausserrhoden, wie Thomas Wüst, Sekretär des Departements des Innern, sagt: Längst sind dort alle Adressen eindeutig. Ausserrhoden hat eine obligatorische kantonale Assekuranz (Gebäudeversicherung). Darum hat jedes Haus eine unverwechselbare Nummer.

Auch im Kanton St. Gallen gibt es keinen vergleichbaren Ärger: Eine marginale Anzahl Gemeinden, beispielsweise im Sarganserland, müssten in grösserem Umfang neu eindeutige Adressen vergeben, damit alle Gebäude klar identifizierbar seien, sagt Theo Hutter, Leiter der Fachstelle Statistik.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 07.04.2008 - 10:00:00