
Grosser Rat Thurgau für Brustkrebs-Screening-Programm
Weinfelden/TG. Der Thurgauer Grosse Rat hat sich mehrheitlich für die Einführung eines Mammographie-Screening-Programms zur Früherkennung von Brustkrebs ausgesprochen.
Er debattierte das Thema aufgrund einer Interpellation von Anita Dähler (CVP).
In ihrer Antwort auf die Interpellation hatte die Thurgauer Regierung bereits mitgeteilt, dass für sie ein Mammographie-Screening-Programm und die Einrichtung eines Krebsregister vorstellbar sei. Vor einer Entscheidung wollte die Regierung jedoch die Stellungnahme des Grossen Rates abwarten.
Früherkennung senkt Sterblichkeit
Mit einem Screening-Programm sollen 70 Prozent der 50 bis 70 Jahre alten Frauen zur Teilnahme motiviert werden. Die Untersuchung soll alle zwei Jahre erfolgen. Die Kosten in den ersten fünf Jahren werden rund 630’000 Franken betragen.
Mit der dem Programm könnten bösartige Tumore früher erkannt und die Sterblichkeit um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden, argumentierten die Befürworter. Mit einem flächendeckenden Screening-Programm könnten auch Frauen erreicht werden, die nicht von sich aus zur Untersuchung gehen. Ein Zwang zur Teilnahme solle nicht bestehen.
Das Brustkrebs-Screening dürfe nicht nur technisch-medizinisch auf bestem Stand sein, sondern es müsse auch emotional sorgfältig durchgeführt werden, mahnte die SP-Fraktion. Die SVP forderte Umfang und Details eines Screening-Programms genau zu prüfen.
Gefahr der Falschdiagnose
Kritisch äusserte sich Brigitta Hartmann (Grüne). Die negativen Begleiterscheinungen der Röntgenuntersuchung würden den Nutzen nicht überwiegen. Die Gefahr der Falschdiagnose sei gross. Auch Regula Streckeisen
(EVP) sah nicht nur positive Seiten. So würden jüngere Frauen nicht erfasst. Sie empfahl, noch einige Jahre und die Erfahrung in St. Gallen abzuwarten.
Mit einem Screening-Programm sei auch die Einführung eines Krebsregisters notwendig, sagte Regierungsrat Bernhard Koch. Bislang gibt es in der Schweiz nur zehn Krebsregister, die 15 Kantone erfassen, der Thurgau ist nicht dabei. Der Grosse Rat befürwortete, wie die Regierung, eine Zusammenarbeit mit dem Kanton St.’Gallen.