
«Gesellschaftsbild hat sich verändert»
Leserbrief. Eine Leserin von thurgau24.ch äussert sich zum Harmos-Konkordat
Als vor Jahren der einheitliche Schulanfang und der schulfreien Samstag eingeführt wurden, gab es auch Kontrahenten. Heute ist diese Reform aus dem Schulalltag und den verschiedenen Familienformen nicht mehr wegzudenken. Verändert hat sich auch das Gesellschaftsbild.
Die vermeintlich heile Welt mit einer intakten Familie, in der die Mutter Hausfrau und der Vater der Geldverdiener ist, entspricht längst nicht mehr der Realität. Heute ist die Mehrheit der Mütter in Ergänzung zur Familienarbeit erwerbstätig.
Einige Frauen wollen ihren Beruf weiterführen, andere müssen aus existenziellen Gründen einer Tätigkeit ausser Haus nachgehen. Die Hintergründe sind sehr verschieden. Genau so verschieden sind auch unsere vierjährigen Mädchen und Buben: vif, keck, wissbegierig und voller Vorfreude, bis sie endlich in den Kindergarten dürfen, aber auch verträumt und anhänglich.
Sie alle sind eigenständige Individuen mit einem unterschiedlichen Entwicklungsstand.
Das Harmos-Konkordat und der damit verbundene Eintritt in den Kindergarten mit vier Jahren kommt dem entgegen und ermöglicht eine individuelle Förderung unserer Kinder.
Die Zahlen des kantonalen Amtes für Volksschule für dieses Schuljahr belegen es: für 81 der vom frühen Kindergarteneintritt betroffenen Buben und Mädchen wurde ein Gesuch um Rückstellung an die Schulbehörden eingereicht.
Lediglich in drei Fällen wurde dieses nicht bewilligt. Nicht nur Eltern wollen das Beste für ihre Kinder, auch Behördenmitglieder und Lehrpersonen setzen sich gezielt gegen eine Überforderung unserer Kinder ein. Stimmen wir ja zu Harmos, um das Heft nicht aus der Hand zu geben.