Gedanken zur Proporz-Initiative
Leserbrief. Werner Nieder aus Herisau erläutert in einem Lesebrief, weshalb er für ein Ja für die Proporz-Initiative ist.
Kürzlich entnahm ich unserem Postfach den Flyer «NEIN zum Proporz-Knorz». Als nach wie vor politisch Interessierter las ich ihn selbstverständlich. Obwohl ich mich bemühte, mir nach meinem Ausscheiden aus dem Regierungsrat in politischen Angelegenheiten öffentlich Zurückhaltung aufzuerlegen, veranlasste mich der fragliche Flyer, in die Computertastatur zu greifen.
Auch in unserem Kanton hat in letzter Zeit zumindest teilweise die Unsitte Eingang gefunden, zu meinen, politische Fragen könnten nurmehr schlagwortartig abgehandelt werden. Dies ist der Demokratie abträglich. Politik in der Demokratie ist zu komplex um auf einige Schlagworte reduziert zu werden. Abträglich ist es aber auch, Halb- oder gar Unwahrheiten zu verbreiten. Damit werden die Stimmberechtigten nämlich nicht ernst genommen, sondern für «dumm» verkauft.
Nicht den Tatsachen entspricht die Behauptung, wonach Computer die Sitze verteilen und nurmehr Mathematiker das Proporzwahlverfahren verstehen. Der Nationalrat wird seit 1919 im Verhältniswahlverfahren gewählt. Als dieses Wahlverfahren (auch) auf Bundesebene eingeführt wurde, gab es meines Wissens noch keine Computer und in den kantonalen Wahlbüros waren mit Sicherheit auch Personen tätig, die über keinen Mathematikerabschluss verfügten.
Als in Herisau Stimmberechtigter habe ich Mühe mit der Behauptung «Persönlichkeiten statt Listen». Wenn ich mir die im Proporzwahlverfahren gewählten Herisauer-Mitglieder des Kantonsrats ansehe, war ich bis zum Erscheinen des Flyers der Meinung, dass es unter der Herisauer-Delegation auch Persönlichkeiten hat. Diese Meinung lasse ich mir auch nicht nehmen.
Ich hoffe, dass der mehrfach erwähnte Flyer dazu beitragen möge, sich mit dessen Inhalt kritisch auseinanderzusetzen und dann ein überzeugtes Ja zur Proporz-Initiative in die Urne zu legen.



























