Führung über die Kulturspur
Ausserrhoden. Vor kurzem wurde die «Kulturspur Appenzellerland» eröffent. Jetzt gibt es auch einen Führer zum Kulturwanderweg.
Buchbesprechung «Kulturspur Appenzellerland – ein Wanderführer» Route 22: 50 Kulturobjekte auf 50 Kilometern Sprechende Brücken, romantische Badeplätze, dramatische Wasserfälle, eine italienische Piazza in den Voralpen: Das alles finden Wanderer auf dem neuen kulturellen Themenwanderweg durchs Appenzellerland, der Route 22.
Im Appenzeller Verlag, Herisau, ist der Führer zum Kulturwanderweg durch Appenzell Ausserrhoden erschienen. Die Historiker Peter Witschi, Thomas Fuchs und Stefan Sonderegger beschreiben Routen und Objekte, erzählen Geschichten und Legenden und weisen auf Picknick-Plätze hin.
Sagenumwobene 50 Kilometer
Die 50 Kilometer lange Wanderstrecke beginnt und endet im Kanton St.Gallen und führt von Degersheim nach Rheineck quer durch Ausserrhoden, vom Hinterland ins Vorderland. Die Kulturspur 22 wurde als Projekt des Ausserrhoder Regierungsprogramms realisiert.
Ein erster Höhepunkt der Reise ist das sagenumwobene Alte Rathaus im Schwänberg bei Herisau: Hier soll sich ein Lichtwunder ereignet haben. Das prächtige Haus ist aber keineswegs mittelalterlich und war nie ein Ratshaus. Es wurde um 1630 vom reichen Ausserrhoder Söldnerhauptmann und Chirurgus Hans Conrad Zuberbühler erstellt.Ganz in der Nähe liegt die Rosenburg, im Volksmund prosaischer Ramsenburg genannt, ein Denkmal der Tiranney der mächtigen Äbte von St.Gallen – und schauerlicher Schauplatz einer schrecklichen Bluttat.
Zeitzeugen düsterer und fröhlicher Zeiten
Das Schwarze Haus am Herisauer Glattbach hingegen, ist kein düsterer Zeitzeuge, sondern der älteste Industriebau im Kanton: Aus einer spätmittelalterlichen Mühle wurde um 1760 eine Stoffdruckerei, die um 1870 225 Personen beschäftigte.
Licht und heiter ist die von den Vorarlberger Stuckateuren Moosbrugger geschmückte pseudobarocke Kirche des Klosters Mariä Rosenarten Wonnenstein bei Teufen, einer Innerrhoder Exklave.
Nicht nur in den Klöstern werden Heilmittel hergestellt: In Teufen wirkte auch der Naturmedizin-Pionier Alfred Vogel. In seinem Schaugarten können Heilkräuter wie der Rote Sonnenhut bewundert werden. Vogel brachte die ersten Echinacea-Samen aus Nordamerika mit.
Pestloch und Seelenfenster
Die italienische Piazza ist der Trogner Landsgemeindeplatz mit den Palästen der Textilhändlerfamilie Zellweger. Das Kontrastprogamm: Roman Signers knallrote Kanu-Installation «Sport» bei der Kantonsschule.
Ein Pestloch und ein Seelenfenster sind im Urwaldhaus, im Gasthaus Bären, einem der ältesten Häuser Rehetobels zu entdecken: Durch das Seelenfenster sollten die Seelen Sterbender entflogen sein. Die Historiker gehen eher davon aus, dass das Fenster der Lüftung diente.
Wanderführer ist auch illustriert
Neben geografischen, wirtschaftlichen und kulturhistorischen Informationen enthält der illustrierte Kulturwanderführer einen Serviceteil mit Angaben zu Wegstrecken, Wanderzeit, Führungen, Verkehrsverbindungen und Beizen. Die 50 Kilometer können in drei Tagesetappen bewältigt werden.
Weitere Artikel zu diesem Thema:
– «Die Spur der Appenzeller Kultur», (20.03.2007)



























