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Frühenglisch bleibt in Innerrhoden ein Hit

Appenzell. Trotz der Kritik einer am Dienstag publizierten Nationalfonds-Studie: Frühenglisch bleibt in Appenzell Innerrhoden ein Hit

Die Ziele seien erreicht worden, sagt Erziehungsdirektor Carlo Schmid: Gleichheit und Freude am Fremdsprachen lernen.

Als Innerrhoden als erster Kanton im Sommer 2001 Frühenglisch in der 3. Primarklasse einführte, gab es verärgerte Reaktionen in der Westschweiz – vor allem weil Frühfranzösisch abgeschafft wurde.

Tests ergaben indes: Frühenglisch ist in Appenzell Innerrhoden eine Erfolgsstory. Lehrkräfte und Schüler sind begeistert, wie Erziehungsdirektor Carlo Schmid (CVP) feststellt.

Die Nationalfonds-Studie habe nicht die Resultate, sondern die Umstände zur Einführung untersucht: «Das kommt mir vor, als ob sich ein Anlageberater beschwerte, sein Klient habe Aktien gekauft, ohne ihn zu fragen», sagt Schmid. Unklar sei der Zweck der Studie – immerhin hätten andere Kantone mit Frühenglisch nachgezogen.

«Riesige Mühe mit Französisch»
Es könne schon sein, dass das Vorpreschen des kleinsten Kantons bei der Einführung von Frühenglisch für Irritation gesorgt habe, sagt Schmid. Nach der ersten Aufregung habe er jedenfalls aus der Romandie keine Kritik mehr gehört.

Die Romands habe er gefragt, ob sich das Verhältnis zwischen Deutschschweizern und Romands nach 20 Jahren Frühfranzösisch verbessert habe. Das sei nicht der Fall gewesen. Hier sei eine staatspolitische Frage am falschen Bügel aufgehängt worden.

Bei der Einführung von Englisch in der Primarschule seien die «angeblichen Probleme mit dem Französischunterricht» nicht wissenschaftlich evaluiert worden, kritisieren die Autoren der Nationalfonds-Studie. «Wir haben zu wenig Geld für überflüssige Studien», sagt Carlo Schmid dazu.

«Vielleicht sind wir Appenzeller eigenartige Leute, aber die Schüler haben riesige Mühe mit Französisch.» Zu viele Misserfolge vergällten den Kindern den Spass am Sprachen lernen schlechthin, so Schmid.

«Wichtig war für uns die Freude am Erlernen einer Fremdsprache. Englisch ist als Einstiegssprache klar einfacher als Französisch.» Bleibt die Frustration mit der ersten Fremdsprache aus, gehen die Kinder unbefangener an die zweite heran.

Gleichheit
Neben der Freude war Gleichheit ein Ziel: Um 2000 schossen Angebote «English for Kids» wie Pilze aus dem Boden. Gut situierte Eltern schickten ihre Kinder in diese Kurse. Aber nicht alle Eltern konnten sich private Englischkurse leisten. «Es ist Aufgabe der Volksschule, für Gleichbehandlung zu sorgen», sagt Schmid.

Nicht nur Begeisterung belegt den Erfolg des Frühenglischen in Innerrhoden. Auch Lerntests mit strengen Kriterien ergaben herausragende Leistungen. 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler verstanden längere komplexe Texte beim Lesen sehr gut; bei Hörtests schnitten sie hervorragend ab.

Die Evaluation in Innerrhoden gilt sogar als Massstab für eine breite Anwendung solcher Tests. «Die Welt wird sich an euch messen», sagte Ursula Bader, Dozentin für Englisch und Englischdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, die die Tests durchführte.

«Wir haben nie behauptet, Englisch sei ein Vorteil bei der Stellensuche», lacht Schmid. «Aber Englisch ist im Alltag häufiger anzutreffen als Französisch.» Die Nationafonds-Studie zu Frühenglisch war zum Schluss gekommen, dass Hochdeutsch bei der Lehrstellensuche wichtiger ist als Englisch.

Kaum erstaunlich, dass es immer mehr «International Schools» gibt, in denen die Unterrichtssprache generell Englisch ist. Seit acht Jahren besteht die International School Rheintal. St. Gallen erhält im Herbst 2009 eine private englischsprachige Tagesschule.

Ein «Röstigraben» wegen Frühenglisch
Der «Sprachenstreit» in der Primarschule begann, als Innerrhoden 2001 und Zürich 2004 Englisch als erste Fremdsprache einführten. Ihnen schlossen sich die Kantone der Zentral- und Ostschweiz an. In der Romandie und in den Deutschschweizer Kantonen entlang der Sprachgrenze ist Englisch dagegen zweite Fremdsprache ab dem 5. Schuljahr.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 11.07.2008 - 09:47:00