
Friedenstaube in Sarajevo angekommen
Heiden. Der Gemeinde Heiden wurde die Ehre zu teil, für fünf Wochen der 29. von 30 Hillinger-Friedenstauben eine Heimat zu geben.
Auf Einladung der Stadt Friedrichshafen, welche die Taube nach Heiden fliegen liess, konnte Gemeindepräsident Norbert Näf, Heiden, am vergangenen Wochenende dabei sein, als die Friedenstaube an die Bürgermeisterin von Sarajevo in Bosnien-Herzegowina weitergegeben wurde. Hier ist sein persönlicher Erlebnisbericht:
Am Flughafen von Sarajevo wurden Friedrichhafens Oberbürgermeister, ein Verantwortlicher für die zahlreichen Schulaustauschprojekte zwischen den beiden Partnerstädten und ich fast wie Staatsgäste von «Vertretern des Protokolls» abgeholt und ins Hotel geführt.
Feierliche Zeremonie
Kurz darauf fand im Rathaus die Zeremonie der Übergabe der Friedenstaube an Semiha Borovac, Bürgermeisterin der Stadt Sarajevo, statt. Es war ein besonderes Gefühl, im Beisein aller Würdenträger der Stadt und unter Beobachtung von Journalisten der Zeitungen, des Radios und des regionalen Fernsehens mit einer simultan übersetzten Rede die Friedenstaube zu überreichen.
Ich benutzte in meiner Rede die Gelegenheit, Heiden vorzustellen. Die am Mittwoch letzter Woche von den Einwohnerinnen und Einwohnern bosnisch-herzegowinischer Abstammung entgegen genommenen Wünsche und Anliegen durfte ich weitergeben. Nebst der Taube gelten auch die olympischen Ringe als ein Symbol des Friedens. Ich erinnerte an die schönen Erfolge, welche die Schweizer Skifahrerinnen und -fahrer an Olympia 1984 in Sarajevo feiern durften. Mit Blick auf die Lokalpolitik – sei es in Sarajevo oder Heiden – wies ich darauf hin, dass wir bei allen lokalen Herausforderungen nicht vergessen, dass wir in einer einzigen Welt leben und ein gemeinsames Ziel haben dürfen: Frieden und wirtschaftliches Auskommen für alle Menschen. Dies waren auch die Visionen von Henry Dunant. Für ein Gastspiel des im Rahmen des Dunant-Jahres 2010 in Heiden musikalisch und szenisch uraufgeführten Werkes «Henry Dunant – ein dramatisches Menschenleben» in Sarajevo wurden erste Gespräche geführt.
Vier Religionen nah beieinander
Anschliessend an die feierliche Zeremonie im Rathaus liess es sich Semiha Borovac nicht nehmen, persönlich einen Stadtrundgang anzuführen. Die Stadt Sarajevo hat mich beeindruckt durch die aufgrund der früheren Zugehörigkeit zum osmanischen Reich oder später zu Österreich-Ungarn bedingte architektonische Vielfalt. Das nahe Zusammenleben der vier Religionen Islam, Judentum, orthodoxe und katholische Kirche zeigt sich insbesondere durch die prächtigen Gotteshäuser. Die Stadt hat es verstanden, beim Wiederaufbau nach dem fürchterlichen Krieg in den Neunzigerjahren Beschädigungen an Häusern und Strassen bewusst als Mahnmale stehen zu lassen. Der kurze Besuch in Sarajevo hat meinen Horizont erweitert und ermöglicht mir, eine andere Sichtweise auf unsere täglichen Herausforderungen zu erhalten.