Förderung für Thurgauer Forschung
Gleich zwei Nationalfondsprojekte laufen am Biotechnologie-Institut Thurgau. Ein Erfolg, wie die Verantwortlichen melden.
Das in der Krebsforschung tätige An-Institut der Universität Konstanz mit Sitz in Kreuzlingen hat den Zuschlag für ein mit insgesamt 383 000 Franken dotiertes Projekt des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) erhalten. Zusammen mit einem bereits 2006 gestarteten Projekt laufen damit am Biotechnologie-Institut Thurgau (BITg) gleichzeitig zwei vom SNF finanzierte Forschungsvorhaben. Dies unterstreicht die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit des BITg, das seit 2004 vom Bund als ausseruniversitäres Forschungsinstitut anerkannt ist und gefördert wird.
Der Erfolg des BITg ist umso höher zu werten, als der Schweizerische Nationalfonds seine Mittel unter Wettbewerbsbedingungen vergibt. Nach einer Prüfung durch unabhängige Gutachter werden schliesslich nur rund die Hälfe der eingereichten Gesuche bewilligt. Das jetzt genehmigte Projekt des BITg liegt mit fast 400 000 Franken auch von der Höhe des Beitrages her über dem Durchschnitt. Beide SNF-Projekte des BITg ergeben zusammen eine Fördersumme von insgesamt 580 000 Franken. Sie sind je auf drei Jahre angelegt.
Wie können Killerzellen aktiviert werden?
Das jetzt bewilligte Projekt wurde von der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Marcus Groettrup, dem Vorsitzenden der BITg-Institutsleitung und Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie an der Universität Konstanz, eingereicht. Im Zentrum des Projektes steht die Frage, wie sogenannte T-Killerzellen in unserem Körper aktiviert werden können. T-Killerzellen gehören zu den weissen Blutkörperchen und haben zum Beispiel die Aufgabe, durch ein Virus infizierte Körperzellen, aber auch Tumorzellen abzutöten. Es ist von grossem medizinischen Interesse zu verstehen, wie die T-Killerzellen unterscheiden können zwischen einer gesunden Zelle, die es zu verschonen gilt, und einer infizierten Zelle, die abgetötet werden muss.
Der Schlüssel zu diesem Erkennungsvorgang sind die sogenannten Antigene, d.h. Eiweisse der Tumorzelle oder des Virus’, die nicht in gesunden Körperzellen vorkommen. Damit die T-Killerzellen von aussen erkennen können, welche Eiweisse im Inneren einer Körperzelle hergestellt werden, sind alle Körperzellen mit einem Vorzeigesystem ausgestattet, das es ermöglicht, Bruchstücke von Eiweissen aus dem Inneren einer Zelle aussen auf der Zelloberfläche vorzuzeigen. Wie die Herstellung und der Weg der Eiweissbruchstücke in der Zelle abläuft, ist Gegenstand dieses SNF-Forschungsprojektes am BITg. Daraus erhofft man sich auch neue Erkenntnisse, wie Impfstoffe besser hergestellt und wie Immuntherapien gegen Krebs – in diesem Fall gegen den Prostatakrebs – verbessert werden können.
Dem Mechanismus der Zellwanderung auf der Spur
Beim Nationalfonds-Projekt, das von der Forschungsgruppe von Dr. Daniel Legler, dem operativen Leiter des BITg, bearbeitet wird, geht es um die Steuerung der Wanderung von sogenannten dendritischen Zellen. Diese sind ebenfalls den weissen Blutkörperchen zuzuordnen und gehören zu den wichtigsten Zellen des Immunsystems. Sie halten sich normalerweise in der Haut oder der Schleimhaut auf, also exakt an den Orten, wo die meisten Fremdkörper in den Organismus eindringen. Bei einer Infektion erkennen die dendritischen Zellen die Bestandteile von infizierenden Bakterien und Viren als Fremdstoffe (Antigene), nehmen diese auf und zerstückeln sie. Das führt zu einer komplexen Reifung der dendritischen Zellen. Reife dendritische Zellen, die Antigene aufgenommen haben, wandern in den nächstgelegenen Lymphknoten. Dort präsentieren sie die zerstückelten Fremdstoffe den Immunzellen, welche B- und T-Lymphozyten genannt werden.
Nach dem Kontakt mit den dendritischen Zellen produzieren die B-Lymphozyten Antikörper gegen die Eindringlinge. Die Antikörper lagern sich nun an die Bakterien, Viren oder Bestandteile davon an und bewirken deren Beseitigung. Wandern die antigen-beladenen dendritischen Zellen aus irgendeinem Grund nicht in den Lymphknoten ein, findet keine Aktivierung des Immunsystems statt. Dies hat fatale Folgen: Im Fall einer viralen Infektion kann sich das Virus fast ungehindert im Körper verteilen und vermehren. Das bereits 2006 angelaufene Nationalfondsprojekt will deshalb den Mechanismus der Wanderung von dendritischen Zellen aufklären. Finanziert werden in diesem Projekt die Forschungsarbeiten und die Ausbildung eines Doktoranden während drei Jahren.
Der Schweizerische Nationalfonds
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) fördert im Auftrag des Bundes die Grundlagenforschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen, von Philosophie über Biologie und Medizin bis zu den Nanowissenschaften. Im Zentrum seiner Tätigkeit steht die wissenschaftliche Begutachtung der von den Forschenden eingereichten Projekte. Die Besten unter ihnen werden vom SNF mit insgesamt rund 500 Millionen Franken jährlich unterstützt. Um die nötige Unabhängigkeit für die Förderung der Forschung sicherzustellen, wurde der SNF 1952 als privatrechtliche Stiftung gegründet. Weitere Informationen unter: www.snf.ch.



























