Fledermäuse: Mehr als nur unheimliche Blutsauger
Kleine Vampire, ein heroischer Batman und die göttliche Maya – um die Fledermaus tummeln sich viele Mhyten und Vorurteile. Der Verein Fledermausschutz versucht die bedrohten Tiere zu retten.
Für die einen sind sie kleine, unheimliche Blutsauger, mit einer engen Verbindung zum Bösen. Für andere sind es faszinierende Wesen, die wegen ihrer Einzigartigkeit erforscht und beschützt werden müssen. Die Rede ist von den weit verbreiteten Fledermäusen, die auch im Raum St. Gallen und im Appenzellerland vertreten sind.
Bösartige Antichristin?
Den Fledermäusen eilt ihr schlechter Ruf voraus: Seit der Antike gelten die nachtaktiven Säugetiere in Europa als gefährliche Ausgeburt des Bösen, die eine direkte Blutsverwandtschaft mit dem Teufel besitzen sollen und als Symbol der Antichristen herhalten müssen. Die Geschichten des Graf Draculas gaben dem Image der Fledermaus gerade noch den Rest. Doch die Europäer stehen mit ihrer Abneigung gegen die Winzlinge ziemlich alleine da, in Asien sollen sie Glück bringen und in Amerika wurde die Fledermaus sogar in der Göttin Maya abgebildet.
Der Reiz des Unbekannten
In St. Gallen, beiden Appenzell und im Fürstentum Liechtenstein setzt sich der Verein Fledermausschutz für die Erhaltung dieser gefährdeten Tiere wirkungsvoll ein. Weiterbildungen und Informationen rund um die Fledermäuse, unentgeltliche Beratungen und Betrieb einer Notrufnummer sowie von fünf Tierpflegestellen – Der Einsatz der 160 Mitglieder für die Bewahrung der Artenvielfalt der Fledermäuse ist enorm.
Voraussetzung für die Bemühungen ist eine grosse Begeisterung für die Fledertiere: «Einerseits fasziniert die schwere Zugänglichkeit, das Unbekannte und das schwer nachvollziehbare Verhalten der Tiere, andererseits die konkrete Lebensweise: Ihr spezieller Orientierungssinn, die Wanderungen und die Aufzucht ihrer Jungen», erläutert Jonas Barandun, Präsident des Vereins Fledermausschutz.
Wissenslücken stopfen
Die sehr scheuen Tiere sind nur schwer zu erforschen, Vieles ihrer Lebensweise ist noch nicht bekannt. In der Schweiz leben zirka 30 verschiedene Fledermausarten, doch Barandun weist darauf hin, dass die genaue Zahl der Arten nur sehr schwer zu bestimmen ist, da im Zyklus von einigen Jahren immer neue Arten hinzukommen. Momentan spricht man von 21 Fledermausarten in der Region St. Gallen und beider Appenzell.
Alle einheimischen Fledermäuse sind gesetzlich unter Schutz gestellt worden, da die Mehrheit von ihnen bedroht ist. In der Region ist die Hufeisennasenfledermaus mit nur einer Kolonie am stärksten vom Aussterben bedroht. Den Zerfall der Artenvielfalt erklärt sich Barandun durch den zunehmenden Verlust an Lebensraum und Futter der Fledermäuse: Insektizide vergiften ihre Nahrung und die stark bewohnten Quartiere schränken ihren Lebensraum immens ein.
Der Mensch ist durch die Fledermaus kaum gefährdet. Es gibt zwar viele Arten, die durch ihren Biss Blutungen hervorrufen können, doch die sind meist ungefährlich. Infektionen oder Übertragungen der Fledermaustollwut kommen nur sehr selten vor. «In der Schweiz wurden ein oder zwei Fledermäuse mit der Krankheit registriert, doch eine Übertragung ist noch nie vorgekommen. Wir empfehlen jedoch, alle Bisse bei einem Arzt abklären zu lassen», so Barandun.
Ungebetene Untermieter – was tun?
«Wenn sich Fledermäuse am Haus einnisten, wäre es das Beste, wenn sie die Hausbesitzer dort lassen könnten. Auf Grund des gesetzlichen Schutzes darf man sie nicht vertreiben», sagt Barandun bestimmt. Die Fledermäuse bringen aber nicht nur Nachteile: Sie sind exzellente Mücken- und Fliegenfänger und können einen vor vielen Stichen bewahren. Tauchen trotzdem Probleme mit den Tieren auf, kann man den Verein über die Notfallnummer 079 775 41 66 kontaktieren. Der Verein schaut sich die Situation bei den Leuten vor Ort an und bietet kostenlose Lösungsvorschläge an. «100 bis 200 solcher Problemfälle kommen im Jahr vor und bis jetzt konnten wir fast immer eine gute Regelung des Problems herbeiführen», so Barandun.
Der Schlimmste Fehler, der von Menschenhand verübt werden kann, ist, dass die Besitzer im Sommer die Unterschlüpfe der Tiere zunageln oder Pestizide versprühen. In diesen Fällen, werden die jungen Fledermäuse verhungern, ersticken oder durch die Gifte zu Grunde gehen – und mit ihnen die ganze Kolonie.
Weitere Informationen finden sie unter www.verein-fledermausschutz.ch



























