Firma um 1,3 Millionen betrogen
Diessenhofen/Konstanz. Der ehemals für den Einkauf zuständige Angestellte einer Firma in Diessenhofen TG soll für 39 Monate hinter Gitter.
Das Landgericht Konstanz (D) befand ihn schuldig, die Firma um rund eine Million Franken betrogen zu haben. Der Angeklagte war in der Firma, die rund 130 Angestellte hat und 30 Mio. Fr. Jahresumsatz erwirtschaftet, für den Wareneinkauf zuständig. Im Jahr 2000 beauftragte der deutsche Grenzgänger seinen in Gottmadingen (D) lebenden Bruder, eine Firma zu gründen.
Diese Firma lieferte dann Metallteile an die Diessenhofer Firma. Der Angeklagte zeichnete die Rechnungen ab, die Buchhaltung wies die Beträge an. In weiteren 114 Fällen verfuhren Einkäufer und Buchhaltung gleich – mit dem Unterschied, dass zuvor keine Lieferungen erfolgt waren.
Keine Kontrollmechanismen
Insgesamt zahlte die Firma zwischen September 2000 und August 2005 etwa 1,3 Mio. Franken (830 000 Euro) für nie gelieferte Waren und Leistungen. Erst dann flog der Betrug auf. Weil ein Teil der Straftaten inzwischen bereits verjährt ist, ging es am Mittwoch nur noch um Betrug in Höhe von rund einer Million Franken.
Der als Zeuge geladene Buchhalter der betroffenen Firma bescheinigte dem Angeklagten cleveres Vorgehen: In der Firma habe es praktisch keine Kontrollmechanismen gegeben. Wenn der Einkäufer die Rechnungen über 1500 bis 14 000 Franken als korrekt abgezeichnet hatte, wurden sie von der Buchhaltung bezahlt.
Fast gewerbsmässig
Der Staatsanwalt hatte für den ehemaligen Einkäufer wegen Untreue und schwerem Betrug viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe verlangt. Er habe seinen Bruder in den Betrug mit hineingezogen und den Betrug «fast gewerbsmässig» betrieben.
Mit dem Geld finanzierte der Angeklagte den Umbau seines Hauses und einen Lebensstil, der aufwendiger war, als es sein Lohn zugelassen hätte. Strittig war, wieviel des Geldes beim Bruder des Angeklagten geblieben war. Der Angeklagte sprach von etwa 56 000 Franken, der Staatsanwalt von 25 000 Franken.
Steuersparmodell
Der Bruder dagegen erklärte, es sei «manchmal eine zusätzliche Jeanshose herausgesprungen» bei dem Geschäft. Im Übrigen habe er nicht gewusst, dass sein Bruder seinen Arbeitgeber betrüge. Er sei davon ausgegangen, dass die deutsche Briefkastenfirma eigentlich im Auftrag der Diessenhofer Firma gegründet worden sei, um Steuern zu sparen.
Tatsächlich hat das deutsche Finanzamt von dem Betrug der Brüder profitiert: Sie versteuerten die Firmeneinkünfte in Deutschland korrekt. Dass der Bruder des Angeklagten am Mittwoch nicht vor Gericht stand, ist Folge eines inzwischen geschlossenen Vergleichs.
Er verpflichtete sich gegenüber der Firma, bis Ende November 70 000 Franken zurück zu zahlen. Hält er den Termin nicht ein, werden über 410 000 Franken (250 000 Euro) fällig.



























