Fieses «Piiip» soll vor Unfällen schützen
Waldstatt/Hundwil. Bereits 158 Wildtiere verunglückten 2008 auf den Strassen des Kantons. Um dem steigenden Trend entgegenzuwirken, wird seit Mai an der Hauptstrasse zwischen Hundwil und Waldstatt ein Frühwarnsystem erprobt.
Nicht nur Menschen werden Opfer von Strassenunfällen: In der Nähe von Wäldern sind oft auch Wildtiere in Unfälle verwickelt. «Vor allem Dachse, Rehe und Füchse verunfallen oft mit Fahrzeugen», so Willi Moesch, von der Jadgverwaltung Appenzell Ausserrhoden. 2007 kollidierten in Appenzell Ausserrhoden nach offiziellen Angaben 46 Dachse, 90 Füchse und 113 Rehe mit Autos. Insgesamt verunglückten im letzten Jahr folglich 249 Tiere bei Zusammenstössen mit Fahrzeugen. Im Jahr 2005 waren noch 176 Tiere in Kollisionen mit Fahrzeugen verwickelt. Trotz der Schutzmassnahmen in Form von Lichtreflektoren ist die Tendenz steigend.
Die Zahlen seien mit Vorbehalt zu betrachten, schliesslich gäbe es laut Willi Moesch auch in dieser Statistik eine Dunkelziffer. Denn Unfälle mit Wildtieren passieren oft nachts, wenn die Sicht schlecht ist und Autolenker auch eher alkoholisiert sind. «Wer meldet sich schon freiwillig bei der Polizei, wenn er in angetrunkenem Zustand ein Tier angefahren hat?»
Das Melden von verunfallten Tieren sei aber sehr wichtig, mahnt Moesch: «Die angefahrenen Tiere sind oft schwer verletzt und müssten durch einen Fangschuss erlegt werden. Wenn sie nicht gemeldet werden, verelenden sie oft qualvoll im Wald.»
«Im Notfall das Tier anfahren»
Die Fahrzeuglenker können in den meisten Fällen nichts für die Unfälle. Obwohl schon seit Jahren Verblendungsmassnahmen in Waldquartieren eingeleitet wurden, überqueren Rehe, Dachse und Füchse nachts immer noch die Strassen. Fahrzeuglenker reagieren in einer solchen Situation oft reflexartig und weichen auf die Gegenfahrbahn aus. Das sei laut Moesch «der grösste Fehler». Damit gefährde man nicht nur sich selbst, sondern auch entgegenkommende Fahrer. Stattdessen sollte man auf die Bremsen drücken, sobald man ein Tier auf der Strasse sichtet. Wenn es dafür zu spät sei, rät Moesch, weiterzufahren und somit den Tod des Tieres wohl oder übel in Kauf zu nehmen.
Im Kanton Zürich bereits 7’500 Geräte im Einsatz
Die Lichtreflektoren an den Strassenmarkierungspfählen scheinen nicht viel zu nützen, weiterhin begeben sich Tiere auf gefährliche Strassen. Nun soll ein Wildwarnsystem, das seit zweieinhalb Jahren im Kanton Zürich erfolgreich eingesetzt wird, Tier und Mensch vor Unfällen schützen: Ein Sensor am Gerät nimmt Scheinwerferstrahlen wahr und sendet dann einen hoch frequentierten Ton, womit dem Tier die Gefahr signalisiert wird. Kritiker könnten einwenden, dass auch Motorengeräusch die Tiere abschreckt. Urs Philipp, Leiter Fischerei und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, wendet ein: «Das System warnt, bevor das Auto an der Stelle ist. Bei einer geraden Strecke sind das bis zu 300 Meter. Bei einer kurvigen Strasse fünfzig bis sechzig.»
Im Kanton Zürich wurde das Pilotprojekt 2006 gestartet. Auf sechs Teststrecken wurden Wildwarngeräte aufgestellt. Innerhalb von einem Jahr verzeichnete die Jagdverwaltung fünfzig Prozent weniger Kollisionen mit Tieren. Laut Philipp ist diese Zahl aber nicht repräsentativ: «Das könnte reiner Zufall sein. Sechs Strecken sind nicht viel, und andere Faktoren wie Witterung oder Befahrenheit spielen eine Rolle bei der Auswertung»
Die Rückmeldungen auf die Geräte waren aber dennoch grösstenteils positiv, so dass mittlerweile 7’500 Exemplare an Zürcher Waldstrassen abgebracht wurden.
Seit Mai warnt nun auch an der Hauptstrasse zwischen Hundwil und Waldstatt ein hoher Ton die Ausserrhoder Wildtiere. Dort ereigneten sich besonders häufig Unfälle mit Tieren. Das sollte sich nun hoffentlich ändern.
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