Feuerbrand: Befall deutlich unter Vorjahresniveau
TG. Kühle Temperaturen, Trockenheit und eine gezielte Bekämpfung in den Obstanlagen über die Blütezeit verhinderten grösstenteils die Bildung von Blüteninfektionen.
Erstmals seit 2006 dürfte damit der Feuerbrandbefall dieses Jahr wieder auf tieferem Niveau verlaufen und voraussichtlich weniger Schäden anrichten.
Nachdem in den Jahren 2007 und 2008 optimale Witterungsbedingungen für den Feuerbrand über die Blütezeit herrschten und es dadurch zu massivem Befall kam, waren die Bedingungen in diesem Jahr für die Entwicklung der Bakterien erstmals seit 2006 endlich wieder einmal weniger günstig. Die Temperaturen lagen tiefer und zusätzlich war es während der Blüte sehr trocken. Beides sind Faktoren, welche das Risiko für Feuerbrandinfektionen herabsetzen. Die acht Wetterstationen verzeichneten nur bis zu sechs Infektionstage gegen Ende der Blüte im Vergleich zu bis 14 im Jahr 2007 und bis neun im Jahr 2008 verteilt über die ganze Blühdauer. Als die Infektionstage auftraten, waren die Birnen- und die ganz frühen Apfelsorten bereits verblüht. Der Streptomycineinsatz, der zum Schutz der Bienen ausschliesslich in der Nacht durchgeführt wurde, beschränkte sich auf die zweite Blühhälfte. Mehrheitlich mussten die Bäume nur zweimal behandelt werden.
Diese Ausgangslage führte in den Apfel- und Birnenanlagen zu deutlich schwächerem Feuerbrandbefall als in den vergangenen zwei Jahren. Die bisherigen Meldungen und Kontrollen des Pflanzenschutzdienstes zeigen, dass dieses Jahr kaum Blütenbefall auftritt. Im letzten Jahr mussten die ersten Anlagen dagegen bereits Ende Mai gerodet werden. Sowohl in den Niederstammanlagen als auch bei den Hochstämmen wurde bisher fast ausschliesslich Altbefall entdeckt. Für eine Befallsprognose bei den Hochstämmen ist es jedoch noch zu früh. Man darf aber davon ausgehen, dass der Befall, verglichen mit dem Vorjahr, sicher geringer ausfallen wird. Unentdeckte Überwinterungsstellen und Altbefall können im Verlaufe des Sommers jedoch noch zu Befall führen. Ebenso ist offen, wie stark die Hagelschläge sich noch auswirken werden.
Im Rahmen des Projektes Interreg IV «Gemeinsam gegen Feuerbrand» wurden auch dieses Jahr Versuche mit prüfenswerten Wirkstoffen durchgeführt. Selbst bei künstlich infizierten Bäumen konnte jedoch nur ein Befall von rund fünf Prozent erzielt werden, was gerade ausreicht, um Exaktversuche auswerten zu können. Ein Alternativprodukt, das bereits 2008 ähnlich gute Resultate wie Streptomycin zeigte, bestätigte in zwei Versuchen den guten Wirkungsgrad. Ob sich daraus eine neue Möglichkeit zur Bekämpfung des Feuerbrandes ergibt, ist Gegenstand weiterer Abklärungen. Weitere unter natürlichen Infektionsbedingungen durchgeführte Versuche mit alternativen Behandlungsvarianten können aufgrund des fehlenden Befalls nicht ausgewertet werden.
Mit der Bildung von zwei Obstbauzonen ab 2010 wird die Feuerbrandkontrolle bereits in diesem Jahr unterschiedlich durchgeführt. In der Obstbauzone 1 (entspricht etwa dem Gebiet nördlich der Thur, ohne Bezirk Diessenhofen) ist die Obstproduktion vorrangig. Hier werden ab Ende Juni die Hochstämme durch nebenamtliche Kontrolleure des Kantons und die Hausgärten im Siedlungsgebiet durch Gemeindekontrolleure wie bisher flächendeckend überwacht. In der Obstbauzone 2 (übriges Kantonsgebiet) wird die Überwachung reduziert. Es findet keine flächendeckende Kontrolle mehr statt.
Hingegen besteht die Meldepflicht für Feuerbrand weiterhin im ganzen Kanton. Feuerbrandbefall bzw. Befallsverdacht im Siedlungsgebiet ist der Gemeinde umgehend zu melden. Sie wird sich dann wie in den letzten Jahren um die fachliche Bekämpfung kümmern. Es gilt nach wie vor das Bestreben, auch in dieser Zone den Feuerbrand einzudämmen. Die nächsten zwei Monate werden zeigen, wie hoch der Befallsdruck in den Hausgärten dieses Jahr sein wird.
Es gibt einige typische Feuerbrand-Symptome wie das Absterben von ganzen Blütenbüscheln und das Braun-Schwarz-Verfärben der Blätter vom Blattstiel Richtung Blattspitze. Nicht verholzte Triebe werden U-förmig abgebogen. Zum Teil treten gelblich-orange Schleimtropfen aus. Es können auch ganze Zweige absterben. Achtung: Verdächtige Pflanzen dürfen auf keinen Fall berührt oder kranke Zweige abgeschnitten werden. Es besteht eine grosse Verschleppungsgefahr der Feuerbrandbakterien.



























