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Fall «Weltwoche»: Verfehlte Schadenfreude

Die übrige Medienwelt lacht schadenfroh über die «Weltwoche» und ihr schlechtes Timing in der Finanzkrise. Zu Unrecht. Was hier passierte, hätte jeder Zeitung passieren können.

Ein gefundenes Fressen für die Verlagshäuser in der ganzen Schweiz, die das Magazin «Weltwoche» mit ihrem charismatischen Verleger Roger Köppel ohnehin nicht ausstehen können. In der gestern Donnerstag erschienenen neuesten Ausgabe schreiben verschiedene Autoren, darunter auch Gerold Bührer als Präsident der economiesuisse, über die Krise der Finanzmärkte und die Rolle der Schweiz. Bührer lobte die Tatsache, dass sich bei uns der Staat nicht mit eigenen Mitteln in die Geschäfte der Banken einmischte; am gleichen Donnerstag morgen wurde bekannt, dass die UBS ein riesiges «Hilfspaket» vom Bund erhält.

Vom «Blick» bis zum «Tagblatt» zerreissen sich nun Redaktionen die Mäuler über die «Weltwoche» und ihre Fehlbeurteilung. Dabei hatte kein einziger Journalist der betreffenden Zeitungen eine Ahnung, dass sich von einer Minute zur anderen alles ändern würde; die Nachricht kam völlig überraschend. Hätte der «Tages-Anzeiger» oder die NZZ oder das «Tagblatt» einen Gasttext von Gerold Bührer für die Ausgabe am Donnerstag angefordert, wäre dasselbe eben diesen Zeitungen passiert. Denn die «Breaking news» wurden morgens um 7 Uhr veröffentlicht, als die Zeitungen längst gedruckt waren. Es ist eine Binsenwahrheit, dass in den Stunden zwischen Redaktionsschluss und Auslieferung der Zeitungen viel geschehen kann. Wer nun die «Weltwoche» verhöhnt, betreibt ein gefährliches Spiel, denn was Köppels Blatt passiert ist, kann schlicht und einfach jeder Publikation passieren.

Zudem: Ausgerechnet in der «Weltwoche» beschreibt Kurt W. Zimmermann in seiner Medienkolumne sehr schön, wie verschiedene Zeitungen früher hemmungslos ein aggressiveres Investmentbanking in der Schweiz gefordert hatten – und nun, nach dem Zusammenbruch, beklagen, wieso man denn so ein aggressives Investmentbanking betrieben habe. Mit anderen Worten: Medien erinnern sich gerne an Fehlleistungen anderer, blenden aber die Erinnerung an eigene Fehlleistungen lieber aus. Wir schliessen uns in diese kritische Beurteilung selbstverständlich ausdrücklich ein. Aber nun die Kollegen von der «Weltwoche» in den Senkel zu stellen, während es aus der eigenen Schreibstube sicherlich viele wunderschöne Beispiele von verfehlten Beurteilungen aus der Vergangenheit zu finden gäbe: Das ist einfach nur schlechter Stil.

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 17.10.2008 - 08:11:00