«Faires Wahlverfahren?»
Leserbrief. Adrian Künzli, Präsident des Ausserrhoder Gewerbeverbandes, spricht sich gegen die Einführung des Proporzes aus.
«Rund 90% aller Ausserrhoderinnen und Ausserrhoder sind nicht Parteimitglieder und werden auch in Zukunft keiner Partei beitreten. Mit der Einführung des Proporzwahlverfahrens müsste sich die zweitgrösste Gruppierung im Kantonsrat, die Parteiunabhängigen, einer Partei anschliessen. Vermutlich möchten die Parteiunabhängigen Kantonsräte dies genauso wenig wie der grosse Teil der Bevölkerung. Mit der Einführung des Proporzwahlverfahrens müsste in Zukunft ein Wahlkampf über den ganzen Wahlkreis geführt werden. Fraglich ist, ob in einem grösseren Wahlkreis Persönlichkeitswahlen überhaupt noch möglich sind. Kennt eine Teufner Wählerin den Kantonsrat von Trogen? Werbung über den ganzen Wahlkreis ist nötig, um in Zukunft gewählt zu werden. Dies braucht Geld für die Bekanntmachung. Wird am Ende diejenige oder derjenige gewählt, der am meisten Geld in der Kasse hat? Ohne die finanzielle Unterstützung einer Partei oder einer finanzstarken Gruppierung ist eine Wahl eher unwahrscheinlich.
Wenn wir das Majorzwahlverfahren beibehalten, sind Persönlichkeitswahlen in überschaubaren Wahlkreisen, sprich den Gemeinden, weiterhin möglich, da es sich um ein einfaches Wahlverfahren handelt. Im Gegensatz zum Proporzwahlverfahren, bei dem prozentual genügend Parteistimmen erzielt werden müssen und innerhalb der Partei jene Kandidatinnen und Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten haben, gewählt sind. Im Gegensatz dazu sind Persönlichkeitswahlen im Majorzwahlverfahren weiterhin auch ohne Parteizugehörigkeit möglich.
Der Kanton ist über alle Gemeinden im Kantonsrat vertreten. Kleinere Gemeinden sind im Kantonsrat ebenso eingebunden wie grosse Gemeinden. Eventuelle zukünftige Gemeindefusionen sind auch im Majorzwahlsystem möglich. Das Majorzverfahren hält den Kanton zusammen und fördert das Verständnis untereinander. Gerade in finanzpolitischen Sachgeschäften wie zum Beispiel beim Kantonalen Finanzausgleich, welcher alle Gemeinden betrifft, sind die Gemeindevertreter gefragt. Ich empfehle den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, das bisher bewährte System beizubehalten.»



























