Experimentelles Forschungsprojekt am Kunstmuseum
St. Gallen. Wie wirkt Kunst im Museum auf den Betrachter? Dieser Frage geht erstmals ein internationales Forschungsprojekt am Kunstmuseum nach.
«eMotion» heisst das Projekt und um Emotionen, die elektronisch ausgewertet werden geht es: In den kommenden sechs Wochen untersucht das Kunstmuseum St. Gallen zusammen mit einem internationalen Forscherteam die Erfahrungen der Museumsbesucherinnen und -besucher experimentell.
In den vergangenen Wochen haben 17 Forscher aus fünf Ländern das St. Galler Kunstmuseum mit Sensoren und Computertechnik vollgestopft. Das Projekt des Instituts für Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel möchte herausfinden, wie Kunst auf den Betrachter wirkt. Die Studie kostet rund eine Million Franken. Sie wird vom Schweizerischen Nationalfonds und von Ubisense unterstützt.
Um aussagekräftige Resultate zu erhalten, braucht die Studie mindestens 600 kunstinteressierte Frauen und Männer, welche «verdrahtet» durch die Ausstellung «11:1 (+3) = Elf Sammlungen für ein Museum» geschickt werden.
Während die Freiwilligen durch die Sammelausstellung gehen, wird ihr Weg aufgezeichnet. Auch die Verweildauer vor einem Werk und die Gefühle beim Betrachten der Bilder und Objekte werden gemessen.
«Diese empirische Untersuchung, die nur dank interdisziplinärer Zusammenarbeit und modernster Computertechnologie möglich wurde, ist weltweit die erste», sagte Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseums, am Donnerstag vor den Medien.
Herzfrequenz wird gemessen
Wer am Forschungsprojekt teilnimmt, hat freien Eintritt. Er muss aber auch etwas leisten und sich eine Stunde Zeit nehmen. Bevor der Proband seinen Rundgang startet, wird ihm ein Spezialhandschuh angezogen. Dieser misst Herzfrequenz und die Feuchtigkeit der Haut. Während die Testperson durch die Ausstellung geht, werden die Daten laufend auf die Hochleistungscomputer übertragen.
Steigen Pulsfrequenz oder bekommt der Proband feuchte Hände, registriert der Computer dies als kognitive oder emotionale Anregung. «Je nachdem wo die Testperson steht, können die Forscher aufzeigen, wie stark das entsprechende Bild den Betrachter beeindruckt», erklärte Projektleiter Martin Tröndle.
Störfaktoren ausschalten
Um möglichst genaue Daten zu erhalten, werden die Probanden vor und nach dem Rundgang von Forscherinnen und Forschern befragt. Sie müssen beispielsweise Auskunft geben, ob sie kurz vor dem Museumsbesuch Kaffee getrunken oder geraucht haben, weil der Konsum von Koffein oder Nikotin den Puls in die Höhe treibt.
Die errechneten Daten werden klanglich und grafisch dargestellt. Die Studie selbst wird so zum interaktiven Kunstobjekt. Ein Monitor am Ende des Rundgangs beschreibt die Wege, ein weiterer die Bedeutung des einzelnen Werks in der Ausstellung.
«Je stärker ein Bild die Testpersonen gefesselt hat, desto grösser erscheint es in der Projektion», erklärt Tröndle. Als kleines Geschenk können die Teilnehmer ein Bild ihres Rundgangs ausdrucken und als Kleinkunstwerk mit nach Hause nehmen.
Bedürnisse ausloten
Jede Woche überprüfen die Forscher verschiedene Thesen, indem sie kleine Veränderungen in der Ausstellung vornehmen und schauen, wie sich diese auf das Verhalten der Probanden auswirken. Was für die Besucherinnen und Besucher kaum spürbar ist, hilft den Ausstellungsmachern, ihre «Kunden» besser zu verstehen.
Von der Auswertung der Studie erhoffen sich die Museumsverantwortlichen in St. Gallen Hinweise für die Gestaltung zukünftiger Ausstellungen. Beispielsweise lasse sich aufzeigen, ob die Betrachter gleich stark beeindruckt werden, ob sie einen echten Monet betrachten oder eine Reproduktion, sagt Wäspe.



























