Ex-Regierungsrat für Majorz
AR. Das Majorz-System erhält Zuspruch von prominenter Seite: Der ehemalige Regierungsrat Ueli Widmer stellt sich gegen den Wechsel zum Proporz.
Ehemalige Regierungsmitglieder äussern sich eher selten zu aktuellen politischen Fragen. An das ungeschriebene Gesetz hält sich auch der Trogner Ueli Widmer, einst Baudirektor im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Bei der Abstimmung über die Einführung des Proporzwahlsystems meldete er sich nun aber via Leserbrief zu Wort. Und bezieht klar Stellung: «Ja zum Mut, Ja zum Majorz» betitelt er seine Meinungsäusserung. Er verfolge die aktuelle Debatte «mit Vergnügen» – und mit einem solchen melde er sich nun auch dazu.
Vier Argumente sind es, die Widmer in seiner Stellungnahme aufführt und die zum Teil direkt auf die Argumente der Befürworter des Proporzes eingehen. Diese vertreten die Ansicht, der Proporz sei gerechter. Das sei er nur scheinbar, entgegnet Widmer, repräsentiert werde damit keineswegs die die Bevölkerungsverteilung, sondern «formelle Parteistrukturen, künstliche Listen». Der Proporz verhärte zudem Debatten und stärke Ideologien. Ueli Widmer spricht von «sinnvollen politischen Lösungen, die in Ausserrhoden dank liberalen und unabhängigen Volksvertretern über Jahrzehnte erfolgreich wirkten» – und die seiner Ansicht nach im Proporz verunmöglicht würden.
Einen weiteren Vorteil des Majorz sieht der ehemalige Regierungsrat und heutige Direktor beim Kibag-Konzern darin, dass Parlamentarier nach dem heutigen System «als integre Persönlichkeiten direkt dem Wahlvolk gegenüber verantwortlich» seien. Im Proporz könne man sich «hinter Parteien und Listen verstecken.»
Ueli Widmer schliesst mit der Feststellung, die kleinräumigen Strukturen in Ausserrhoden würden es erlauben, die Kandidaten noch selbst zu kennen und einzuschätzen. Seine Einschätzung: «Im Proporz werden Leute ins Parlament gespült, die vom Volk direkt nie und nimmer gewählt würden».



























