«Es gilt, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen»
AR. Dem Kanton wird ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Wie Landammann Jakob Brunnschweiler darauf reagieren will, erklärt er im Gespräch.
Herr Brunnschweiler, was waren – bezogen auf die Baubranche – die prägenden Projekte im Jahr 2007?
Jakob Brunnschweiler: Die Realisierung des REKA-Feriendorfs in Urnäsch, der Start des Neubaus Coop/Raiffeisen in Heiden oder der neue Firmensitz der Arcolor in Waldstatt sind Beispiele für Projekte, die prägen. Denn sie signalisieren Aufbruch – und zeigen, dass Ausserrhoden über attraktive Lagen für vielfältige Wirtschaftszweige verfügt.
Was erwartet uns 2008 in Appenzell Ausserrhoden?
Es gilt, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen, die Durchmischung der Bevölkerung hinsichtlich Altersstruktur und Einkommensniveau zu optimieren und langfristig ein Bevölkerungswachstum auszulösen. Wirtschaftlich soll der Rückgang des produzierenden Sektors gebremst und durch neue Wirtschaftszweige kompensiert werden.
Ziel ist auch, die hervorragenden Wohnqualitäten herauszuarbeiten und die Bevölkerung mit einem zeitgemässen Wohnungsangebot zu bedienen. Wir möchten die Voraussetzungen schaffen, dass sich der wertschöpfungsstarke Dienstleistungssektor entwickeln kann. Wir fokussieren uns auch auf die Wirtschaftsbereiche Gesundheit, Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus. Wir sind überzeugt, dass sich die angestrebten Entwicklungen einstellen werden, wenn Kanton und Gemeinden kooperieren. Dann können auch Wirtschaft, Grund- und Immobilienbesitzer Nutzen daraus ziehen. Mittelfristig erwarten wir, dass die Bautätigkeit zunimmt und ein attraktives Wohnungsangebot realisiert werden kann. Welche Note geben Sie dem Immobilienstandort Ostschweiz?
Primär plädiere ich für den Immobilienstandort Ausserrhoden. Denn dieser zeichnet sich durch eine unverwechselbare Identität und Eigenständigkeit aus. Die Stärken des Kantons heben sich gegenüber anderen Regionen ab, mit denen wir im Wettbewerb stehen. Dazu zählen zum Beispiel das einzigartige Zusammenspiel von Landschaft, Topographie und Weitsicht, die Orts- und Siedlungsstruktur, die gute Sozialstruktur oder die guten Verkehrsanbindungen. Die Wahrnehmung von Investoren und Wohnbauakteuren ist – leider – zum Teil eine andere. Diese sehen Leerwohnungen, rückläufige Bevölkerungszahlen und vernachlässigte Bausubstanz. Daher ist es sehr wichtig, unsere Qualitäten richtig zu kommunizieren und auf falsche Wahrnehmungen hinzuweisen.
Wie wird sich Ausserrhoden in den nächsten Jahren entwickeln?
Das Bevölkerungsszenario des Bundesamtes für Statistik prognostiziert uns einen markanten Bevölkerungsrückgang. Wir nehmen dies ernst und wissen, dass eine inaktive Haltung der falsche Weg ist. Hoffnung macht mir daher die Aufbruchstimmung in den Gemeinden. Auf eine Impulsveranstaltung in Heiden im letzten August folgten sechs Workshops, in denen die Gemeinden mit ähnlichen Charakteristiken Gelegenheit hatten, ihre Potenziale auszuloten. Grossartig war die Fülle der Vorhaben und Ideen zur möglichen Entwicklung, die benannt wurden. Diese gilt es nun, gemeinsam aufzugreifen und umzusetzen.
Wie steht es mit den Baulandreserven? Wo liegt noch Potenzial?
Im Vordergrund stehen drei Bereiche, in denen Potenzial besteht: – Baureife oder in Entwicklungsprozessen stehende Grossparzellen (z.B. in Herisau, Wald und Trogen): In diesem Bereich können Kanton, Gemeinden, Grundstücksbesitzer, Investoren und Entwicklungsteams in Zusammenarbeit gute und namhafte Resultate erreichen.
– Zentrumsgebiete: Grosses Potenzial weisen Zentrumsgebiete auf, insbesondere Herisau. Kleine Parzellen, Schutz von Gebäuden und besondere Baustrukturen stellen jedoch für die Besitzer Herausforderungen dar.
– Hoher Anteil privaten Grundstück- und Immobilienbesitzes: Rund 75% der Bausubstanz ist in privatem Besitz. Für die Gemeinden ist es wichtig, den Dialog mit den Privaten aufzubauen und gemeinsam nach Lösungen zur Entwicklung zu suchen. Der Kanton plant, ein Investitionsgefäss zu schaffen, mit dem Liegenschaften aufgekauft und im Sinne der kantonalen Strategie entwickelt werden können. Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage?
Wir sind überzeugt, dass unser Kanton von Akteuren im Wohnungsbau unterschätzt wird. Das dem Standort und dem heutigen Bedürfnis entsprechende Wohnungsangebot findet den Markt. Interessant sind auch die Wohnbauinvestitionen, die während der letzten vier Jahre um 60 – 140 Mio. angestiegen sind. Damit zeigt sich auch, wie sich das Selbstbewusstsein einer Gesellschaft auf die Investitionen auswirkt. So entstehen mittel- bis langfristig hervorragende Perspektiven im Kanton. Wichtig ist mir aber zu betonen, dass uns eine Verbesserung des Immobilienmarktes nur gelingen kann, wenn das Zusammenspiel Kanton, Gemeinde und Wirtschaft funktioniert.
An welcher Eröffnung werden Sie 2008 mit grosser Freude anwesend sein?
Bei der Eröffnung des REKA-Feriendorfs in Urnäsch am 30. Mai.
Können Sie folgende Sätze vervollständigen: Wer im Kanton ein Eigenheim baut, der profitiert von…
…Übersichtlichkeit und ländlichem Raum, günstigen Steuern, intaktem Umfeld und guten Schulen.
Besser werden müssen wir…
…im Angebot an attraktivem, günstigen Bauland und zeitgemässen Wohnungen.



























