Erneuerung oder «Pinselrenovation»?

Weinfelden. Der «Energieapéro» des Kantons Thurgau kommt zum Schluss: Energetische Erneuerungen sind gleich teuer wie Pinselrenovation.

Lohnt sich die energetische Erneuerung im Ein- und Mehrfamilienhaus oder ist die «Pinselrenovation» wirtschaftlicher? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Energieapéros der Abteilung Energie des Kantons Thurgau vom Donnerstag, 27. November 2008. Rund 70 Energie- und Baufachleute, Hauseigentümer sowie interessierte Privatleute nutzten die Chance, sich im Thurgauerhof in Weinfelden über die Wirtschaftlichkeit der Gebäudeerneuerung sowie die aktuelle Energiepolitik des Kantons zu informieren.

Das Förderprogramm des Kantons Thurgau ist 2008 auf sehr gutes Echo gestossen. Gemäss den Ausführungen von Regierungsrat Kaspar Schläpfer hat der Kanton bis Mitte November 1500 Förderanträge positiv beurteilt und 12,5 Mio. Franken zugesichert. Nach einer Spitze bei der Photovoltaik im März ist im Verlaufe des Jahres 2008 eine konstant hohe Zahl an Gesuchen eingegangen. Dank der erfreulichen Nachfrage erreichte der Kanton seine Ziele mit der Förderung und konnte 5 Mio. Liter Öl substituieren. Ausserdem sind 50 Mio. Franken zusätzliche Investitionen in die Thurgauer Wirtschaft geflossen und rund 500 neue Arbeitsplätze entstanden. «Energiepolitik ist Standortpolitik», betonte Kaspar Schläpfer in seinem Referat. Die Förderbeiträge leisteten, gerade in wirtschaftlich gespannten Zeiten, positive Impulse für die Region.

Für 2009 sieht der Kanton unter anderem die Erhöhung des Förderprogramms von 6,83 auf 9,5 Mio. Franken vor. Ferner sollen die Mustervorschriften der Kantone (MuKEn) im Energiebereich möglichst schnell umgesetzt werden. Die Inkraftsetzung ist auf Sommer 2010 geplant. Ausserdem verfolgt der Kanton im nächsten Jahr das Ziel, dass die kantonale Verwaltung im Zusammenhang mit der effizienten Energienutzung zum Vorbild wird. Das Projekt «Wir sparen vor» der Mitarbeitenden der Verwaltung ist bereits gestartet worden.

Energetische Erneuerungen zahlen sich aus
Dr. Martin Jakob, TEP Energy GmbH (ETH Spin-off-Firma), zeigte in seinem Referat die Wirtschaftlichkeit energetischer Erneuerung bei Ein- und Mehrfamilienhäusern auf. Für eine sachgerechte Abschätzung der Wirtschaftlichkeit müssten die Investitionen für die reine Instandsetzung (Putzausbesserung, Fassadenanstrich) mit denen für eine energetische Gebäudeerneuerung gegenüber gestellt und ebenso die gesamten Jahreskosten des Gebäudes verglichen werden. Zu den Jahreskosten gehörten sowohl die Kapitalkosten (Abschreibung und Verzinsung) als auch die Energiekosten. Weiteren Einfluss auf die Abschätzung habe die Entwicklung der Energie- und Immobilienpreise. In seinen Beispielen geht Jakob von verschiedenen Rahmenbedingungen aus: tiefe und hohe Energiepreise, kurzer und langer Betrachtungshorizont, mögliche Steuerabzüge und Förderbeiträge. Zusammengefasst kommt er zum Schluss, dass energetische Erneuerungen über die Lebensdauer der Bauteile gerechnet nicht teurer sind als «Pinselrenovationen». Dieselbe Rechnung stimmt erstaunlicherweise auch für Erneuerungen nach dem Minergie- und dem Minergie-P-Standard.

Inhalt des abschliessenden Referats am Energieapéro bildete das Thema Gebäudeautomation. Sie umfasst alle Überwachungs-, Steuer- und Regeleinrichtungen in einem Gebäude. Ziel der Automation ist es, dass die haustechnischen Einrichtungen automatisch nach vorgegebenen Werten funktionieren und ihre Funktionen einfach bedient und überwacht werden können. Die Firma Kieback & Peter AG verdeutlichte Möglichkeiten der Gebäudeautomation an ihren eigenen Modulen. So lassen sich beispielsweise die elektrische Sonnenmarkise, die Wärmepumpe und die Solaranlagen überwachen oder bei entsprechender Temperatur in den Räumen automatisch Wärme abrufen.

Nach den Fachreferaten offerierte die Energiefachstelle einen Apéro. Diesen gesellschaftlichen Schlusspunkt nutzten die Teilnehmenden, um Kontakte zu knüpfen und die aktuellen Themen zu diskutieren. Die Referate und weitere Informationen finden sich unter www.energieagenda.ch .

Thurgau / 28.11.2008 - 10:45:00
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