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Erinnerungen an den Landarzt Karl Niederer- Schelling

Heiden. Nachruf Dr. med. Karl Niederer, Chefarzt Spital Heiden - danach Chefarzt Chirurgie Spital Heiden bis 1985

Dr. med. Karl Niederer, am 22. Oktober 1919 geboren, verbrachte zusammen mit seinen Geschwistern Arthur, Ruth und Rosmarie eine arbeitsreiche, aber auch unbeschwerte Jugend in der alten Mühle in Wolfhalden. Nach der Schulzeit in Wolfhalden und Heiden folgten die Kantonsschule Trogen und Studiensemester an den medizinischen Fakultäten von Genf, Bern und Zürich. Das Staatsexamen feierte Karl Niederer 1945 in Bern.

Aus dieser bewegten Studienzeit mit den Studentenverbindungen Rhenania und Utonia blieben viele Erinnerungen und Freundschaften.

Nach dem Staatsexamen führten den Vorderländer Assistenzstellen nach Interlaken, Bern, Münsterlingen und St. Gallen. 1954 erfolgte die Wahl zum Oberarzt ans Kantonsspital in St. Gallen. In dieser Funktion war Karl Niederer an den Pferdeporttagen 1956 auf dem Breitfeld Platzarzt, wo er die Ehrendame Doris Schelling kennenlernte. Im Mai 1957 heirateten die Beiden. Als er im gleichen Jahr als Chefarzt ans Bezirksspital Heiden gerufen wurde, folgten der Umzug an den Carl-Böckliweg in Heiden und die Eröffnung der Praxis im Privathaus am Jahrmarktstag.

Tochter Karin erblickte im Februar 1958 das Licht der Welt. Die Söhne Adrian und Beat vervollständigten das Familienglück.

Drei Jahrzehnte das Spital geprägt
Während den folgenden 28 Jahren prägte der Chefarzt und Chirurg Karl Niederer die medizinische Versorgung am Spital Heiden. Zudem konnte er ab 1960 seine Vorstellungen und Erfahrungen in die Planungs- und Bauphase des neuen Spitals einbringen. Der Chefarzt, Praxisarzt und Familienvater brachte es fertig Spital, Praxis, Hausbesuche und Nachteinsätze sowie die Familie mit Frau und drei Kindern unter einen Hut zu bringen.

Seinen Patienten stand er jeweils Tag und Nach zur Verfügung. Dieser unermüdliche Einsatz für die Öffentlichkeit war jedoch nur Dank der grossen Mitarbeit seiner Frau Doris, ihrem grossen Engagement in der Familie und Praxis, möglich. Einen Ausgleich zur Praxis- und Spitalarbeit fand Karl Niederer im Reiten und Schwimmen. Bei den Ausritten wurde er oft von seinen Kindern begleitet. Grosse Bedeutung hatten für den erfolgreichen Arzt nicht nur seine Kinder, sondern auch seine acht Enkel. Er freute sich über ihre Besuche und Ferienaufenthalte in Heiden. Ihre Anwesenheit schien auf ihn die Wirkung eines Jungbrunnens zu haben.

Der Arzt aus Berufung, liebende Ehemann und umsorgende Vater sowie Grossvater wurde jedoch nicht von Schicksalsschlägen verschont. Tief war der Schmerz beim Abschied von seinem Enkel Oliver.

Nach der Aufgabe der Praxis im Jahr 1995 nahmen die Symptome einer Parkinson Erkrankung zu. Viele Jahre lang kämpfte er unermüdlich und tapfer gegen seine Krankheit an, stets liebevoll unterstützt und umsorgt von seiner Ehefrau Doris. Infolge der Erkrankung von Doris Niederer zog Karl Niederer vor vier Jahren ins Betreuungszentrum Heiden. Im Oktober des gleichen Jahres starb Doris Niederer. Auch diesen harten Schicksalsschlag nahm Karl Niederer still und würdevoll an. Nie beklagte er sich. Er kämpfte weiter und beeindruckte viele mit seinem sagenhaften Willen.

Obwohl ihm das Gehen grosse Anstrengungen kostete, war er immer wieder und sogar bei Schnee mit seiner Eulenburg-Gehhilfe im Dorf Heiden unterwegs. In den letzten Monaten wurde Karl Niederer dann zunehmend schwächer. Bekannte und zuletzt auch seine Kinder konnten ihn fast nicht mehr verstehen, wenn er etwas mit Worten mitteilen wollte. Einer seiner letzten Wünsche war, mit seinen Kindern mit einem Glas Sekt an zu stossen; sei’s als Symbol des Abschieds, des Aufbruchs zu neuen Horizonten oder einfach auf das Wohl und Wohlergehen aller.

Karl Niederer wechselte am 14. Juli in die geistige Welt hinüber. Eine grosse Gemeinde nahm am 22. Juli in der evangelischen Kirche von Heiden zusammen mit Pfarrer Martin Abschied von Karl Niederer, einer grossen Persönlichkeit und einem Menschenfreund.

Als Chirurg hatte er viele neue Erdenbürger auf ihrem ersten Weg begleitet, zahllosen Menschen das Leben gerettet und unzähligen Vorderländern in seiner Praxis zu mehr Lebensqualität verholfen. Im Besonderen aber hatte der Arzt mit seinem starken Willen und Glauben eine positive Lebenshaltung auch in der Krankheit vorgelebt.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 18.09.2008 - 12:42:00