Ergebniskonferenz Familienleitbild AR
Appenzll/AR. Entwurf des Familienleitbild's für den Kanton Appenzell Ausserrhoden beleuchtet, diskutiert und ergänzt
Herisau, 31. Oktober 2009
Am 30. Oktober 2009 haben rund 70 Personen ein starkes Zeichen für die Familienpolitik im Kanton Appenzell Ausserrhoden gesetzt. Sie haben den Entwurf des Familienleitbilds und sieben geplante Umsetzungsmassnahmen beleuchtet, diskutiert und ergänzt. Die Entwürfe zu Leitbild und Umsetzungsmassnahmen werden nun überarbeitet. Noch in diesem Jahr soll der Regierungsrat das Leitbild und die Umsetzungsplanung verabschieden.
Koordinierte Familienpolitik ist ein Schwerpunktthema des laufenden Regierungsprogramms 2007-2011. Der Regierungsrat will familienfreundliche Impulse setzen. Er misst der Familie für die zukünftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Kantons eine grosse Bedeutung zu. Ein Familienleitbild soll Ausrichtung und Schwerpunkte für eine koordinierte Familienpolitik festlegen. Der Entwurf für das Familienleitbild einschliesslich Umsetzungsmassnahmen wurde in einem breit abgestützten Prozess entwickelt (vgl. Kasten). Am 30. Oktober 2009 hat sich anlässlich der Ergebniskonferenz in Trogen ein erster Kreis geschlossen. Rund 70 Personen aus Politik, Gemeinden, Wirtschaft, Bildung, Kirchen und privaten Organisationen haben in Trogen den Entwurf des Familienleitbildes und sieben konkrete Umsetzungsmassnahmen diskutiert und ergänzt. Die reichhaltigen und wertvollen Inputs werden nun aufgearbeitet. Noch in diesem Jahr soll der Regierungsrat das Familienleitbild und die Umsetzungsplanung verabschieden. Danach beginnt die Umsetzungsphase.
Wertschätzung und Gestaltungsspielraum für Familien
Das Familienleitbild legt Wert darauf, den Familien Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen für die tragende Rolle, die sie in unserer Gesellschaft spielen. Kinder erlernen in der Familie soziale Fähigkeiten, wachsen in unsere Kultur und Gesellschaft hinein und werden von der Familie auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleitet. Der Zeitfaktor spielt in heutigen Familien ebenfalls eine wichtige Rolle. Das am häufigsten gelebte Familienmodell ist jenes, in dem der Vater vollzeitlich erwerbstätig ist und die Mutter einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgeht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Familien daher eminent wichtig. Damit Familien all diese anspruchsvollen Aufgaben erfüllen und sich dabei einen gewissen Gestaltungsspielraum bewahren können, brauchen sie geeignete Rahmenbedingungen. Die Gesellschaft muss einen Teil der Familienlasten mittragen, denn letztlich profitiert die Gesellschaft von gut funktionierenden Familien.
Vision und Wirklichkeit
Entgegen diesem Idealbild muss in Familienhaushalten dasselbe Einkommen ausreichen wie in Haushalten ohne Kinder. Zudem sind Familien heute überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Das Familienleitbild zielt daher auf die Gleichwertigkeit verschiedener Familienformen sowie von Familien- und Erwerbsarbeit ab, verbunden mit angemessenen finanziellen Leistungen bzw. Entlastungen für Familien. Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein. Das Familienleitbild setzt auf die Stärkung der Erziehenden und die Förderung von familiengerechten Wohn- und Lebensräumen. Im Weiteren anerkennt es die tragende Rolle von Familien in der Gesundheitsvorsorge und will entsprechende Beratungsangebote fördern. Das Familienleitbild wird dem Regierungsrat und der kantonalen Verwaltung, insbesondere der Fachstelle Familien und Gleichstellung, als Leitplanke bei der Gestaltung der Familienpolitik dienen. Die Teilnehmenden der Ergebniskonferenz haben das Familienleitbild sehr positiv bewertet. Es sei offen und gut verständlich formuliert, prägnant und fortschrittlich.
Konkrete Schritte
An das Familienleitbild knüpfen konkrete Umsetzungsmassnahmen an. Im Handlungsfeld „Anerkennung und Wertschätzung“ von Familienarbeit ist geplant, eine Erhebung zur finanziellen Situation von Familien zu machen und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. Kritisch aufgenommen wurde die Idee, den Familien jährlich ein symbolisches Zeichen der Wertschätzung zukommen zu lassen. Einem kantonal festgelegten und lokal verankerten Familientag würde der Vorzug gegeben. Breite Zustimmung fand eine internetbasierte Informationsplattform für Familien unter dem Titel „Familienwegweiser AR“, die Information, Vernetzung und Koordination für Familien und Fachstellen erleichtern soll. Im Bereich Elternbildung soll eine Anlaufstelle entstehen, die das bestehende Angebot im Kanton koordiniert und dessen Publikation, Vernetzung und Weiterentwicklung unterstützt. Auch diese Massnahme fand mehrheitlich Zustimmung. Die Angebote familienergänzender Kinderbetreuung sollen stark koordiniert bzw. sogar unter einer gemeinsamen Trägerschaft vereint werden. Zudem sollen gemeinsame Qualitätsstandards, Finanzierungsmodelle und Kostenstrukturen verankert werden. Ein Element davon ist der Aufbau einer Tagesfamilienorganisation. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt nicht nur ausreichend familienergänzende Kinderbetreuungsangebote voraus, sondern auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Unterstützt wird daher die Idee, einen finanziellen Anreiz für Unternehmen zu schaffen, sich bezüglich familienfreundlicher Arbeitsbedingungen durchleuchten zu lassen und ein Preis für familienfreundliche Unternehmen.
Familienpolitik kostet
Diese Massnahmen werden aufgrund der Inputs aus der Ergebniskonferenz nochmals überarbeitet und priorisiert. Der Regierungsrat soll das Familienleitbild noch in diesem Jahr verabschieden und von der Umsetzungsplanung Kenntnis nehmen. Ein Teil der Massnahmen kann noch im Rahmen und mit Mitteln des Regierungsprogramms 2007-2011 realisiert werden. Darüber hinaus bedarf es aber zusätzlicher Budgetmittel. Darüber bestimmt abschliessend der Kantonsrat.
Der Weg zum Familienleitbild und zu den Umsetzungsmassnahmen
Im Rahmen des Regierungsprogramms 2007-2011 setzte sich der Regierungsrat zum Ziel, ein Familienleitbild zu entwickeln. Der Prozess wurde mit der Zukunftskonferenz am 5./6. Dezember 2008 in Trogen gestartet. Die rund 70 Teilnehmenden aus Politik, Gemeinden, Wirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen, Kirchen und privaten Organisationen haben unter professioneller Moderation Leitsätze entwickelt, Handlungsfelder definiert und Massnahmenideen aufgezeigt. Die Fachstelle Familien und Gleichstellung hat die Ergebnisse zusammen getragen. Eine aus der Zukunftskonferenz gebildete Redaktionskommission hat den Leitbildentwurf erarbeitet. Je eine Arbeitsgruppe erarbeitete zu folgenden fünf Handlungsfeldern Umsetzungsmassnahmen: „Anerkennung und Wertschätzung Familienarbeit“, „Elternbildung“, „Internetplattform für Familien“, „Familienergänzende Kinderbetreuung“ und „Familienfreundliche Unternehmen“. Die Arbeitsgruppen griffen dabei die Massnahmenideen aus der Zukunftskonferenz auf, gewichteten sie und konkretisierten einzelne davon. Leitbildentwurf und Umsetzungsmassnahmen wurden anlässlich der Ergebniskonferenz (vgl. Text oben) präsentiert, diskutiert und ergänzt. Die Fachstelle Familien und Gleichstellung nimmt die Inputs nun auf. Noch in diesem Jahr soll der Regierungsrat das Familienleitbild und die Umsetzungsplanung verabschieden. Anschliessend beginnt die Umsetzungsphase.



























