
Endspurt bei der Rettung des Landschaftsparks Wartegg
Rorschacherberg/SG. Seit die Visiere für eine Grossüberbauung im Landschaftspark Wartegg gesetzt wurden, laufen die Bemühungen, den Park vor Eingriffen zu retten.
Ein Grossteil des Geldes für den Kauf des nördlichen Teils des Parks ist beisammen. Bis Ende Juni müssen nun noch die fehlenden rund 350‘000.- Franken gesammelt werden. Die Bedrohung der historischen Schloss- und Landschaftspärke ist ein schweizweit grasierendes Problem.
Schloss- und Landschaftspärke stehen schweizweit unter hohem Baudruck. Vieles wurde bereits zerstört, aber vieles gäbe es noch zu retten. Dazu müsste die Denkmalpflege politisch und finanziell gestärkt werden, wie Raimund Rodewald von der Schweizerischen Stiftung für Landschaftsschutz festhält. Landschaftspärke zeichnen sich aus, durch ihre Weitläufigkeit und durch die Verbindung von Natur und menschlicher Gestaltungslust. Mit Baumgruppen, Alleen, Einzelbäume und Pflanzelementen werden die weiten Flächen unterteilt.
Damit werden spezielle Sichtachsen geschaffen, welche die Natur in Szene setzen und besondere Stimmungen erzeugen. Leider wurden die Landschaftspärke lange Zeit nicht als Kulturdenkmäler betrachtet und bei der Unterschutzstellung vernachlässigt. Erst das Gartenjahr 2006 hat die Gärten als lebendes Kulturgut, das aus dem faszinierenden Zusammenspiel von Natur und Kultur entsteht, in das Bewusstsein der Denkmalpflegenden und der Bevölkerung zurückgebracht. Viele ausgedehnte, historische Pärke sind bereits dem Siedlungsdruck zum Opfer gefallen.
Für die Rettung des Landschaftsparks Wartegg, der sich durch seine noch erkennbaren Elemente aus der spätklassizistischen Zeit auszeichnet, ist es fünf vor zwölf. Der gesamte Schlosspark umfasst rund 140‘000 m2. Davon gehört der grösste Teil zum Schloss Wartegg. Die Schlossbesitzerfamilie pflegt den zum Schlosshotel gehörenden und öffentlich zugänglichen Park im Geiste der Gartendenkmalpflege. Die dadurch erzeugte Stimmung ist einzigartig und begeistert Gäste und die Bevölkerung. Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege und die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission sind in einem letzten Jahr erstellten Gutachten zum Urteil gelangt, dass dem historischen Landschaftspark Wartegg eine nationale Bedeutung zukommt.
Der westlich des Schlosses gelegene Parkteil von über 37‘000 m2 Fläche ist durch eine Grossüberbauung bedroht. Bereits 2007 zeichnete sich für den südlichen Teil des Baugebiets eine Kompromisslösung mit einem Landabtausch ausserhalb des Parks ab. Als Kompromiss wurde eine EFH-Parzelle ausgeschieden am westlichen Rand unterhalb der Kaplanei, der Rest bleibt frei. Dieser Abtausch war der Anstoss für die Aktion, die restliche Grossüberbauung, welche auch den Baumbestand und die Alleen betroffen hätte, zu stoppen und den Landschaftspark als kulturell und ökologisch wertvolle Anlage definitiv für die kommenden Generationen zu erhalten. Deshalb will die neu gegründete Stiftung Landschaftspark Wartegg zusammen mit der Gemeinde und der Bevölkerung das Gebiet des nördlichen Baufelds kaufen. Auch die IG Wartegg setzt sich seit längerem für den Erhalt des Parks ein. Eva Lobeck von der IG ist denn auch hoch erfreut, dass die Rettung des Parks nun in Sicht ist.
Ein entscheidender Schritt zur Rettung des Parks wurde vor über einem Jahr getan, als der damalige Gemeindepräsident Ernst Tobler das Projekt einer aktiven Sponsorensuche lancierte. Heute ist er Präsident der Stiftung Landschaftspark Wartegg, in der die Gemeinde durch den neuen Gemeindepräsident Beat Hirs, die Schlossbesitzer, Personen aus der IG Wartegg, des Denkmalschutzes und der SpenderInnen vertreten sind.
Ernst Tobler konnte denn auch festhalten, dass die beachtliche Summe von rund 4.3 Mio. Franken bereits zusammengekommen ist. Namhafte Beiträge sind von Stiftungen und Privaten aus der Region eingegangen. Viele kleine bis grosse Spenden gingen auch bei der IG Wartegg ein. Bei all diesen Retterinnen und Rettern des Warteggparks bedankt sich Ernst Tobler sehr.
Aber auch die Bevölkerung von Rorschacherberg und der Kanton durch den Lotteriefonds haben einen beachtlichen Beitrag geleistet, wie Beat Hirs ausführt. Die Nachwelt wird es der heutigen Bevölkerung wohl danken, dass sie das Ruder im letzten Moment herumgerissen hat und den Park für die kommenden Generationen gerettet hat.
Mit der Investorin, der Swisscanto, ist man übereingekommen, dass das Geschäft bis zum 30. Juni 2009 abgeschlossen werden muss. Die Swisscanto und ihre beauftragten Architekten und Planer steuern 300‘000.- Franken an den Betrag bei, wobei die Swisscanto zudem namhafte interne Aufwendungen abgeschrieben hat. Bis Ende Juni müssen nun noch die fehlenden 350‘000.- Franken gesammelt werden, damit der nördliche Teil des Parks gekauft und geschützt werden kann. Das scheint wenig im Vergleich zur bereits zusammengekommenen Summe. Doch Tobler relativiert: „Wir engagieren uns sehr, das fehlende Geld zusammenzubringen.
Aber seit Einbruch der Konjunktur ist es ungleich härter geworden, grössere Beträge zu finden. Nichts desto trotz, wie könnten wir jetzt aufgeben, nachdem bereits ein solch hoher Betrag zusammengekommen ist?“ Tobler ruft deshalb zum Schlussspurt für die Sammelaktion von kleinen und grossen Beträgen auf. Für den Landschaftspark Wartegg heisst es nun: Jetzt oder nie!