Ein Star und zwei Aussenseiter
Warth. «Einen Star und zwei Aussenseiter» präsentiert das Kunstmuseum in der Kartause Ittingen in seinem Jahresprogramm. Die Kombination entspreche der Linie des Museums exakt, erklärte Kurator Markus Landert heute.
Der Star ist der deutsche Künstler Olaf Nicolai (1962). Er gilt als einer der herausragenden Künstler der Gegenwart. 1997 war er an der «Documenta X», 2001 und 2005 an der Biennale von Venedig vertreten.
Er zeigt vom 18. Oktober 2009 bis zum 30. April 2010 Arbeiten, die bei mehreren Aufenthalten in der Kartause Ittingen entstanden. Die Werke werden sowohl im Innen- wie im Aussenbereich des ehemaligen Klosters zu sehen sein.
Grosse Tiere und Fetisch-Puppen
Die Aussenseiter-Künstler sind Michel Nedjar und Alpo Koivumäki. Der Finne Koivumäki, ursprünglich Kleinbauer, stellt aus Landmaschinenteilen und Abfall Tierskulpturen her. Er wird drei Wochen lang in der Kartause leben und ein solches Tier bauen, das am 28. Juni vorgestellt werden soll.
Der in Paris lebende Nedjar wiederum ist ein bekannter Art-Brut-Künstler, der vor allem eine Art morbider Puppen konstruiert. In der «Animo»-Ausstellung vom 5. April bis zum 10. Mai in der Kartause Ittingen werden zudem Zeichnungen und Experimentalfilme Nedjars gezeigt.
Sammlung neu zusammengestellt
Den Auftakt des Ausstellungsjahres 2009 macht aber «Konstellation 1». Darin zeigt das Kunstmuseum Werke aus seinen Beständen zusammen mit Neuankäufen. Man wolle damit «bekannte Werke in neue Beziehungen setzen», sagte Landert.
In der Schau findet sich vom 11. Januar bis zum 17. Mai Bekanntes und Beliebtes, wie Adolf Dietrichs Bernhardiner-Bild, ebenso wie selten Gezeigtes, wie ein Corbusier-Bild. Zu sehen sind Portraits, Landschaften und Interieurs in verschiedenen Techniken von Fotografie über Ölbilder bis hin zu Installationen und Videos.
Studierende sehen die Kartause
Studierende der F+F Schule für Kunst und Mediendesign Zürich zeigen vom 19. April bis zum 10. Mai künstlerische Interventionen. Die Projekte haben sie während mehrerer Aufenthalte in der Kartause entworfen und setzen sie in den nächsten Monaten um.
Schliesslich wird vom 5. Juni bis zum 13. Dezember die in Basel lebende Cécile Hummel vorwiegend Fotografien ausstellen. Hummel ist Preisträgerin des Berlin-Stipendiums der Thurgauer Wirtschaft. Zu dem Stipendium gehört auch eine Ausstellung, in der die neuesten Werke gezeigt werden.
Das Leben der Kartäusermönche – aber nicht nur
Die Kartause Ittingen beherbergt neben dem Thurgauer Kunstmuseum auch das Ittinger Museum. Dieses wird derzeit umgestaltet und soll künftig ausser dem Leben der Kartäusermönche auch die Geschichte der Klosteranlage vermitteln.
Der Kanton Thurgau investiert 2009 eine Million Franken in die beiden Museen in der Kartause. Davon wird die eine Hälfte investiert, um den Eingangsbereich und den Museumsshop beser zu gestalten.
Die andere Hälfte der Summe wird für eine Neugestaltung des «Ittinger Museums» ausgegeben. Dieses Museum dokumentiert das Leben der Kartäusermönche. Es ist seit der Eröffnung 1983 gleich geblieben.
Jetzt soll es einerseits das Leben der Mönche «möglichst authentisch nachvollziehbar machen», wie Museumsdirektor Markus Landert am Donnerstag erklärte. Andererseits soll es aber auch die Geschichte der Klosteranlage dokumentieren.
Billardtisch im Kapitelsaal
Diese diente nicht immer als Kloster: Nach der Säkularisierung Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Familie Fehr den Besitz gekauft, bewohnt und bewirtschaftet, bevor ihn in den 1970-er Jahren eine Stiftung kaufte. Dem Wirken der weltlichen Besitzer soll künftig mit einer kleinen Ausstellung gedacht werden.
Es soll aber dadurch gezeigt werden, dass beispielsweise im Kapitalsaal des Klosters wieder der Billardtisch aufgestellt wird, den die Fehrs dort hineinegstellt hatten.
Zudem soll in der oberen Sakristei des Klosters eine Art kleines «Schaulager» entstehen. Dort sollen sakrale Gegenstände zu sehen sein, die in der Ausstellung selbst keinen Platz finden.



























