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Ein Schutzengel geht in Pension

Nach 30 Jahren Rega, davon 26 Jahre in der Basis St.Gallen, geht der Leiter Heinz Enz in Rente.

Schon seit vielen Jahren führt die Schweizerische Rettungsflugwacht Rega die Liste der Namen an, in welche die Schweizer Bevölkerung am meisten Vertrauen hat. Ein Beweis, der fordert.

Oft sind es die Piloten und Ärzte der Rega, die Menschen aus lebensgefährlichen Situationen retten oder ihnen gar eine zweite Chance schenken. Der rote Vogel, nachdem jede Person am Boden den Kopf reckt, ist rund um die Uhr abrufbereit und präsent – ob in den Bergen, in Städten oder auf dem Land. Die 13 Rega-Basen in der Schweiz haben im vergangenen Jahr über 12’000 Einsätze (davon zirka 700 flüge der Rega Basis St.Gallen-Gossau) geflogen.

Heinz Enz, 58 Jahre alt und zweifacher Vater, kann man gewissermassen als Pionier der Rega-Basis in St.Gallen-Gossau bezeichnen. Wenn in brenzligen Situationen einer die Fäden am Himmel in der Hand hat, dann ist es Enz. Schon tausende von Einsätzen hat der begeisterte Wassersportler geflogen. Vom Zeitlauf mit Frühgeborenen im Brutkasten bis hin zum päpstlichen Besuch hat der Rettungssanitäter (HCM, Helicopter Crew Member) schon so manches erlebt und an Bord gehabt.

In Luzern geboren, absolvierte Enz in Obwalden eine technische Lehre. Doch sein erstes richtiges Geld verdiente er als Skilehrer. Das war auch gleichzeitig der Startschuss in eine neue berufliche Zukunft. Er absolvierte eine Pflegefachschule und arbeitete viele Jahre als Rettungschef in einem Skigebiet. Den ersten Kontakt mit der Rettungsflugwacht hatte er 1978 in Zürich. Die Vorstellungen, für die Rega arbeiten zu dürfen, liessen ihn nicht mehr los. Er absolvierte daraufhin das Fachtraining für den Rettungssanitäter. Drei Jahre später half er aktiv beim Aufbau der Rega-Basis im Westen der Stadt St.Gallen mit, ehe er 1985 die vollständige Leitung übernahm.

appenzell24.ch sprach mit dem Retter der letzten Stunde, der sich Ende Jahr aus dem Flugbetrieb zurückgezogen hat. Nicht zuletzt zwingt ihn sein Knie dazu, da er keine schweren Lasten mehr tragen kann. Denn wie er selbst sagt: «Bei diesem Beruf braucht es vollen Einsatz.»

Herr Enz, können Sie sich nach so einem aufreibenden Job überhaupt vorstellen, in Rente zu gehen?
Das kann ich sehr gut. Nach so vielen Einsätzen und 30 Jahren in der Luft bin ich froh, dass ich das überhaupt heil überlebt habe. Es ist nicht so, dass ich der Rega gleich ganz den Rücken kehre. Ich bleibe der Flugwache durch diverse Repräsentationsaufgaben und den Besuchen unserer Patienten erhalten. Die Betreuung unserer Patienten betrachten wir als eine Art Qualitätskontrolle und ist für uns sowie die Patienten sehr wichtig. Es gibt Verunfallte, die aufwachen und nicht einmal wissen, dass sie von uns geflogen wurden. Für mich ist es spannend die Hintergründe einer Person und eines Unfalles zu kennen.

In zwei Jahren wird unsere Basis einen neuen Helikopter erhalten. Klar wäre dieses Ereignis ein Anreiz gewesen zu bleiben, doch jetzt ist genug.

Nach 30 Jahren verlassen Sie die Rega als Retter der Lüfte. Mit einem weinenden oder einem lachenden Auge?
Beides. Ich freue mich, eine Basis aufgebaut zu haben und dass ich stets mit guten Fachleuten zusammenarbeiten konnte. Doch die Anforderungen an die Rega sind extrem hoch. Man ist ständig gefordert, um den guten Ruf des Namens zu behalten.

Die Bevölkerung weiss, dass die Rega immer ein verlässlicher Partner ist – egal in welcher Situation man ist. Rettungseinsätze ohne Helikopter wären heute unmöglich. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Schwerverletzten in einer Felswand vor.

Lebensretter zu sein – ist das ein Beruf oder eine Berufung?
Für mich ist das ein Beruf wie jeder andere auch. Es ist wie ein Chirurg im Spital, der auch Leben zu retten versucht. Mich fasziniert, wie man die drei Komponenten Medizin, Fliegerei und den Kontakt zu Menschen in einem Beruf vereinigen kann.

Hat sich durch Ihren Beruf Ihre Einstellung gegenüber dem Tod und dem Leben verändert?
Bei dieser Arbeit kommen Menschen auf die Welt und Menschen sterben. Man ist sich den Gefahren mehr bewusst und man lebt bewusster. Ich habe keine Angst, aber Respekt. Ich handle heutzutage überlegter und sichere mich viel mehr ab.

Leben retten im Helikopter. Das hört sich für einen Laien extrem spannend an…
Klar ist der Beruf etwas ganz Spezielles und das Arbeitsgerät nicht üblich, doch die Flüge kann man nicht mit einem Rundflug vergleichen. Man arbeitet Tag und Nacht, 24 Stunden, an Weihnachten und an Geburtstagen. Man verzichtet auf ein gesellschaftliches Leben und muss viel zurückstecken können.

Was ist für Sie der Ansporn, auch einmal das eigene Leben zu riskieren?
Man muss klar Grenzen setzen. Trotz gutem Material und hervorragender Technik – Grenzen sind da. Haben wir plötzlich einen Wetterumschlag, muss so schnell als möglich eine andere Lösung gefunden werden, da wir um keinen Preis unser eigenes Leben riskieren. Bei der Rega arbeiten wir nur im Team. Dazu braucht es sowohl eine gute Ausbildung als auch eine gewisse Reife.

Wie gehen Sie beruflich und persönlich damit um, wenn ein Einsatz nicht erfolgreich endet?
Solche Fälle besprechen wir immer im Team. Jüngere Mitarbeiter beschäftigen diese Ereignisse mehr. Auch trauern gehört dazu, doch positives Denken baut mich auf.

Gibt es auch erfreuliche Momente in ihrem Beruf?
Es freut mich sehr, dass unsere Arbeit von allen Seiten geschätzt und respektiert wird. Wenn man Leute aus einer schwierigen Situation befreien kann und der Familie zurück bringt, oder Menschen, die wir gesund aus den Bergen retten – dann freut mich das unheimlich.

Ebenso freuen wir uns über Momente, wenn plötzlich jemand vor der Tür steht, der sich bedankt, dass wir ihm das Leben gerettet haben. Oder Kinder, die wir in Brutkästen ins Spital geflogen haben, die Jahre später strahlend im Helikopter sitzen. Das sind alles dankbare Patienten, die meine Arbeit unvergesslich machen.

Welche Art von Einsätzen stufen Sie als interessant ein?
Ich finde Verkehrsunfälle aus medizinischer Sicht sehr spannend und anspruchsvoll. Was teilweise schlimm aussieht, kann sehr herausfordernd sein.

Wie sieht bei Ihnen ein Arbeitsflug aus?
Wir fliegen immer nach demselben Ablauf. Check, Sprechfunkverbindung, Funkkontaktaufnahme und so weiter. Stets ist totale Konzentration gefragt. Ist der Arbeitsplatz gesichert, gibt es Explosionsgefahr oder Nachlawinen?

Ich hatte auch schon einen Einsatz, bei dem wir sehr viel Glück gehabt haben. Plötzlich löste sich hinter uns eine zweite Lawine und wir konnten den Notarzt mit dem Schwerverletzen gerade noch rechtzeitig retten. Ebenfalls gibt es zu berücksichtigen, dass die meisten Leute in ihrer Panik unberechenbar sind. Daher müssen wir immer zuerst uns absichern, bevor wir mit der Arbeit beginnen.

Was lernen Neulinge von Ihnen als erstes?
Übersicht gewinnen und versuchen, Prioritäten zu setzen. Ruhe bewahren, die Lage beurteilen und dementsprechend die richtigen Mittel einzusetzen.

Gibt es auch Einsätze, die Sie gerne fliegen?
Immer dann, wenn ich Menschen aus dem Gebirge retten kann. Ein Flug über die Alpen bei wundervollem Wetter – was gibt es Schöneres?

26 Jahre reckten sich die Köpfe nach dem roten Vogel in der Luft nach Enz. Nun werden es andere Schutzengel sein, die für Menschen in Not allzeit bereit sind.


Bei Tageslicht braucht das Team, bestehend aus einem Pilot, einem Rettungssanitäter (HCM) und einem Notarzt, fünf Minuten bis es in der Luft ist. Ihr Arbeitsgerät ist die AUGUSTA A109K2, welche zirka 2.6 Tonnen wiegt, 13 Meter lang ist und einen Rotorendurchmesser von elf Metern aufweist. Unvergesslich war für die Beteiligten der päpstliche Einsatz mit Johannes Paul II. Damals konnte Enz mit seinem Team den Papst eine Woche lang medizinisch betreuen. Er flog dem Papst mit dem Regavogel auf Schritt und Tritt nach.

Erst kürzlich wurde Enz von der Kantonspolizei für seine Arbeit und Dienste geehrt. Die Partner der Rega, wie zum Beispiel die Bevölkerung, die Polizei, die Feuerwehr und die Region schätzen die Aufbauarbeit in Gossau sehr.


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Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 03.01.2008 - 17:00:00