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Ein Jahrhundert PZA

Herisau. Das Psychiatrische Zentrum Appenzell Ausserrhoden (PZA) feierte sein 100 jähriges Bestehen.

Psychiatrie im Mittelpunkt: In Anwesenheit des gesamten Regierungsrates, des Kantonsrates, von Vertreterinnen und Vertretern des PZA und des Spitalverbundes Appenzell Ausserrhoden sowie geladenen Gästen wurde das 100-jährige Jubiläum des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden begangen.

Guter Leistungsausweis des PZA
Das Psychiatrische Zentrum Appenzell Ausserrhoden PZA, die ehemalige appenzell-ausserrhodische Heil- und Pflegeanstalt, wurde heute vor 100 Jahren, am 27. Oktober 1908 eröffnet – für Appenzell Ausserrhoden ein ausserordentliches sozialgeschichtliches Ereignis und für den Kanton von grosser sozialpolitischer Tragweite.

Der Bau der heute denkmalpflegerisch geschützten Anlage – eine der ersten offenen Anstalten in der Schweiz – im Krombach in Herisau konnte realisiert werden, nachdem die Landsgemeinde 1906 in Trogen einem Kredit von 1.7 Mio. Franken und einem Projekt für 250 Betten zugestimmt hatte. Ein Jahrhundert später hat das Ausserrhoder Stimmvolk am 11. März 2007 die Leistungen des Psychiatrischen Zentrums PZA honoriert und erneut ein klares Bekenntnis für die kantonale Psychiatrie abgelegt: Dank der Zustimmung zu einem Rahmenkredit von 17.2 Mio. Franken können die notwendigen Investitionen von insgesamt 39.5 Mio. Franken getätigt werden. Mit der baulichen Optimierung und Erneuerung des PZA wird die Fortführung einer zukunftstauglichen Psychiatrie gewährleistet.

Appenzell Ausserrhoden pflegt seit den Anfängen der stationären psychiatrischen Versorgung eine enge Kooperation mit den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Glarus. Die gut funktionierende interkantonale Zusammenarbeit wurde von den Regierungsvertretern der Partnerkantone, Statthalter Werner Ebneter, Kanton Appenzell Innerrhoden, und Regierungsrat Rolf Widmer, Kanton Glarus, gewürdigt. Die entsprechenden Verträge wurden im Vorfeld der Abstimmung im Jahr 2007 erneuert und garantieren eine qualitativ hoch stehende stationäre Versorgung für rund 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner in den drei Kantonen.

Zukunftsperspektiven in der Psychiatrie
In seinen Thesen zur künftigen Entwicklung der Psychiatrie skizzierte Bruno Kägi, Chefarzt des PZA, den Wandel der Versorgungsbedürfnisse: Mit der Entwicklung wirksamerer, ursächlich orientierter Behandlungsmethoden würden die Therapien noch individualisierter. Psychiatrische Kliniken würden nicht an Bedeutung verlieren. Allerdings werde künftig die Versorgung eine vorwiegend ambulante und teilstationäre sein. Es gelte, den heutigen Trialog zwischen Arzt, Patient und Angehörigen zu erweitern und alle Akteure im Behandlungsprozess, also auch die Kostenträger, somatische Ärzte, die Arbeitgeberschaft sowie weitere Partner mit einzubeziehen.

Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit
Regierungsrat Matthias Weishaupt, Vorsteher des Departements Gesundheit Appenzell Ausserrhoden, unterstrich die Bedeutung der Europäischen Erklärung zur psychischen Gesundheit der WHO von 2005. Die Umsetzung der Erkenntnis, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt, stelle eine aktuelle gesellschaftspolitische Herausforderung dar. Psychisches Gesundsein sei daher eine prioritäre Zielsetzung für die gesamte Gesellschaft.

Für eine nachhaltige Gesundheitsförderung brauche es vermehrtes Engagement nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Sozial-, Bildungs- und Beschäftigungspolitik. Die Förderung der psychischen Gesundheit und die Prävention sowie die Behandlung, Pflege und Rehabilitation bei psychischen Gesundheitsproblemen seien ein vorrangiges Anliegen. Neben dem Angebot einer zukunftstauglichen Psychiatrie brauche es weitere Massnahmen, um psychisches Leiden mit allen sozialen und volkswirtschaftlichen Folgen zu vermindern. Es sei sehr erfreulich, dass im Jubiläumsjahr das Ausserrhoder Bündnis gegen Depression durch die Initiierung eines breiten Netzwerks lanciert werden konnte. Es gelte nun, dieses Netzwerk im ganzen Kanton weiterzuknüpfen, Aktionen umzusetzen und zu kommunizieren. Denn das gesellschaftliche Wissen über psychische Erkrankungen sei Bedingung, um psychisch erkrankten Menschen offen zu begegnen. Für die Betroffenen und deren Angehörige könne eine breite und verständliche Information bedeuten, dass der oft sehr schwierige Schritt, «darüber» zu reden und sich Unterstützung zu suchen, eher gewagt wird. Je früher eine Erkrankung erkannt werde, desto besser stünden die Chancen, Wege aus der psychischen Not zu finden.

Mit dem Ausserrhoder Bündnis gegen Depression als Teil des Regierungsprogramms 2007-2011 habe der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden in seiner Gesundheitspolitik einen Schwerpunkt bei der Förderung des psychischen Wohlergehens gesetzt. Die zahlreichen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr standen im Zeichen der Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen und der Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung psychisch erkrankter Menschen. Regierungsrat Matthias Weishaupt betonte abschliessend, dass sich die Stärke jeder Gemeinschaft und Gesellschaft am Wohl ihrer schwächeren Mitglieder misst.


Das Jubiläumsprogramm wurde untermalt mit «TON AGEH – Lieder vom Säntis zum Mississippi», einem Chorprojekt unter der Leitung von Peter Roth mit Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitenden des PZA.

Die Lieder und Stücke aus dem Appenzellerland (Naturjodel, Ratzliedli, Tänze) und den Plantagen der Südstaaten (Worksong, Blues) sind nochmals zu hören am Sonntag, 2. November 2008, 17.00 Uhr, im Krombachsaal, Psychiatrisches Zentrum Appenzell Ausserrhoden, Herisau.
Eintritt frei.

Appenzell AusserrhodenAppenzell Ausserrhoden / 29.10.2008 - 07:42:00