Ein Indiz für die wachsende Armut in der Schweiz?
Die Frequenzen der Caritas-Märkte sind deutlich gestiegen, der Umsatz gar um 51 Prozent: für die Verantwortlichen ein Zeichen steigender Armut in der Schweiz.
An 15 Orten in der Schweiz können Armutsbetroffene mit Legitimationskarte in Caritas-Märkten vergünstigt Produkte für den täglichen Bedarf einkaufen. Trotz guter Wirtschaftslage sind die Frequenzen in den Läden deutlich gestiegen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent an.
Mit einem Jahresumsatz von 4,2 Millionen Franken erreichte die Genossenschaft Caritas-Markt 2007 ein Rekordergebnis. Jedes gewinnorientierte Unternehmen würde sich zu einem solchen Traumergebnis beglückwünschen und den CEO mit einem Bonus belohnen. Für den Caritas-Markt dagegen steht diese Entwicklung in erster Linie im Zusammenhang mit der wachsenden Armut in der Schweiz. Ohne Angebote wie den Caritas-Markt könnten viele Familien in der Schweiz ihre grundlegende Versorgung nicht mehr sicherstellen.
Nur finanziell benachteiligte Personen mit einer legitimierten Einkaufskarte werden im Caritas-Markt als Kunden zugelassen. Qualitativ hochwertige Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs können zu stark ermässigten Preisen eingekauft werden. Die Produktauswahl selber treffen zu können, wird von den Kunden sehr geschätzt und stärkt ihr oft angeschlagenes Selbstbewusstsein. Damit unterscheidet sich der Caritas Markt deutlich von Almosen-Projekten, wie es sie auch im Thurgau gibt.
Ein grosser Teil des qualitativ einwandfreien Sortiments in den Caritas-Märkten stammt aus Überproduktionen, Fehllieferungen, schadhaften Serien und Liquidationen. Von über 300 Lieferanten darunter Konzernen wie Coop, Migros, Emmi, Nestlé oder Baer stellen Waren zu bevorzugten Bedingungen zur Verfügung.
Fünf Jahre CARITAS Markt in Weinfelden
Nach fünf Jahren kann im Caritas Markt Weinfelden eine positive Bilanz gezogen werden. Dank den 553 abgegebenen Einkaufskarten (2006: 550) profitierten 1684 Personen im Thurgau von verbilligten Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs. 2007 wurde eine Umsatzsteigerung von 10,5 Prozent auf rund 163’000 Franken erreicht. In der CARITAS Boutique nebenan, in der Secondhand und Neue Kleider angeboten werden, betrug die Umsatzsteigerung sogar 39,2 Prozent.
Beide Läden entsprechen somit nach wie vor einem grossen Bedürfnis und ermöglichen den betroffenen Menschen, in Würde qualitativ hochstehende Produkte zu erschwinglichen Preisen einzukaufen. Leider ist das Angebot immer noch zu wenig bekannt und viele Familien und Einzelpersonen in prekärer Lebenssituation kennen diese konkrete Möglichkeit nicht, so ihr angespanntes Budget zu entlasten.
Arbeitsintegration konkret
Geführt wird der Caritas Markt in Weinfelden als Arbeitsintegrationsprogramm des Vereins ESRA. Acht Arbeitsplätze sind für erwerbslose Personen offen, die sich im Detailhandel neue Erfahrungen und Wissen aneignen möchten. Viele vorallem junge Stellenlose nutzen diese Gelegenheit.



























