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Ein bewegter Tisch für Appenzell

Roman Signer schenkt seiner Heimatgemeinde Appenzell einen Wasser spritzenden "Tisch", der Ende Juni eingeweiht wird.

Mit seinem Geburtstag habe der «Tisch» nichts zu tun, betont Roman Signer. Das Werk sei «einfach eine Zusatzarbeit» zu seiner «Drehscheibe», die er vor drei Jahren im Auftrag Appenzells in den Adlerplatz eingelassen hat.

Einen kurzen Steinwurf entfernt, am Ufer der Sitter, gleich neben der Kirche St. Mauritius, erhält der «Tisch» seinen Platz. Das Modell hat Signer längst gebaut, die notwendigen Experimente durchgeführt. Nun ist er vor Ort, mit ihm der Baumeister, der Elektriker, der Ingenieur, der Wassertechniker. Seit drei Jahren hat er den «Tisch» im Kopf, «ein langer Prozess, nun ist er reif».

«Papierwand» in Kassel
Roman Signer, 1938 in Appenzell geboren, zählt international zu den bekanntesten Schweizer Künstlern. Seit er 1987 zum Abschluss der documenta 8 in Kassel 300 000 Blatt weisses Papier in die Luft katapultierte, verfolgt ihn der Ruf eines Sprengmeisters. Der Ruf wird Signer nicht gerecht. Was ihn interessiert, ist nicht der Knall, sondern die Transformation, welche die Explosion auslöst.

Die Aktion «Papierwand» dauerte denn auch nicht nur einen Sekundenbruchteil. Nachdem die Blätter eine riesige weisse Fontäne gebildet hatten, schwebten sie langsam nieder und tauchten ein in die Rauchschwaden, die nun in den Himmel stiegen. Signer hatte eine schwebende Skulptur auf Zeit geschaffen, eine flüchtige Plastik voller Poesie, ein spannend entspannendes visuelles Ereignis.

Roman Signer ist Bildhauer, ein ganz eigener. Sein Material ist zumeist die Natur, deren Kräfte und Widerstände er nach minutiöser Planung respektvoll untersucht. Er arbeitet mit Wasser, Sand, Wind, Feuer und mit Alltagsgegenständen: Uhren, Raketen, Knallkörpern, Mützen, Hockern, Koffern, Gummibändern, Eisenplatten, Blättern, Fässern, Flaschen – oder eben mit Tischen.

Aktive Natur
Immer spielen in Signers Werk die schnelle Veränderung, die Überraschung, der Zufall mit. Der Künstler recherchiert die Umstände, berechnet die Abläufe und wählt die Objekte aus. Den aktiven Part aber spielt die Natur, auch beim Appenzeller «Tisch».

So wird es sein: Das massive 80 Kilogramm schwere Möbel aus Chromstahl steht an der Sitter. Durch die zwei Beine nahe am Fluss schiesst Wasser nach unten. Der Druck richtet den Tisch bis zu einem Winkel von 45 Grad auf. Das Wasser spritzt nun in die Sitter. Der Druck lässt nach, und der Tisch fällt in seine Grundposition zurück.

In den warmen Monaten wird man die spektakuläre Bewegung der Skulptur im Rhythmus von drei Minuten, jeweils von neun bis neunzehn Uhr beobachten können. Im Winter ist Pause.

Rückkehr nach Appenzell
Die «Drehscheibe» und der «Tisch» sind Roman Signers bisher einzige Werke in der Appenzeller Öffentlichkeit. 1989 hat er sich von seinem Geburtsort mit der berühmten «Aktion mit einer Zündschnur» verabschiedet, seither lebt er in St. Gallen.

Die Aufmerksamkeit, die ihm Appenzell lange verweigert hat, ist Signer in aller Welt zuteil geworden. Er hat im In- und Ausland zahlreiche Preise erhalten. 1999 vertrat er die Schweiz an der Kunstbiennale in Venedig.

Dokumentiert ist Signers Werk der Jahre 1971 bis 2002 in einem dreibändigen Werk, das 2004 erschienen ist. Es zeigt rund 700 Aktionen in Bildern, Signer selbst beschreibt sie. Aufschlussreich sind auch mehrere von Peter Liechti gedrehte Filme, unter anderem «Signers Koffer» (1995) und «Aktion mit einer Zündschnur» (1990).

Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 13.05.2008 - 12:38:00