Ehemaliger Herisauer Sportwerber vor Kantonsgericht
Herisau. Norbert Germain Gschwend (51) steht am kommenden Montag wegen Gläubigerschädigung vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht.
Der Staatsanwalt hält eine bedingte Freiheitsstrafe «deutlich über 15 Monaten» sowie eine Busse für angemessen.
Angeklagt ist Gschwend der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung, der ungetreuen Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung.
Mitangeklagt ist seine Ehefrau wegen Gläubigerschädigung und Urkundenfälschung. Für sie beantragt der Staatsanwalt eine bedingte Geldstrafe sowie eine Busse. Sie sei Mittäterin, aber nicht treibende Kraft gewesen.
Norbert G. Gschwend ist der Sohn des früheren Sportwerbeunternehmers Norbert A. Gschwend (80), Herisau. Dieser hatte im Fall der untergegangenen Ausserrhoder Kantonalbank (ARKB) mit zahlreichen Rechtshändeln mit der Bank und Anschuldigungen gegen Verantwortliche des Kantons viel Wirbel verursacht.
Einzige Aktiven: Antiquitäten
2003 ging Norbert G. Gschwend Konkurs. Von den Forderungen von 25.43 Millionen Franken entfielen über 24 Millionen Franken auf Forderungen einer Thurgauer Unternehmerin. Die einzigen bewerteten Aktiven waren Antiquitäten im Schätzwert von 81’590 Franken, die im Steig-Center in Herisau lagerten.
Dem Konkursamt präsentierte Gschwend einen Kaufvertrag von 2001. Er habe damals das gesamte Antiquitätenlager für 100’000 Franken seiner Ehefrau verkauft, behauptete er. Der Kaufpreis von 100’000 Franken wurde mit einer «durch Frau Gschwend vermittelte Investition ihres Bruders» verrechnet. Das Konkursamt schloss daraus, es seien keine frei verfügbaren Aktiven vorhanden.
Fiktives Konstrukt
2004 reichte die Thurgauer Unternehmerin in Ausserrhoden Strafklage ein: Der Kaufvertrag sei ein fiktives Konstrukt. Gschwend habe die Antiquitäten kurz vor der Konkurseröffnung seiner Ehefrau verkauft. Mit einem vordatierten Kaufvertrag habe er die Gläubiger geschädigt und eine Urkunde gefälscht.
Gschwend gab an, er habe von seiner Ehefrau ein Darlehen von 100’000 Franken erhalten. Als Gegenleistung habe er ihr die Antiquitäten übertragen.
2004 versuchte Geschwend als Geschäftsführer der Gloria International Trade & Consult GmbH eine Liegenschaft in Herisau zu veräussern. Das Konkursamt liess dies per superprovisorische Verfügung durch das Kantonsgerichts-Präsidium unterbinden.
Darin sieht die Klägerin einen vollendeten Versuch der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Gschwend habe den einzigen Vermögenswert zum Nachteil der Gläubiger veräussern wollen. Gschwend bestreitet dies.
Zweifel
Der Verhörrichter (Untersuchungsrichter) hält Zweifel an einer korrekten Datierung des Kaufvertrags für berechtigt. Unter anderem habe Gschwend 2003 mit dem früheren ARKB-Direktor Samuel Hunziker telefoniert und sich nach einer Möglichkeit der Übertragung von Aktiven auf Hunzikers Sohn erkundigt, wie ein Anwalt aussagte.
Verhöramt und Staatsanwalt fordern einen Schuldspruch wegen Falschbeurkundung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung sowie wegen vollendeten Versuchs der ungetreuen Geschäftsbesorgung.
Vorgeschichte
Der Strafprozess gegen Norbert G. Gschwend könnte über zehn Jahre nach dem Untergang der Ausserrhoder Kantonalbank das letzte Kapitel dieser Affäre sein. Der Zusammenbruch der Bank war auch mit Gschwends Firma Gloria International verknüpft.
Gloria International, ein Unternehmen, das Bandenwerbung für Sportstadien verkaufte, geriet in Schwierigkeiten, als die ARKB Kredite kündigte. Gschwend senior machte den Fall ARKB 1992 öffentlich.
Noch bevor die ARKB 1996 an die damalige SBG (heute UBS) verkauft wurde, gelang es dem heutigen Bundesrat Hans-Rudolf Merz, dem damaligen Bankpräsidenten und Troubleshooter der ARKB, mit Norbert A. Gschwend einen Vergleich abzuschliessen.
Trotzdem weitere Klagen
Gschwends Kreditpositionen bei der ARKB waren auf über 34 Millionen Franken angewachsen. Gschwend erhielt kein Geld. Die Zivilprozesse wurden abgeschrieben. Dennoch klagte Gschwend 1998 in den USA – und später auch in der Schweiz – gegen UBS und CS. Er forderte je 350 Millionen Dollar Schadenersatz wegen geplatzter Werbeverträge. Sein Anwalt war der New Yorker Sammelklagen-Anwalt Ed Fagan.
Dessen Vertreter in der Schweiz wurde später Gschwend junior. Die Stadionwerbegesellschaft ging an den nun angeklagten Norbert G. Gschwend über. Da er der UBS keine Hypothekarzinsen bezahlte, wurden die Gschwend-Liegenschaften 2001 versteigert. Das Steig-Center in Herisau ging an Gschwend junior.



























