«Dürfen nicht an Kindern sparen»
AR. Im 2004 hat ein Komitee die Initiative «Musikunterricht für alle» eingereicht. Der Kantonsrat hat die Volksinitiative abgelehnt. Jetzt hat das Komitee den Startschuss für die Kampagne gegeben.
Der Auslöser für den Start einer Initiative ist denkbar einfach: Im Jahr 2004 wurden die Gelder für Musikunterricht um die Hälfte gekürzt. Die Konsequenz: Die Kürzungen des «Entlastungsprogramms» des Kantons spüren in erster Linie Eltern und deren Kinder.
Musikunterricht für Kinder oder in die Ferien
Die Zahlen zeigen deutlich: Die massiven Kürzungen von vor drei Jahren wurden vor allem durch höhere Beiträge der Eltern aufgefangen. Doch nicht alle Eltern können sich das leisten. «Bei drei Kindern, die gerne Musikunterricht nehmen würden, stellt sich für eine Familie schnell einmal die Frage, ob man lieber in den Urlaub fahren möchte oder die Kinder in die Musikschule schicken soll», schildert Roland Bieri, im Initiativkomitee zuständig für die Finanzen, eines der Probleme, das sich aus den Kürzungen ergeben hat. Das darf nicht sein, ist das Komitee [q]überzeugt: «Wir dürfen nicht an den Kindern sparen», betont Katrin Schatz, Musiklehrerin aus Herisau, die sich auch im Komitee engagiert.
Musik als Grundausbildung
Die Initiative fordert, dass die musikalische Grundausbildung obligatorisch in den Stundenplan der Volksschule integriert wird. Ausserdem möchten die Initianten, dass der freiwillige Instrumental- und Gruppenunterricht für Familien finanziell verkraftbar wird. Als dritter Punkt fordert das Komitee die Sicherstellung der Qualität des Musikunterrichtes – sprich, dass die musikalische Ausbildung von Lehrkräften vermittelt wird, die in diesem Bereich auch ausgebildet wurden.
Gegenvorschlag von Regierung
Der Regierungsrat lehnt die Initiative ab ohne jedoch Gründe für die Ablehnung zu nennen. Der Rat hat einen Gegenvorschlag erstellt, der aber nur auf einen Punkt der Initiative eingeht – das Komitee empfiehlt ein Nein zu diesem Gegenvorschlag. «Der Musikunterricht stärkt die Entwicklung eines Kindes – das darf nicht vernachlässigt werden», ist Ivo Müller, Kantonsrat und Präsident des Komitees, sicher.
Infoveranstaltung in Teufen
Bevor die Initiative am 17. Juni zur Abstimmung kommt, hat das Komitee für rund 12’000 Franken eine Kampagne ins Leben gerufen, die Plakate, kantonsweit verteilte Flyer und Konzerte beinhaltet. Am Dienstag, 22. Mai, findet zudem im Lindensaal in Teufen eine Infoveranstaltung statt. Mehr Informationen sowie eine Sympathisantenliste finden sich unter www.musikschulinitiative.info.
Kindern eine Chance geben
Ivo Müller ist Kantonsrat, Präsident der SP Appenzell Ausserrhoden und nun auch Präsident des Komitees der Musikschulinitiative. Zum Auftakt der Kampagne hat der Politiker mit unserer Zeitung gesprochen. Im Interview erzählt er, welchen Bezug er persönlich zu Musik hat.
Herr Müller, was sind Ihre persönlichen Hauptargumente für die Initiative?
Ich möchte mich für die Kinder im Appenzellerland einsetzen, denn die Schüler können durch den Musikunterricht Wichtiges lernen. Mein Ziel ist es, den Kindern zu dieser Chance verhelfen zu können.
Welchen Bezug haben Sie persönlich zur Musik?
Als ich noch zur Schule ging gab es keine Musikschule. In meiner Jugend spielte ich auch kein Instrument, erst als ich erwachsen wurde, begann ich zu musizieren. Als ich dann sah, wieviel ich noch zu lernen hatte, fand ich es schade, dass ich nicht schon früher die Möglichkeit hatte, mit der Musik zu beginnen.
Haben Sie selbst auch Kinder?
Ja, ich bin Vater von drei erwachsenen Kindern.
Und haben Sie bei diesen auch Wert auf eine Ausbildung im musikalischen Bereich gelegt?
Ja, das war für mich selbstverständlich. Meine beiden Söhne, wie auch meine Tochter, besuchten die Musikschule und musizieren heute noch. Beide Söhne absolvierten die Musikmatura an der Kantonsschule. Meine Tochter machte zwar die Zeichnungsmatura, spielt aber heute noch Geige.
Wie ist das allgemeine Feedback der Bevölkerung zur Initiative? Was kriegen Sie mit?
Leider wurde die Initiative im Kantonsrat abgelehnt. Ich denke jedoch, dass der grösste Teil des Volkes denkt, dass ein solcher Musikunterricht sicherlich positiv ist. Wir werden nun alles daran setzen, eine möglichst hohe Abstimmungsquote zu erreichen. Denn die Ausbildung ist ja auch im Sinne der Eltern, welche ihr Kind mit dem Musikunterricht fördern möchten. Interview: Alexander Meyer



























