Durchbruch am Kirchplatz Heiden

Heiden/AR. Der Kirchplatz Heiden soll so umgestaltet werden, dass der Komfort für die Postautobenützerinnen und -benützer deutlich verbessert wird. Eine einfach Lösung bringt laut dem Gemeinderat eine dringende Verbesserung.

Die Anliegen der Denkmalpflege, des Gewerbes auf dem Kirchplatz und der Behindertenorganisationen können dabei ebenfalls berücksichtigt werden. Der Gemeinderat Heiden hat das Projekt genehmigt und den Ausgabenbeschluss von 160‘000 Franken für die Ausführung dem fakultativen Referendum unterstellt.

Der Kirchplatz in Heiden ist ein bedeutender Knotenpunkt für den öffentlichen Verkehr. Gleichzeitig untersteht der Kirchplatz durch seine Lage im Ortsbild von nationaler Bedeutung einem entsprechenden Schutz.

Aufgabe als Busumsteigeanlage
Der Kirchplatz als «Postautohalte- und -umsteigestelle» ist in den vergangen Jahren – aufgrund des zunehmenden Angebots der Postautokurse und der hohen Taktfrequenzen der Postautolinien – quantitativ wohl stetig «gewachsen», die Qualität des Umsteigeplatzes lässt jedoch bezüglich Sicherheitsaspekte und technischem Komfort sehr zu wünschen übrig. Sie muss dringend verbessert werden. Am 22. April 2007 wurde der Ausgabebeschluss für einen Studienauftrag für eine grundlegende neue Planung des Kirchplatzes vom Stimmvolk abgelehnt.

Übernahme der Seeallee als Teil der Lösung

In dieser Situation beschloss der Gemeinderat im Jahr 2008, ein Baugesuch für eine Gestaltung des Kirchplatzes einzureichen, welche mit relativ geringen baulichen Massnahmen für die Postautokunden mehr Sicherheit bringen sollte. Zwei Kernstücke dieses Vorhabens waren, dass die Mauer auf der Südseite der Parkanlage auf dem Kirchplatz um 1,50 m zurückgesetzt werden soll, um die engen Platzverhältnisse zu entschärfen, und dass geplant ist, auf der Seeallee nördlich der Parkanlage und vis-à-vis der Kirche zwei Postautohaltestellen einzurichten. Das Baugesuch für diese Lösung wurde vom kantonalen Tiefbauamt nicht bewilligt, weil die als Kantonsstrasse klassierte Seeallee mitbenützt werden musste. Um trotzdem eine Lösung zu finden, ergab sich der Weg über die Übernahme der Seeallee durch die Gemeinde. Nach Beschlüssen des Gemeinderates und des Kantonsrates ging die Hoheit für die Seeallee am 1. April 2009 an die Gemeinde über.

Projektänderung bringt Durchbruch

Im Vorfeld dieser Übernahme hat Markus Hartmann, Verkehrsplaner in Herisau, im Auftrag der Kommission Hoch- und Tiefbau Studien für eine künftige Nutzung der Seeallee ausgearbeitet. In diesem Zusammenhang haben die zuständigen Kommissionen und der Gemeinderat die Situation Seeallee/Kirchplatz nochmals eingehend erörtert. Der Gemeinderat hat entschieden, die Planung der künftigen Gestaltung der Seeallee als Fernziel der Kommission Planung und Baubewilligung zu übertragen und für die Umgestaltung des Kirchplatzes eine Projektänderung zur schnellstmöglichen Ausführung mit folgenden Prämissen in Auftrag zu geben: Der Kirchplatz soll nach der Variante «Hartmann» projektiert werden. Versuchsweise soll anschliessend eine Verengung bei der UBS auf der Seeallee-Seite geprüft werden, um eine Verkehrsberuhigung und zwei zusätzliche Kurzzeit-Parkplätze (für Bank und Post) zu erreichen. Auf der Nordseite des Kirchplatzes soll eine Verkehrstafel «Vortritt Gegenverkehr» platziert werden. Einstweilen wird vor der Kirche kein Trottoir erstellt. Die Prüfung einer eventuellen Überdachung für Postautobenutzer wird zurückgestellt, soll aber als nächstes zusammen mit einer allfälligen, daraus abgeleiteten Innengestaltung des Kirchplatzes angegangen werden. Der Auftrag für das Projekt Kirchplatz wurde der Arbeitsgemeinschaft Ingenieurbüro Wälli AG, Heiden/Architekturbüro Alex Buob, Heiden, erteilt.

Projekt mit geringeren Eingriffen am Kirchplatz
Das nun vorliegende Projekt sieht nur geringe Eingriffe auf dem Kirchplatz vor. Es sollen je drei Bus-Standplätze auf der Nord- und auf der Südseite erstellt werden. Der Standplatz für den Postautokurs Heiden-Eggersriet-St. Gallen soll unabhängig von den anderen Kursen befahren werden können. Ein Versetzen der Mauer auf der Südseite ist nicht mehr erforderlich. Für den Bereich Seeallee vor der Kirche-Kirchplatz-Bankgasse soll eine Begegnungszone signalisiert werden. Die Signalisation als Begegnungszone ermöglicht ein vernünftiges Miteinander von Fussverkehr, öffentlichem Verkehr sowie Anlieferungen und Kundenfrequenzen der Geschäfte am Kirchplatz. In der Begegnungszone gilt Höchstgeschwindigkeit 20 km/h. Parkiert werden kann nur auf markierten Feldern. Den Fussgängern steht die ganze Verkehrsfläche offen. Sie sind «gegenüber den Fahrzeugführern vortrittsberechtigt, dürfen jedoch die Fahrzeuge nicht unnötig behindern» (SSV Art. 22b). Dieses Konzept wurde schon auf diversen Bahnhofplätzen mit Erfolg umgesetzt.

Baubewilligung liegt vor
Das vorliegende Projekt wurde vorgängig auch Vertretern der PostAuto Schweiz AG, Region Ostschweiz, unterbreitet. Sie stehen hinter diesem Projekt. Es wurde auch dem Planungsamt AR als Bewilligungsbehörde für Bauvorhaben im Ortsbild von nationaler Bedeutung zur Überprüfung eingereicht. Dabei ging es hauptsächlich um die Überprüfung und Beurteilung der leicht geänderten Situation, einer geringfügigen Projektänderung des im letzten Jahr öffentlich aufgelegenen Projekts. Da das Planungsamt mit Unterstützung des kantonalen Denkmalpflegers für die „Variante Wälli“ bereits die Bewilligung erteilt hatte, musste somit nur über die Änderungen befunden werden, welche das Planungsamt auch mit Schreiben vom 1. Oktober 2009 genehmigte. Ebenfalls wurde das Projekt dem Vertreter der Behindertenorganisation procap St.Gallen vorgestellt. Auch er begrüsst diese Projektüberarbeitung, welche doch eine wesentliche Verbesserung der Situation für gehbehinderte Menschen darstellt. Die Baubewilligung für die Umgestaltung des Kirchplatzes wurde am 5. Oktober 2009 erteilt.

Kosten / Termine
Die für das Projekt benötigte Ausgabe von 160‘000.00 übersteigt die Finanzkompetenz des Gemeinderates. Der Gemeinderat hat das Projekt an der Sitzung vom 22. September 2009 genehmigt und den Ausgabenbeschluss dem fakultativen Referendum unterstellt. Die Referendumsfrist läuft vom 9. Oktober bis 9. November 2009. Der Gemeinderat beabsichtigt, die Bauarbeiten noch diesen Herbst / Winter durchzuführen. Wenn das Referendum ergriffen würde, könnte dieser Zeitplan jedoch nicht eingehalten werden.

Falls das Referendum ergriffen wird, würden die entsprechenden Arbeiten im Fall einer Zustimmung der Bürgerschaft nicht im Jahr 2010 vorgenommen. Während des Dunant-Jahres 2010 soll es aus Rücksicht auf die erhöhte Zahl von Gästen aus dem In- und Ausland im Ortsbild von nationaler Bedeutung keine Baustellen geben.

Appenzell Ausserrhoden / 15.10.2009 - 08:14:00
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