Die Zahl der Einsätze steigt jedes Jahr
Appenzell. Die Ambulanz wurde im vergangenen Jahr 449 Mal aufgeboten - 58 Mal mehr als 2007. Carola Wetzel, Leiterin des Rettungsdienstes, blickt aufs Jahr 2008 zurück.
Das neue Jahr ist bereits im vollen Gange und überall liest man derzeit Jahresstatistiken, Abschlüsse und Auswertungen des letzten Jahres. Carola Wetzel, diplomierte Rettungssanitäterin HF, ist Leiterin beim Rettungsdienst Appenzell. Nachfolgend blickt sie auf das vergangene Jahr zurück und erläutert den Berufsstand und die Tätigkeit des Rettungssanitäters bzw. der Rettungssanitäterin.
Im Jahr 2008 verzeichnete das Rettungsteam Appenzell wiederum steigende Einsatzzahlen. Insgesamt wurde die Ambulanz 449 Mal aufgeboten, was im Gegensatz zum Vorjahr 58 Einsätze mehr sind, beziehungsweise einer 15-Prozentigen Zunahme entspricht. Rund ein Drittel aller Einsätze erfolgte nachts zwischen 19 Uhr und 7 Uhr. Von 404 transportierten Personen handelte es sich bei 114 Einsätzen um Unfälle und bei 273 Einsätzen um krankheitsbedingte Transporte. Bei 20 Einsätzen wurde die Rega zur Unterstützung angefordert. Die einsatzstärksten Monate waren Januar, Juli und August, was wahrscheinlich zum Teil der Schulferienzeit und der Haupttourismussaison zugeschrieben werden kann.
Bevölkerung ist sensibilisiert
Die Einstufungen nach dem Schweregrad des Verletzungsmusters oder des Krankheitsverlaufes ergaben, dass 392 Personen nach einem Ereignis hospitalisiert werden mussten. 31 davon waren in einem akut lebensbedrohlichen Zustand. In 5 Fällen wurde eine Wiederherstellung der Vitalfunktionen erfolgreich durchgeführt. 10 Personen verstarben.
Wieso aber nehmen die Rettungseinsätze ständig zu? Diese Frage ist sicher berechtigt und die Antwort darauf unterschiedlich. Einerseits ist es dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und dem «Tourismusboom» im Kanton Appenzell Innerrhoden zuzuschreiben. Der Trend zur aktiven Freizeitgestaltung ist ein weiterer Grund, wo doch der Alpstein je nach Jahreszeit zum Wandern, Skifahren, Gleitschirmfliegen etc. einlädt. Andererseits sind es aber auch die Sensibilisierung der Bevölkerung in Notfallsituationen, die Bekanntheit der 144-er Notruf-Telefonnummer und die Gewissheit, dass auch im Zweifelsfalle jederzeit medizinisch kompetente Hilfe angefordert werden darf.
Moderne Diagnostikgeräte
Die Wichtigkeit einer schnellen und kompetenten medizinischen Versorgung der Bevölkerung sei hiermit nochmals unterstrichen. Die dazu nötige zeitgemässe Ausrüstung und die fundierte Ausbildung der Rettungssanitäter tragen ihren Teil dazu bei. Trotzdem sollten die Schulung der Sofortmassnahmen für Laienhelfer, beispielsweise in Reanimationssituationen, weiterhin gefördert werden. Dem Rettungssanitäter stehen im Einsatz teilweise moderne Diagnostikgeräte zur Verfügung. So wurde anfangs letzten Jahres das Defibrillations-Gerät mit einem 12-Kanal-EKG aufgerüstet. Damit kann der Rettungssanitäter die Ergebnisse in ein Zentrumsspital übermitteln, wo diese rund um die Uhr von einem Kardiologen ausgewertet werden. Diese Funktion wurde im Jahr 2008 13 Mal verwendet.
Zusammenfassend zählen unter anderem das schnelle Ausrücken der Rettungsmannschaft, die kurzen Anfahrtswege sowie die kompetenten und motivierten Fachpersonen mit guter Ausrüstung zu den Pluspunkten des Rettungsdienstes Appenzell Innerrhoden.
Zielspitäler
Dass in den vergangenen Jahren immer jeweils über die Hälfte der Patienten im Spital Appenzell versorgt werden konnte, bestätigt den Standort Appenzell. Trotzdem braucht es dazu gewisse Einrichtungen, einige «Reize» wie beispielsweise spezielle Diagnostikgeräte und eine rund um die Uhr betreute Notfallstation. Die Tendenz, die Patienten nach einem Rettungseinsatz ins Spital Appenzell zu bringen, ist zwar abnehmend, was aber auf verschiedene Ursachen zurückzuführen ist. Eine davon ist sicher die Entwicklung in der Medizin. Wo heute die Computertomographie (CT) schon fast als Standarduntersuchung gilt, wurde diese früher meist erst nach speziellen Indikationen durchgeführt.
Zudem ist man heute bezüglich Vorsorgeuntersuchungen und Prophylaxen durch immer wieder neue Erkenntnisse vorsichtiger geworden. Die steigende Tendenz, in solchen Fällen die Patienten ins Kantonsspital St. Gallen zu bringen, hängt von der seit 2006 bestehenden Zusammenarbeit mit dieser Institution zusammen. Damit das Spital Appenzell weiterhin in seiner Form bestehen kann, sollte demzufolge in einem neuen Gesundheitszentrum ein angemessenes, aber doch finanziell tragbares Angebot an Notfallversorgung einberechnet werden.
Schnell richtig entscheiden
Der Rettungsdienst Appenzell Innerrhoden beschäftigt seit Oktober 2008 nur noch ausgebildete Rettungssanitäter, was aus einer zeitgemässen Angleichung an die übrigen Rettungsdienste der Schweiz resultierte.
Oft trägt der Rettungssanitäter eine grosse Verantwortung, gilt es doch innert kürzester Zeit richtige Entscheidungen bezüglich der Therapie und der Einweisung in ein geeignetes Spital zu treffen. Wo sich diese Verantwortung in einsatzstärkeren Rettungsdiensten zwei ausgebildete Rettungssanitäter teilen und zusätzlich ein Notarzt mit einem weiteren Rettungssanitäter jederzeit zur Verfügung steht, sind die Anforderungen an das kleine Appenzeller Rettungsteam sehr hoch. In komplexen Situationen sollte stets die Übersicht behalten und die Ruhe bewahrt werden. Ein Tagesablauf lässt sich niemals planen und kein Einsatz gleicht dem anderen, was ein grosses Improvisationstalent und viel Flexibilität fordert.
Der Beruf verlangt aber auch eine hohe physische und psychische Belastbarkeit, denn die Rettungssanitäter werden bei ihren Einsätzen oft mit schweren Verletzungen oder dem Tod konfrontiert.
Kompetente Unterstützung
Rettungssanitäter leisten einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen von Rettungseinsätzen, sei es an Unfallorten, bei akuten Erkrankungen oder bei Krankentransporten. Sie betreuen und unterstützen kompetent sowohl Patienten und, wenn nötig, Angehörige während des Transportes. Hilfreich dabei ist, dass je nach Einsatzart im Kanton Appenzell Innerrhoden jederzeit ein Notfalldienstarzt angefordert werden kann.
Während der einsatzfreien Zeit helfen die Rettungssanitäter auf den verschiedenen Pflegestationen und auf dem Notfall aus, kümmern sich stellvertretend um das ganze Materiallager, die Apotheke und das Spezialmatratzenlager, oder führen die Reanimationsschulungen für das gesamte Personal des Spitals und Pflegeheimes durch.
Zur Gesamtübersicht der Einsatzstatistik der letzten 20 Jahre



























