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Die Wiederkäuer

Olma: Die Schweizer Messe für Landwirtschaft und Lebensmittel hat wieder ihre Pforten geöffnet.

Ich persönlich bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt, wie viele Menschen sich in unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft anscheinend noch für Landwirtschaft interessieren. Vom unterbezahlten «Büezer» bis zum überbezahlten Top-Manager, vom jungen Pickelgesicht bis hin zu denjenigen, die Willhelm Tell noch persönlich kannten, alles schiebt und drängelt auf das Messegelände. Letztes Jahr konnte die Messe immerhin fast 400’000 Besucher vorweisen.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch ich nicht wegen den Viehschauen an die Olma gehe. Wie die meisten anderen Besucher dränge ich zu den Bierständen und versuche mir irgendwo ein lauschiges Plätzchen zu erkämpfen. Es ist immer interessant, wie viele Leute man dort trifft. Solche die man mag, solche die einem auf den Zeiger gehen und solche die man eigentlich kennt, deren Namen man aber vergessen hat (was man durch sehr allgemein gestellte Small-Talk-Fragen und exzessives «auf die Schulterklopfen» zu verbergen sucht).

Je später es wird, desto ausgelassener wird gefeiert. Und irgendwann, ab einem gewissen Zeitpunkt, wecken einige der Olma-Besucher bei mir Assoziationen zu den Rindviechern in der Halle nebenan. Ähnlich wie das Braunvieh rülpsen und furzen manche Zweibeiner hemmungslos in der Gegend herum und gepinkelt wird wo man halt gerade steht. Wie man weiss, sind Kühe Wiederkäuer, das heisst, die Nahrung wird geschluckt, ein bisschen verdaut und zum erneuten Kauen wieder hoch gewürgt. Beim letzten Olma-Besuch stellte ich mit Erstaunen fest, dass das anscheinend auch beim Menschen funktioniert.

Einige besonders lustige Exemplare der Gattung Mensch trinken dermassen viel, das die Alkoholmenge eigentlich ausreichen würde um einen Elefanten zu betäuben. Nun stellt sich naturgemäss nach einer gewissen Menge Gerstensaft der Brechreiz ein. Dabei konnte ich beobachten wie ein junger Kampftrinker seinen Mageninhalt hoch würgte, sich jedoch weigerte den Mund aufzumachen. Fazit: Er schluckte die geballte Ladung wieder hinunter – na ja, jedenfalls fast die ganze Ladung. Einen kleinen Rest spuckte er ganz lässig einem zufällig vorbeikommenden Passanten auf die Schuhe. Um den komischen Nachgeschmack im Mund loszuwerden, kippte er gleich noch ein Bier hinterher. Danach gab es donnernden Applaus von seinen Kollegen.

Andere, die nicht soviel Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart aufbringen können wie dieser junge Held, lassen sich das Bier halt nochmals ganz durch den Kopf gehen. Gut, ich muss gestehen, dass ich auch kein Abstinenzler bin. Das war ich nie und werd ich auch nie sein – erst recht nicht an der Olma. Wieso ich dann mit dem Finger auf andere zeige? Nun…weil es Spass macht.

Um diese kleine Anekdote zu Ende zu bringen: Die Olma ist toll und gehört nun mal zu St.Gallen wie der Eiffelturm zu Paris, der Big Ben zu London und fragwürdige Plakate zum Schweizer Wahlkampf.

Wir sehen uns an der Olma…Prost!


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Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 11.10.2007 - 14:00:00