Die Verjüngung der Regierung
Frauenfeld. Durch den Einzug von Monika Knill verjüngen sich die Thurgauer Regierungsräte im Schnitt von 57.6 auf 51.8 Jahre.
Zum zweiten Mal in der Thurgauer Geschichte zieht eine Frau in die Regierung. Die 35-jährige Monika Knill (SVP) ersetzt den zurücktretenden Baudirektor Hans-Peter Ruprecht und erbt von Jakob Stark das Departement für Erziehung und Kultur. Mit der Wahl erreichte sie in relativ kurzer Zeit einen Höhepunkt in ihrer politischen Karriere. Ob damit die Spitze bereits erreicht ist, will die neue Regierungsrätin aber noch unbeantwortet lassen.
Monika Knill wurde 2003 ins Kantonsparlament gewählt und schon zwei Jahre später, im März 2006, zur Chefin der grössten Fraktion befördert. Weitere zwei Jahre später folgt nun mit der Wahl in die Thurgauer Regierung die vorläufige Krönung. Da fragt man sich natürlich, wohin der Weg die heute 35-Jährigen noch führen soll. Ist Bern dereinst das Ziel? «Niemand weiss, was Morgen kommt und schon gar nicht in einigen Jahren», erklärt Knill. «Ich habe keine weiteren politischen Ämter oder Ziele im Kopf, sondern freue mich jetzt auf meine Tätigkeit als Regierungsrätin.» Damit lässt sie verständlicherweise alle Optionen offen. Das fünfköpfige Gremium erhält mit Knill aber ganz klar eine Person, die weiss, was sie will – ganz getreu ihrem Wahlkampfslogan «Knill will».
«Vieles kommt auf uns zu»
Diese Spuren wird man im Departement für Erziehung und Kultur zu sehen bekommen. Mitte März hat sich der Regierungsrat neu konstituiert. Der bisherige Erziehungsdirektor Jakob Stark wechselt per 1. Juni wie erwartet ins Departement für Bau und Umwelt. Die neue Regierungsrätin Knill übernimmt dann das derzeitige Amt von Parteikollege Stark.
Die Frage des Geschlechts
Während des Wahlkampfes griffen die Medien jedoch weniger die konkreten Projekte und Lösungsansätze der Kandidatin, als viel mehr ihr Alter sowie das Geschlecht auf. Dass dies thematisiert wurde, stört Knill aber überhaupt nicht, denn «die Frauenvertretung in der Regierung ist im Thurgau tatsächlich noch etwas Besonderes.» Wie aber steht sie grundsätzlich zur Debatte «Mehr Frauen in Führungspositionen»? «Ich erachte es generell als bereichernd, wenn in einem Gremium beide Geschlechter vertreten sind. So auch in Führungspositionen.» Jegliche Quotenvorgaben empfinde sie hingegen als schlecht, da solche für Frauen nicht besonders motivierend seien. «Letztlich müssen die Frauen auch wollen und sich mit der männlichen Konkurrenz auseinander setzen.»
20 Jahre jünger
Der «Generationenwechsel» prägt derzeit die politische Landschaft der Schweiz. Auch Monika Knill wird 36-jährig sein, wenn sie in die Thurgauer Regierung einzieht. «Es ist vielleicht ein Zufall, dass tatsächlich da und dort sogenannte Generationenwechsel stattfinden», so Knill. «Ich finde es gut, wenn in der Politik nicht nur die Geschlechterdurchmischung gewünscht wird, sondern auch Personen unterschiedlichen Alters zusammen wirken können.» Durch den Einzug Knills verjüngen sich die Thurgauer Regierungsräte übrigens im Schnitt von 57.6 auf 51.8 Jahre. Knill ist dabei fast 20 Jahre jünger als ihre künftigen Kollegen Claudius Graf-Schelling (58-jährig), Bernhard Koch (59), Kaspar Schläpfer (57) und Jakob Stark (49).
«Einerseits profitieren Jüngere von der Erfahrung der Älteren, anderseits kommen im Rahmen des Generationendialogs auch neue Aspekte und Meinungen dazu», ist Knill überzeugt. Wobei auch Ältere «jung denken» können und umgekehrt. Also sei es nicht immer eine Frage des Alters. Knill weist denn auch die Behauptung zurück, sie habe gezielt auf dieses Amt hingearbeitet: «Man kann auf ein Amt hinarbeiten, doch sollte man nie alles nur auf eine Karte setzen. Es hat auf solchen Wegen immer wieder Weichenstellungen, die man neu beurteilen muss. Oft kommt es halt auch anders als man denkt…»
Die neue Departementsverteilung im Kanton Thurgau ab dem 1. Juni 2008 sieht wie folgt aus:
Departement für Inneres und Volkswirtschaft:
Dr. Kaspar Schläpfer, FDP (bisher)
Departement für Erziehung und Kultur:
Monika Knill, SVP (neu)
Departement für Justiz und Sicherheit:
Dr. Claudius Graf-Schelling, SP (bisher)
Departement für Bau und Umwelt:
Dr. Jakob Stark, SVP (neu)
Departement für Finanzen und Soziales:
Bernhard Koch, CVP (bisher)



























