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«Die Schönheit des Seins» im Liner Museum Appenzell

Appenzell. Vom 7. Juni bis 1. November 2009 findet eine Sonderausstellung im Museum Liner statt.

Carl August Liner (1871 – 1946) stammte aus einer Handwerkerfamilie. Er studierte von 1890 bis 1893 bei Johann Caspar Herterich (Malklasse) und Paul Höcker (Freilichtmalerei) an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ab 1894 arbeitete er als Zeichenlehrer und Illustrator in seiner Heimatstadt St. Gallen. In den Jahren 1897 bis 1899 reiste er nach Rom, Terracina und Paris. 1901 wurde ihm von der Kunstakademie Düsseldorf eine Professur angeboten, welche er aus persön-lichen Gründen ablehnte. Liner heiratete 1902 die aus einer grossbürgerlichen Familie stammende Cécile Bernet. Bis 1910 verbrachte die Familie den Winter regelmässig in der Schwabinger Ate-lierwohnung, den Sommer in der St. Galler Villa Recife der Bernets. 1906 erwarb er zusammen mit seiner Gattin ein Bauerngut am Unterrain in Appenzell, das so genannte Landhaus, das er in Teilen zu einem Atelierhaus umbaute. Dieses Gut bewirtschafteten die Liners bis 1930. Die Familie hatte fünf Kinder, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten, darunter der spätere Maler Carl Walter Liner.

1913 gründete der inzwischen etablierte Künstler Carl August Liner die St. Galler Sektion der GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler und Bildhauer), deren Präsident er wurde. 1918 wurde er als Ferdinand Hodlers Nachfolger in den Schweizerischen Zentralvorstand der GSMBA aufgenommen. In den 1920er Jahren führten Begutachtungsaufträge des St. Galler Kunstsammlers Eduard Sturzenegger Liner mehrfach nach Deutschland. 1928 wurde er Präsident des Zentral-vorstandes der GSMBA. 1931 trat Carl August Liner von diesem Amt zurück.

Neben der bäuerlichen Selbstversorgung und dem Ertrag aus der Landwirtschaft sicherte Liner die Existenz seiner Familie hauptsächlich durch gebrauchsgraphische Arbeiten, wie Briefmarkenent-würfe, Zeitschriftenillustrationen und Plakate, und betätigte sich daneben zeitweise als Erfinder (Patent für einen Vorläufer des Einachsmotormähers). Die Nachfrage nach Liners Bildern setzte erst in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre ein, zunächst in Form von Porträtaufträgen. 1934 Ägyptenreise im Auftrag der Unternehmer Reinhart und Schmidheiny. 1940 Verschlechterung des Gesundheitszustandes als Folge einer Knochentuberkulose. 1942 Lähmung der unteren Körper-hälfte und dauernder Spitalaufenthalt in Appenzell. 1946 in Appenzell gestorben.

Mit dem 1907 erfolgten Umzug auf das Land gehört Liner – neben Edouard Vallet und Ernest Biéler im Wallis und Max Buri im Berner Oberland – zu einer Reihe von Schweizer Künstlern, die nach 1900 bewusst den mondänen Metropolen den Rücken kehrten. Liners Werk wurde als Beitrag zur Charakterisierung der Appenzeller Landschaft und seiner Bevölkerung bekannt. Liner entwickelte, vom fast photographischen Naturalismus der Münchner Akademie kommend, eine Freilichtmalerei, die sich an den deutschen Spätimpressionismus eines Wilhelm Leibl, Hans Thoma oder Max Liebermann anlehnte. Im Gegensatz zu dem anekdotischen Genremaler Albert Anker reflektiert oder illustriert Liner in seinen Werken nicht ausschliesslich das bäuerliche Leben, son-dern thematisiert ebenso das malerische Handwerk an sich. Im Spätwerk ab 1930 kommt ein expressiverer Duktus zum Tragen, der das Studienhafte, welches viele Werke Liners als Momentaufnahme aus dem Leben auszeichnet, in eine neue Ausdrucksqualität überführt. Die Zeichnungen Carl August Liners sind Dokumente einer herausragenden Begabung, das Wesentliche eines Augenblicks festzuhalten – wobei gerade die Bildnisse immer wieder den bäuerlichen Typus mit einer genauen Studie der jeweiligen Individualität vereinigt.

Die „Schönheit des Seins“, des realen Lebens und seiner ästhetischen Wiedergabe, wird in der Ausstellung anhand von über 100 Werken Carl August Liners aus öffentlichem und privatem Besitz augenscheinlich. Ergänzt wird die Präsentation des herausragenden Werkes des Ostschweizer Künstlers mit ausgewählten Werken aus der Sammlung der Stiftung Liner, darunter Mondrian, Josephsohn oder Kirchner, die ein neues Licht auf die künstlerischen Qualitäten des Malers werfen.


Öffentliche Führungen:
Jeweils Sonntag 7. Juni, 5. Juli, 2. August und 6. September 2009, um 14.00 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 12 / 14 – 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr
MUSEUM LINER APPENZELL, CH-9050 Appenzell Unterrainstrasse 5
Telefon +41 (0)71 788 18 00 · Fax +41 (0)71 788 18 01; info@museumliner.ch · www.museumliner.ch
Appenzell InnerrhodenAppenzell Innerrhoden / 02.06.2009 - 16:11:21